Stiftung Preußische Seehandlung - Berliner Literaturpreis geht an Monika Rinck

Monika Rinck (Quelle: dpa/Patrick Seeger)
dpa/Monika Rinck
Audio: Inforadio | 12.01.2021 | Ute Büsing | Bild: dpa/Monika Rinck

"Analytische Eleganz" und "Lust am Klang" bescheinigt ihr die Jury: Nach zahlreichen anderen Auszeichnungen zuvor hat die Lyrikerin Monika Rinck nun auch den Berliner Literaturpreis gewonnen. Von Ute Büsing

Eine Überraschung? Eigentlich keine Überraschung! An der Lyrikerin Monika Rinck kommt eigentlich kein Literaturpreis, den sie noch nicht hat, vorbei. Standesgemäß bedankte sie sich mit einem langen Gedicht, das bereits 2007 vom "Fernbleiben der Umarmung" handelte. Besonders passend, jetzt in diesen Corona-Zeiten von "Plan und Planlosigkeit", befand die stets eloquente Preisträgerin, die es vermag, auch komplizierte Gedankengebilde hautnah zu bringen.

Erst vor kurzem nach Berlin zurückgekehrt von einer Gastprofessur in St. Louis, machte die 51-jährige Lyrikerin deutlich, wie sehr sie in Berlin-Moabit verwurzelt ist, wo sie seit Langem lebt, und wie sich für sie ein Kreis schließt, mit der Übernahme der mit dem Berliner Literaturpreis verbundenen Gastprofessur am Peter Szondi-Institut für Literaturwissenschaft, wo sie selber in den 90er Jahren studiert hat. Monika Rinck lobte die in damals in Berlin entstehenden "offenen Räume", darunter die Kulturfabrik Lehrter Straße, der sie bis heute verbunden ist.

Basis für welthaltige Lyrik: Berlin-Moabit

Soviel Berlin-Verbundenheit freut den Regierenden Bürgermeister Michael Müller. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Preußischen Seehandlung, die seit 1983 Preise verleiht und Stipendien vergibt. Diese Kulturinstitution zu popularisieren, war ein Anliegen der Zoom-Pressekonferenz zum Berliner Literaturpreis. Müller machte deutlich, wie sehr es in Zeiten knapper Kassen auf Stiftungen und bürgerschaftliches Engagement ankommt, die mithelfen, "Kultur sichtbar zu machen".

Herzstück der Förderungen durch die Preußische Seehandlung ist neben dem alljährlich am Rande des Berliner Theatertreffens verliehenen bekannteren Theaterpreis der Berliner Literaturpreis. Der setzt "sehr auf Qualität", wie der Regierende Bürgermeister hervorhob. Mit Monika Rinck im Rennen darum waren 2021 neun weitere allesamt renommierte Kandidaten. Zu den illustren Vorgängerinnen der zum 17. Mal verliehenen Auszeichnung gehört die spätere Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

In Zeiten von Plan und Planlosigkeit: "Champagner für die Pferde"

Stiftungsvorstand Hans Gerhard Hannesen begründete die Vergabe an Monika Rinck mit ihrer bestechenden "Lust am Klang", der "gedanklichen Präzision", ihrer "analytischen Eleganz" und ihrem Sprachwitz. Zuletzt gezeigt in Werken wie dem Lesebuch "Champagner für die Pferde" und dem Gedichtband "Die Honigprotokolle".

Monika Rinck, zuvor bereits ausgezeichnet u.a. mit dem Peter-Huchel, dem Kleist- und dem Ernst-Jandl-Preis, nahm gerne an der Zoom-Pressekonferenz teil - wohl auch, weil dieses Medium zu den "neuen offenen Formen" gehört, die sie in einer unsicher bleibenden Corona-Zukunft auf dem Vormarsch sieht. Zu Vorlesungen über "Plan und Planlosigkeit" will sie ihre undotierte Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft nutzen. In ihrem Lyrikerinnen-Lockdown nach der Heimkehr aus Amerika sind bei Spaziergängen unter dem Titel "Die Ente der Welt" alberne Enten-Gedichte entstanden, erzählt sie, publiziert in der Zeitschrift "Die Mütze". Mit den 30.000 Euro für den Berliner Literaturpreis wird sie wahrscheinlich auf die Suche nach einer ruhigeren Bleibe in Berlin-Moabit als der bisherigen gehen, auf der Flucht vor "Techno-Partys im Home Office".

Sendung: Inforadio, 12.01.2021, 08.30 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

3 Kommentare

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  1. 3.

    Da trifft einträchtig das Politische das Poetische - mehr als bemerkenswert. So kann nur ein Künstler u.a. über Gendering schreiben. Was für eine feine Klinge und feminine Leistung. Frauen können sehr feine komplexe Zusammenhänge so erkennen, dass man nicht umhinkommt, dies auszuzeichnen - Wahnsinn.

  2. 2.

    Da trifft einträchtig das Politische das Poetische - mehr als bemerkenswert. So kann nur ein Künstler u.a. über Gendering schreiben. Was für eine feine Klinge und feminine Leistung. Frauen können sehr feine komplexe Zusammenhänge so erkennen, dass man nicht umhinkommt, dies auszuzeichnen - Wahnsinn.

  3. 1.

    Obwohl ich sehr belesen bin kenne ich Frau Rinck leider nicht. Aber sei es der Dame gegönnt , der großen Unbekannten.

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