Die Kuppelspitze mit einem Kreuz ist auf dem Neubau vom Berliner Schloss, dem Humboldt Forum, vor dem Fernsehturm am Alexanderplatz (im Hintergrund) zu sehen.
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Audio: Inforadio | 17.12.2020 | Barbara Wiegand | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Eröffnung des Humboldt-Forums 2021 - Aushängeschild, Kontrapunkt, Ort des Widerspruchs

Mit dem Humboldt-Forum bekommt Berlin 2021 einen weiteren bedeutenden Kulturort - einen mit jeder Menge Ambivalenz. Schon das Gebäude selbst bietet Stoff für Debatten, nun kommt der nicht minder umstrittene Inhalt dazu. Die Erwartungen sind groß.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer sieht für das neue Humboldt-Forum nach seiner digitalen Eröffnung Herausforderungen und Chancen zugleich. "Das Humboldt-Forum wird sich mit den verschiedenen Angeboten erst noch bewähren müssen", sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Auch mit den Widersprüchlichkeiten, die damit notwendig verbunden sind - und die ich nicht für ein Problem halte."

Lederer hoffe auf einen "Kontrapunkt zu einem Selbstverständnis, dass das Humboldt-Forum sozusagen als Aushängeschild der Bundesrepublik als geläuterte Nation darstellt. Hier sollen unbedingt Widerspruch und Auseinandersetzung ermöglicht werden. Zu welchem Zweck betreibt man Museen? In einem aufgeklärten Sinne, um die Leute anzuregen, ihren Verstand zu benutzen."

Eröffnung 2021 in mehreren Abschnitten

Das 677 Millionen Euro teure Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft nutzen künftig zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden nach den bis Ende 2021 geplanten Öffnungsschritten Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

"Für den Berliner Teil sehe ich unsere Rolle darin, zum Widerspruch herauszufordern, zu Debatten anzuregen, Nachdenklichkeit zu befördern, die mit existierenden gesellschaftlichen Missständen und Problemen zu tun haben, die die Menschheit insgesamt vor ziemliche Herausforderungen stellen", sagte Lederer. "Es soll gelingen, Berlin im globalen Netzwerk zu präsentieren." Berliner Stadtgeschichte sei eben auch Kolonialismus, NS-Diktatur, Teilung, Kalter Krieg, Parteibürokratie und das Regime der SED. "Aber Berlin ist auch eine Metropole im internationalen Kontext und war es immer wieder."

Grütters: "Gewaltige Erwartungen"

"Diese Kultureinrichtung stellt etwas Neues dar, mitten im Herzen Deutschlands", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Deshalb gebe es "gewaltige Erwartungen". "Nun beginnen wir unter erschwerten Corona-Bedingungen, den Praxistest muss das Humboldt-Forum also noch bestehen", sagte Grütters. "Aber ich bin sicher, dieses Haus wird mit seinem Ausstellungsangebot so etwas wie das Basislager für eine Weltreise sein."

Nach ihrer Einschätzung wird das Gebäude Topografie und Wahrnehmung des Berliner Zentrums deutlich verändern. "Dieses große Gebäude im Herzen der deutschen Hauptstadt soll viele unterschiedliche Besuchergruppen ansprechen." Deshalb werde es in den Dauerausstellungen freien Eintritt geben. "Das Humboldt-Forum soll ein Aufenthaltsort werden, der die Stadt in ihrer alten Mitte wieder erfahrbar macht."

Partner beschwören gute Zusammenarbeit

Die komplizierten Strukturen im neuen Humboldt-Forum sehe er dagegen gelassen, so Lederer. "Alle Akteure haben an einem gemeinsamen Governance-Modell für das Humboldt-Forum gearbeitet, im Gebäude herrscht Vielfalt und auch der Freiraum für unterschiedliche Akteure, eigene Akzente zu setzen."

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, blickt zuversichtlich auf die Kooperation der Verantwortlichen. "Die institutionelle Konstruktion des Humboldt-Forums mit seinen unterschiedlichen Akteuren ist sicher nicht einfach", sagte Parzinger der Deutschen Presse-Agentur. "Aber wir arbeiten sehr, sehr gut zusammen, mit dem Generalintendanten und seinem Team sowie mit unseren Partnern, der Humboldt-Universität und dem Stadtmuseum. Das ist eine entscheidende Grundlage für den Erfolg des Projekts."

