Coverbild des Podcasts "Unter dry" mit Anna Maria Mühe, Cristina do Rego und Jasna Fritzi Bauer. (Bild: Podstars by OMR)
Audio: Inforadio | 18.01.2021 | Magdalena Bienert | Bild: Podstars by OMR

Podcast-Tipp "Unter Dry" - Ein unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen der Filmbranche

Sie sind nicht nur Schauspiel-Kolleginnen, sondern auch Freundinnen: Anna Maria Mühe, Jasna Fritzi Bauer und Cristina do Rego plaudern im Podcast "Unter Dry" über Erfahrungen am Film-Set, Quotendruck oder Online-Castings - kurzweilig und aufschlussreich, findet Magdalena Bienert.

Mit einem filmreifen Intro und der sonoren Synchronstimme von Bruce Willis, Manfred Lehmann, beginnt der neue Podcast "Unter Dry". Bruce klärt uns auf: "Der Ausdruck 'Unter Drei' bezeichnet im journalistischen Jargon im deutschsprachigen Raum, dass eine Aussage gegenüber einem Journalisten von diesem nur als Hintergrund verwendet werden darf. Das Geäußerte ist vertraulich."

Warum es an dieser Stelle nicht bei der deutschen Zahl "Drei" geblieben ist, sondern unbedingt englisch "Dry" sein muss? Das wird in keiner Folge erklärt. Und "dry" (also trocken) bleiben die Freundinnen auch nur manchmal. Passend zum Mädels-Talk fließt oft genug Crémant.

Insiderinfos aus dem Berufsalltag

Die Idee, drei gute Freundinnen, allesamt bekannte deutsche Schauspielerinnen, wöchentlich zu einer lockeren Plauderrunde zusammenkommen zu lassen, ist jedenfalls gut. Was schnell selbstreferenziell werden könnte, fangen Anna Maria Mühe, Jasna Fritzi Bauer und Cristina do Rego mit ihrer so authentischen wie privaten Art der Unterhaltung auf. Als Zuhörerin erfährt man spannende Insider-Infos aus ihrem Berufsalltag. Auch mit allen Höhen und Tiefen, wie Cristina do Rego erzählt: "Meine Serie 'Lucie' - abgesetzt! Nach zwei Folgen. Ich hatte noch nie ein Herzensprojekt, dass (quotenmäßig) richtig durch die Decke gegangen ist!"

Woraufhin Jasna Fritzi Bauer das deutsche Quotensystem erklärt, welches "unseren Alltag bestimmt". In einem Dorf in Deutschland würden 6.000 Receiver platziert sein, die aufzeichneten, wer was wann guckt und anhand dessen, würde die Quote auf ganz Deutschland hochgerechnet. Do Rego befindet: "Das ist doch überhaupt nicht repräsentativ und nicht mehr zeitgemäß."

Über schlechte Fragen und eigene Stühle

Seit Dezember treffen sich die drei Kolleginnen - die übrigens noch nie zusammen gedreht haben, wie man auch erfährt - meist virtuell, um über jeweils ein großes Thema zu sprechen, dass sie bewegt. Meist, und zum Glück, wird dabei gern ausufernd abgeschweift. Wir erfahren, dass Jasna und Anna Maria Nachbarn sind und den ersten Lockdown zusammen verbracht haben.

Die Frauen, allesamt Anfang, Mitte 30, sprechen aber auch über das große Tabuthema Gagen. Warum gerade Schauspielerinnen darüber nicht sprechen sollen (Ansage der Agenten), liegt auf der Hand: weil sie sonst feststellen würden, was eh jede weiß: Frauen verdienen beim Film oft immer noch viel weniger als Männer.

Aber auch Erfahrungen mit der gerade sehr populären Form des E-Castings werden ausgetauscht und die drei diskutieren unmögliche Fragen von Journalistinnen: die nach der Gründung einer Familie zum Beispiel.

Die Deutsch-Brasilianerin Cristina do Rego sollte auch schon mal "mal was vortanzen", sie sei ja schließlich Brasilianerin. Ein Running Gag in den Podcast-Folgen wird die falsche Schreibweise ihres Nachnamens: So nennt Anna Maria ihre Freundin scherzhaft, wie einst der Journalist, Cristina de Bongo.

Und dann geht es wieder um so scheinbar Banales wie Stühle am Set. Jasna Fritzi Bauer fragt ihre Freundinnen: "Hattet ihr… also Anna bestimmt, schon mal Stühle mit eurem Namen drauf? Ich noch nie! Ihr kennt das ja von Hollywoodfilmen, ein schwarzer Stuhl mit dem eigenen Namen drauf - this is not reality!" Worauf Anna Maria Mühe zugibt, tatsächlich ein paar Stühle mit ihrem Namen drauf im Keller zu haben. Und beim Thema Stühle am Filmset fällt ihr ein: "Als ich so 17, 18 war und einen meiner ersten Filme gedreht habe, hab ich mich aus Versehen auf den Stuhl eines Kollegen gesetzt. Ich hab so Ärger bekommen von dem! Der hat sich so aufgeregt, dass ich angefangen habe zu weinen." Die Freundinnen schnappen nach Luft über so viel Machismo.

"Unter Dry" ist wie "Bunte" lesen

Wer sich auch nur ein bisschen für einen Blick hinter die Kulissen des deutschen Films interessiert, wird mit dem Podcast "Unter Dry" seinen Spaß haben. Er liefert neben privaten Erfahrungen auch unterhaltsame Einblicke ins oft vermeintlich luxuriöse Filmbusiness.

Endlich wissen wir auch, dass zur großen Berlinale-Eröffnung nie mit Champus angestoßen wird. Bauer wirft Mühe vor, das letzte Mal (an ihrem Geburtstag) mal wieder zu spät am roten Teppich aufgetaucht zu sein. Diese rechtfertigt sich: "Ich saß im Auto im Stau. Man sitzt immer im Stau auf dem Weg zur Berlinale." Woraufhin ihre Kollegin trocken entgegnet: "Ja, wenn man mit dem Auto gefahren wird. Manche müssen auch laufen, so wie ich." Und beim anschließenden Sektempfang gäbe es dann Rotkäppchen-Sekt. Auch noch "halbtrocken" kichern die Frauen, denn "nichts ist gut genug für uns".

"Unter Dry" hören, ist wie "Bunte" lesen, nur, dass alle uninteressanten Charaktere fehlen. Auch wiederkehrende Rubriken, wie die "Gerüchteküche" sind nette Einfälle.

Und übrigens, von uns haben Sie die ganzen Infos natürlich nicht! Die sind schließlich streng vertraulich!

Sendung: Inforadio, 18.01.2021, 14:55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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