Lebenslieder - Musik-Talkshow (29.01.21, 21:30)
Bild: rbb/Kobalt Productions/Celine Lardon

Interview | Musiker Max Mutzke - "Lebenslieder hat einen unglaublich emotionalen Tiefgang"

Eigentlich ist Max Mutzke Musiker. Für die neue ARD-Musik-Talkshow "Lebenslieder" schlüpft er in die Rolle des Moderators. Mit seinen Gästen redet er über die Lieder, die ihr Leben geprägt haben: die Herzschmerz-Songs, Teenager-Hymnen oder die Hits, die Mut machen.

In der neuen ARD-Musik-Talkshow "Lebenslieder" unter der Federführung des rbb geht es um Musiktitel, die Menschen geprägt haben. Wie hört sich der Soundtrack der Kindheit an? Welches Lied tröstet - welcher Song macht Mut? Und welche Rolle spielt Musik in der eigenen Biografie? Durch die Sendung führt der Musiker Max Mutzke gemeinsam mit seiner Band Monopunk.

rbb: Herr Mutzke, für die ARD Musik-Talkshow "Lebenslieder" moderieren Sie zum ersten Mal. Wie fühlt sich das an?

Max Mutzke: Das ist natürlich eine Sache für sich, eine 180-Grad-Wendung zu dem, was ich normalerweise mache. Denn normalerweise laden mich Leute ein, und ich bin dann aufgerufen, lustige Geschichten zu erzählen. Mit "Lebenslieder" bin ich in einer Rolle, in der ich selbst Fragen stellen darf. Ich habe viel gelernt und auch gemerkt: Ich muss zuhören, empathisch sein und mich zurücknehmen. Wenn ich jetzt zum Beispiel Barbara Schöneberger frage: Wie war denn deine Kindheit, wie bist du denn geprägt worden? Und wenn sie dann antwortet, war ich kurz davor, von mir zu erzählen, zu sagen: Ja, weißt du, wie es bei mir war? Ich hatte ja auch fünf Geschwister und einen Proberaum zu Hause und so weiter. Und das sind alles Dinge, die ich zurücknehmen muss.

Worum geht es in den "Lebensliedern"?

"Lebenslieder" ist ein Format, dass ich so noch nie gesehen habe im Fernsehen. Deswegen bin ich auch so glücklich und sehr dankbar dafür, dass das mir zugefallen ist. Es ist ein Format, wo ich mich 45 Minuten mit einem Gast über sein Leben unterhalte und wir gemeinsam die Lieder seines Lebens spielen. Diese Geschichten, die ich da höre, aus der Kindheit, aus der Jugend, aus dem jetzigen Leben, die Ängste und die Hoffnungen - das ist an sich ja schon etwas sehr Intimes. Und wenn wir dann noch die Musik, die jemand in dieser Zeit gehört hat, spielen, dann passiert noch mehr - emotional. Also kurz gesagt: Lebenslieder hat einen unglaublich emotionalen Tiefgang - sehr lustige, genauso wie sehr ergreifende Momente.

Wie kam es zu den Gästen und auf wen können sich die Zuschauer freuen?

Natürlich war uns allen klar, dass die Gäste erst einmal interessante Gesprächspartner sein sollten, unterhaltsam und auch Musik-affin. Auch wollen wir ausgewogen sein. Nachdem Bülent Ceylan, den ich angerufen habe, sofort am Telefon zugesagt hat, war klar, dass wir nach Künstlerinnen suchen. Und da sind mir natürlich auch direkt zwei Frauen eingefallen, die ich sehr lange kenne, die ich sehr mag, die beide Naturtalente sind und einfach besondere Persönlichkeiten. Ich rede von Annette Frier und Barbara Schöneberger.

Kannten Sie alle Gäste vorher?

Mir war wichtig, dass ich einen Bezug zu den Künstlern habe. Daniel Hope zum Beispiel habe ich erst durch die "Lebenslieder" kennengelernt. Daniel Hope ist einer der erfolgreichsten, verrücktesten und besten Geiger der Gegenwart, der wirklich weltweit unterwegs ist, der das Züricher Orchester leitet, das Orchester in San Francisco. Bevor wir die Sendung aufgezeichnet haben, habe ich gefragt, ob wir uns kennenlernen können, so dass er mir nicht ganz so fremd ist. Und das haben wir dann gemacht. Ich war bei ihm zu Hause. Wir hatten einen wunderschönen Abend.