Umzug mit 20.000 Objekten

Die Museen der Stiftung präparieren laut Parzinger derzeit die von der Verlagerung betroffenen Kunststücke. "Wir haben vor Jahren eine Restaurierungsstraße in Dahlem eingerichtet. Dort bereiten Fachleute die Objekte für den Umzug vor, das geht wie am Fließband, zugleich hochkompetent und sehr sorgfältig". Dort werde entgiftet, konserviert, je nach Fall restauriert, fotografiert, digitalisiert. "Jetzt sind wir weitgehend fertig, wir stehen am Start und können sofort umziehen mit den etwa 20.000 Objekten."

Dafür müsse die Klimastabilität im Humboldt-Forum gewährleistet sein. "Wir hoffen, dass es im Januar losgeht. Dann können wir gewährleisten, dass wir die Objekte wie geplant rechtzeitig im zweiten und dritten Obergeschoss präsentieren können."

Berlin-Mitte, Berliner Schloss (Stadtschloss). Blick von der Schloßbrücke auf die Nordwestseite des Stadtschlosses (Quelle: dpa) Das Berliner Schloss, 2020, Humboldt Forum mit Schlossbrücke und Fernsehturm, Berlin Mitte (Quelle:dpa)

Das Berliner Schloss damals & heute: Das linke Foto ist von 1935, das rechte vom Dezember 2020.

Sendung: Inforadio, 03.01.2021, 13 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ich find die Neue Nationalgalerie ist keine hässliche Baracke.

  2. 4.

    Den Palast der "Republik" renovieren? Sie meinen sicher, für viele Millionen sanieren. Da hätten wir kaum gespart.
    Und einen Pilgerort für die ewig gestrigen Verklärer der faschistoiden SED Diktatur.
    Gut das er weg ist.

    Koloniale Kunst etc. sollte aber allerdings zurückgegeben werden. Das wird sicher noch kommen, muss kommen.

  3. 3.

    Außen rückwärtsgewandt und revanchistisch, innen verstaubt und kolonialistisch. TOLL!
    Hätte man den Palast der Republik umgebaut als Zentrum für Moderne Kunst (vgl. Center Pompidou in Paris) hätte man sich auch noch die Baracke „Neue Nationalgalierie“ sparen können. Die koloniale Kunst zurück an die Herkunftsländer (auch als Beitrag der vielbeschworenen Entwicklungshilfe!) der Rest kann in Dahlem liegen bleiben. Und Berlin hätte zudem noch viele Millionen gespart.

  4. 2.

    Ist mir da etwas wichtiges entgangen? Der eigentliche Mentor und Förderer , Enthusiast und Wegbereiter Mc. Gregor schweigt dermassen laut und taucht nirgendwo mehr auf. Da muss doch etwas dahinter stecken. Vielleicht det Furor deutscher Grundsatzdebatten , der jetzt herrscht im Reich der Lüfte, a La rbbnutzer? So viel Haß als getarnte Liebe zur absoluten Reinheit und Wahrheit ist ja schon tragikomische Deutschland Folklore.

  5. 1.

    "Kontrapunkt zu einem Selbstverständnis" - das ist genau das, was all die Verharmlosenden, Sympathisant*innen von Kolonilaismus, Rassismus, Autortarismus einfordern. Demzufolge wären ja auch Straßennamenumbenennungen nicht relevant, die "Mohrenstraße" bleibe eine solche, Provenienzforschung und Rückgabe seien dann auch nur Almosen und die grundsätzlichen Systemdebatten über kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Rassismus und rechter, identitärer Kulturpolitik werden ebenso ausgeblendet. Das ist genau die verklärende Perspektive auf Geschichte, Politik und Gesellschaft, die sich die autoritären Unterstützenden dieses Schandmals erhoffen. Zudem ist das Gebäude kein Museum, auch nicht als solches geplant. Losgelöst von aller Wissenschaftlichkeit soll ein "Schlechtst of" der Raubkunst von Jahrhunderten dort zur Schau gestellt werden. Dass die Stiftung zurecht zerschlagen wird - kein Problemchen für den Klaus. Gehen Sie wieder in die dritte Reihe, wo Sie hingehören, Lederer!

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