Bettina Grahs in "Bodentiefe Fenster" Theaterdiscounter Berlin foto: Fabian Raabe
Audio: Inforadio | 20.01.2021 | Ute Büsing | Bild: Fabian Raabe

Ab jetzt TD Berlin - Berliner Theaterdiscounter bekommt Facelifting verpasst

Bis vor Kurzem war seine Existenz am Standort Molkenmarkt noch in Gefahr. Jetzt startet der Berliner Theaterdiscounter unter dem neuen Namen TD Berlin mitten in der Corona-Krise einen Relaunch. Von Ute Büsing

Nach 18 Jahren hat sich der Theaterdiscounter ein Facelifting gegönnt und heißt ab sofort TD Berlin. Die rote Leuchtschrift an der ehemaligen DDR-Postfernmeldezentrale in der Klosterstraße 44 geht Hand in Hand mit dem neuen Slogan des 199-Plätze-Theaters: "Stadt Ändern".

Künftig solle noch mehr als bisher "die Stadtdiskussion befeuert werden", sagt der Künstlerische Leiter Georg Scharegg. "Zusammen mit unseren Stücken und unseren sonstigen Aktivitäten wollen wir fragen: Wie soll sich die Stadt entwickeln? Wie kann sie sich schneller zur lebenswerten Stadt verändern?" Ausgangspunkt dafür ist auch der Standort des TD Berlin, das Stadtentwicklungsgebiet Molkenmarkt. Dort soll künftig ein Kulturviertel entstehen.

Wie kann Theater online funktionieren?

Die freie, vom Berliner Kultursenat geförderte Spielstätte hat die Corona-Notlage also positiv gewendet und den Relaunch gestartet - in der Hoffnung, mit der neuen Marke stärker punkten zu können. Das Tagesgeschäft geht unterdessen weiter. Seit dem ersten Lockdown im vergangenen März hat sich das kleine Team intensiv um Hygienemaßnahmen und neue Verbreitungsformen gekümmert. "Wir sind froh, dass wir im Unterschied zum ersten Lockdown kein Arbeitsverbot haben, sondern unter Einhaltung strikter Abstandsregeln Produktionen für die Zeit nach Corona vorbereiten können", sagt Scharegg.

Wie bei anderen Spielstätten auch stand bei allen Bemühungen immer die Frage im Mittelpunkt, wie der Kontakt zum Publikum gehalten werden kann. Im Kern: Wie transformiert sich das Medium Theater ins Internet?!

"Man kann nicht einfach zwei Kameras auf ein Stück draufhalten und dann hat man ein Interesse draußen generiert", sagt Georg Scharegg. "Man muss eine andere Art von Öffentlichkeitsarbeit machen, ein Zielpublikum draußen aufbauen und drinnen eine Form fonden, die später auch analog auf der Bühne funktionierten könnte."

Gebäude des Theaterdiscounter (Quelle: Theaterdiscounter)
Bild: Theaterdiscounter

Per Chat an einer Haussitzung teilnehmen

Das Publikum nimmt gern an den bisherigen Streaming-Angeboten teil - das haben Scharegg und sein Team herausgefunden. Die Chat-Funktion wird dabei rege genutzt. Die Produktion "Care Affair" hat sogar zu einer überregionalen Diskussion über die Pflegebranche geführt. So soll es jetzt wieder werden, wenn am 28. Januar Anke Stellings Bestsellerroman über eine Baugenossenschaft, "Bodentiefe Fenster", in Schareggs Regie online Uraufführung feiert. Dann wird das Publikum via Chat zur Teilnahme an einer Haussitzung eingeladen, bei der das Für und Wider genossenschaftlicher Modelle und die Vision des Zusammenlebens im Kleinen diskutiert wird.

Langfristiger Mietvertrag schafft Sicherheit

Die Situation hat sich für das freie Produktionshaus deutlich verbessert, seit ein langfristiger Mietvertrag mit dem neuen Eigentümer abgeschlossen werden konnte. Die Miethöhe blieb unverändert. Lange stand das auf der Kippe. Jetzt will sich der aufgefrischte TD Berlin verstärkt in die Stadtentwicklungsdebatte um das Kulturquartier Molkenmarkt einmischen.

Beitrag von Ute Büsing

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