Archivbild: Die Schauspielerin Jutta Lampe am 16.03.2011. (Quelle: imago images)
Audio: rbbKultur | 03.12.2020 | Michaela Gericke | Bild: imago images

Mit 82 Jahren - Schauspielerin Jutta Lampe gestorben

30 Jahre lang spielte sie an der Berliner Schaubühne und hatte führende Rollen in Filmen Margarethe von Trothas: Nun ist die Schauspielerin Jutta Lampe im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Ein Nachruf von Michaela Gericke.

Das Leben war für Jutta Lampe das Theater. Mit acht Jahren tanzte sie bereits im Kinderballett und sang im Kinderchor. Nach der Schauspielausbildung langweilte sie sich zunächst mit Boulevardstücken an Stadttheatern, bis Peter Stein sie 1964 in Bremen entdeckte - und sie selbst auf den Regisseur zuging mit den Worten: "Ich muss unbedingt mit Ihnen arbeiten."

Stein engagierte Jutta Lampe als Lady Milford in Schillers Kabale und Liebe. Steins Vision vom Theater entsprach ihrer eigenen Sehnsucht, sagte sie: "Ich konnte auf der Bühne sein, so wie ich bin, konnte meinen Körper so gebrauchen, wie es mir organisch ist und vor allen Dingen das, was ungewöhnlich war: Das Sprechen in den Körper zu nehmen, das heißt, den Sinn eines Textes, eines Wortes im Körper zu spüren und durch den Körper auszudrücken. Die ganze Person durfte auf der Bühne sein."

Das Kollektiv der Schaubühne war Familie und Zuhause

Schauspiel war für Jutta Lampe Ausdruck von Empfinden und von existenziellen Fragen, ob nun bei Shakespeare, Goethe, Tschechow, Gorki, Ipsen, Beckett oder Botho Strauß. Knapp 30 Jahre lang war das Kollektiv der Schaubühne Jutta Lampe Familie und Zuhause. Von dem Modell der gemeinsamen Entscheidungen wollte sie sich nie trennen.

Bis 1999 kehrte Jutta Lampe immer wieder zurück an die Schaubühne, obwohl es mit dem neuen Intendanten Thomas Ostermeier nicht mehr die ihre war. Die folgenden Engagements in Zürich, Wien und Berlin konnten sie über den schmerzlichen Abschied von der Schaubühne nicht hinwegtrösten.

"Meistens bin ich traurig oder bisschen ärgerlich rausgegangen"

Im Frühjahr 2009 sagte sie anlässlich ihrer Aufgabe als Jurorin für den Alfred-Kerr-Preis beim Berliner Theatertreffen: "Vor zehn Jahren, als wir da aus der Schaubühne rausgehen durften, da waren die jungen Schauspieler und die jungen Regisseure, die wollten uns irgendwie beschimpften, weil wir so altes Theater machen, also mit Gefühlen und so. Und dann haben sie das versucht, ganz anders zu machen und cool und Schnellreden … das fand ich ganz furchtbar. Ich bin aber dann trotzdem ins Theater gegangen. Meistens bin ich traurig oder bisschen ärgerlich rausgegangen." Trotzdem: Sie sei auch immer wieder reingegangen.

Welche Rolle sie nie annehmen wollte? Die einer Zynikerin, sagte sie. Theaterspielen hieß für Jutta Lampe, Scham und Ängste zu überwinden, ihr Innerstes zu zeigen. Quasi-religiös, so beschrieb der Regisseur Peter Stein ihre absolute Hingabe an den Beruf.

In der Nacht zu Donnerstag ist Jutta Lampe im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben.

Beitrag von Michaela Gericke

2 Kommentare

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  1. 2.

    Vielen Dank für Ihre Worte zum Tod von Jutta Lampe. Auch ich hatte Sie in einer sehr ungewöhnlichen Aufführung des Schaubühnen Ensembles gesehen und gehört. Es war eine griechische Aufführung an zwei Abenden, die unterm Funkturm verlegt wurde. Erster Abend nannte sich“ Übung für Schauspieler“. Es begann damit, das die Zuschauer mit einbezogen wurden. Zwischen den Sitzbängen lagen die Schauspieler liegend am Boden verteilt und rührten sich nicht. Bei genauer Betrachtung schienen sie tatsächlich zu schlafen. In der angespannten Ruhe im großen Raum kam Bewegung. Atmung setzte ein u.s.w. Alles wurde durchexerziert. Auch spontanes Weinen. Jutta Lampe weinte zwar, doch konnte sie nicht wieder aufhören. Otto Sander kam zu ihr und schlug ihr leicht gegen die Wange. So intensiv habe ich sie auch bei der eigentlichen Aufführung am zweiten Abend erlebt. Ein unvergessliches Theater-Erlebnis. Ruhe in Frieden.

  2. 1.

    Ich bin sehr traurig über die Nachricht. In der Schaubühne habe ich Jutta Lampe in vielen Produktionen hören! und sehen dürfen - welch tiefe Eindrücke und schönen Erinnerungen - auch nach so vielen Jahren. Und neben ihr an der Kasse des Bioladens zu stehen kam auch vor im Wilmersdorf rund um die Schaubühne. Eine Schauspielerin deren gesprochene Worte nicht nur so schön und klar zu hören waren, sondern deren Sinn sie auch so überzeugend darstellen und fühlbar machen konnte.

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