Wie waren die Aufzeichnungen zu Corona-Zeiten?

Die Folge mit Bülent Ceylan hatten wir aufgezeichnet, bevor es Corona gab. Das war Ende 2019. Das sieht man auch der Sendung an und heute wundert man sich - wieso sind die sich so nah? Warum umarmen die sich? Warum sind die so eng beieinander? Die drei anderen Sendungen wurden dann aber nach dem ersten Lockdown im Oktober 2020 gedreht. Da waren die Bestimmung etwas lockerer, als heute. Wir haben aber trotzdem sehr auf Abstand geachtet, das Publikum auseinandergesetzt. Auch die Redaktion, das ganze Team in Berlin war natürlich äußerst vorsichtig, die Musiker miteinander. Es ist nicht ganz so einfach gewesen. Wir haben es trotzdem gemacht. Und wir waren ja sehr, sehr dankbar dafür, dass wir überhaupt produzieren durften.

Wie viel Musik gibt es von Max Mutzke selbst?

Die Frage ist jetzt schwer zu beantworten, weil ich nicht genau weiß, was damit gemeint ist. Also was die Sendung betrifft: Jeder Song, der gespielt wird, jedes Lebenslied, dass wir anspielen, über das wir sprechen, singe ich natürlich. Also entweder singe ich es mit dem Gast zusammen, oder der Gast spielt ein Instrument dazu. Ganz besonders berührt hat mich der Moment, als Daniel Hope, der ja wie gesagt ein weltberühmter Geiger ist, mit mir gemeinsam gesungen hat. Das war mir eine ganz, ganz große Ehre und was ganz Besonderes.

Ich freue mich auch darüber, dass wir neben den Gästen auch jungen Sängern eine Plattform geben. So viel sei verraten - in jeder Folge tritt ein junger Musiker auf. Bei Daniel Hope ist es zum Beispiel eine irische Musikerin, die als Straßenmusikerin in Berlin arbeitet und lebt.

Was gefällt Ihnen an den fertigen Ausgaben der Sendung?

Irgendwie finde ich insgesamt die Sendungen sind dramaturgisch schön anzusehen, sie sind sehr emotional und voller schöner Momente.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christine Thalmann.

Sendung: ARD, 26.01.2021, 22.50 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Max wird es schon noch lernen oder hat es zwischenzeitlich gelernt. Er ist kein Moderator und ist ein offener und kommunikativer Mensch. Er ist einfach ein toller Sänger, wovon es leider nur wenige gibt.

  2. 5.

    Die Idee gefällt mir. Habs gestern gesehen und fand es etwas anstrengend, weil M.M. ständig ins Wort gefallen ist, das ist keine angenehme Moderation. Kann mich erinnern, dass vor Jahren in irgendeiner Radiosendung von radio eins die Interviewten immer ein paar Songs aus ihrem Leben beisteuerten und war begeistert, als mein alter Germanistikprof. "Pata pata" von Miriam Makeba dabei hatte. Hätte ich nicht vermutet. Nach dem Song wippen heute noch die Enkel durchs Wohnzimmer. Immer wieder schön.

  3. 3.

    popcorn von hot butter!!

  4. 2.

    Warum eigentlich nicht? Mit Songs oder deren Titeln kann man auch ganze Geschichten erzählen.
    The Ballad of Brother Pain von Evil Scarecrow passt zum Zahnarztbesuch. Cold Winter von Wolf Pakk (nicht nur)zur Jahreszeit. Faster von Within Temptation zur Autobahn. Flieg mit mir (jap. Version) von Milou und Flint wenn man einfach nur Schiet-Gute-Laune hat und weiss einfach nicht warum - so wie jetzt gerade.

  5. 1.

    Das Format spricht bestimmt viele an, mich nicht. Die Gefühlsduselei anderer Menschen muss ich mir nicht antun. Privat ist es was anderes, aber Seelenstriptease m TV- nein, danke!

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