Bild für Claudia Skoda, in Zusammenarbeit mit Cynthia Beatt, Silbergelatine-Vintageprint, 1983 © Silke Grossmann
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Audio: Radioeins | 06.01.2021 | Cora Knoblauch | Bild: © Silke Grossmann Download (mp3, 6 MB)

Online-Ausstellung "Claudia Skoda. Dressed To Thrill" - Glam-Rock-Schlauchkleider aus der Kreuzberger "factory"

Berlin-Kreuzberg, Mitte der 1970er-Jahre: In einer Fabriketage schreibt die junge Designerin Claudia Skoda Modegeschichte. Sie entwirft Kleider, Leggings und Mäntel aus Strick. Eine Online-Ausstellung der Staatlichen Museen zeigt Skodas Werdegang. Von Cora Knoblauch

"Mit Strickmaschine am Kotti" - so übertiteln etwas flapsig die Staatlichen Museen auf ihrer Webseite die schwarz-weiße Fotografie einer Frau. Die steht in Herren-Jackett, Strumpfhose und latexglänzenden Highheels in einem schmuddeligen U-Bahnhof, in der Hand trägt sie eine seltsame Maschine wie einen Waffenkoffer.

Die junge Frau ist Claudia Skoda, der U-Bahnhof ist das Kottbusser Tor und die längliche Maschine in ihrer Hand ist eine Strickmaschine. Mit der strickt Skoda in den 70er-Jahren einen Großteil ihrer Entwürfe: Mode zwischen Glam Rock, Punk und Kunst. Das schwarz-weiße Foto hat der Künstler Martin Kippenberger gemacht, damals noch unbekannt, aber genau wie Claudia Skoda ständig in der Westberliner Underground-Modeszene unterwegs. Nach diesem starken Auftaktfoto scrollt man sich durch Fotografien von Skodas Modeschauen, nun ja "Modeschauen" - es sind aufwendig choreografierte Kunst-Performances, die von Londoner Punkbands und DJs begleitet werden.

Ohne Titel (Claudia Skoda mit ihrer Strickmaschine im U-Bahnhof Kottbusser Tor). (Quelle: © Estate of Martin Kippenberger)
Claudia Skoda mit Strickmaschinenkoffer im U-Bahnhof Kottbusser Tor (Quelle: Estate of Martin Kippenberger) | Bild: © Estate of Martin Kippenberger

Fabriketage wie die "factory" von Andy Warhol

"Die Frau, die meine Sachen trägt, muss selbstbewusst sein", sagt Skoda damals in einem Interview. Ihre zart gestrickten Pullover mit V-Ausschnitt bis zum Bauchnabel mit eingewebten Silberfäden sind so hauchdünn, dass man den BH am besten auch gleich weglässt. Die engen Schlauchkleider mit Blitz- und Flammenmuster kaufen Popstars wie Donna Summer, Tina Turner und Cher - David Bowie ist ein guter Freund der Designerin.

Skoda macht aus ihrer Fabriketage in der Zossener Straße eine "factory" wie Andy Warhol (Studios von Warhol in New York City, Anm.d.Red). Musiker, Filmemacher und Künstler sind ihre Freunde und Gäste, ihr Haus wird Treffpunkt nicht nur für ihre aufwendig inszenierten Modeschauen, sondern auch für Kunsthappenings aller Art. David Bowie überredet Skoda in den 80er-Jahren schließlich, Berlin zu verlassen und in New York einen Laden zu eröffnen. Kurz vor dem Mauerfall kehrt Skoda aber nach Berlin zurück - und bleibt.

Online-Ausstellung erzählt den Werdegang von Skoda

Die Online-Ausstellung "Claudia Skoda. Dressed To Thrill" erzählt den Werdegang dieser Berliner "Selfmade-Woman" anhand vieler Fotos mit kurzen Texten. Die analoge Ausstellung, hoffentlich dann im Frühling im Berliner Kulturforum zu sehen, möchte neben den Fotos und den Strick-Entwürfen auch den Laufsteg einer legendären Modeschau nachstellen: Martin Kippenberger hatte 1977 für die Schau "Pablo Picasso" 1.300 Fotos von sich und den beiden Fotografinnen Ulrike Ottinger und Esther Friedman, letztere übrigens die Berliner Freundin von Iggy Pop, auf dem Fußboden verteilt. Die Models tanzten in Skodas Strickkleidern (viel Haut, wenig Strick) über diesen Laufsteg.

Ohne Titel ( Deep Diving for Whales , Deutsche Guggenheim), C-Print, 1997 (Quelle: © Gertrude Goroncy)Ohne Titel (Deep Diving for Whales, Deutsche Guggenheim, C-Print, 1997, Quelle: Gertrude Goroncy)

Frauenfigur dieser Epoche wird gewürdigt

Die Ausstellung wird nicht nur ein Trip zurück in die Popkultur der 70er- und 80er-Jahre in West-Berlin, eine Zeitreise, die Berlin ja schon oft zelebriert hat. Viel wichtiger ist, dass endlich eine zentrale Frauenfigur dieser Epoche gewürdigt wird: Claudia Skoda, die laut dem Modemagazin "Elle" mit Madonna, Chanel und Westwood entscheidend den Look des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Wenn die wichtigen Modedesigner dieses Jahrhunderts genannt werden, fehlte Claudia Skoda bislang oft. Das kann sich nun endlich ändern.

Sendung: Radioeins, 05.01.2021, 16:04 Uhr

Beitrag von Cora Knoblauch

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