Archivbild: Das Opening der Transmedialen 2018 (Bild: imago images/Roland Owsnitzki)
Audio: Radioeins | 28.01.2021 | Interview mit Laurina Schräder | Bild: imago images/Roland Owsnitzki

Kunst-Festival - Ein ganzes Jahr Transmediale für alle

Die Transmediale 2021-22 präsentiert erstmals ein Programm über das gesamte Jahr hinweg, inklusive Performances, Workshops und einem Online-Programm, das die Kunst der Transmediale allen zugänglich macht. Von Laurina Schräder

Verweigerung - refusal. Das Motto der diesjährigen Transmediale stellt die Vorzüge eines Sich-Verweigerns in den Vordergrund und praktiziert es zum Auftakt des Festivals gleich selbst. Trotz der andauernden Auswirkungen der Pandemie, haben sich die Organisatoren und Organisatorinnen der Transmediale gegen ein rein digitales online-basiertes Format entschieden, und verweigern sich so einem vollständigen Shift ins Virtuelle.

"Wir haben im April entschieden, das Kurz-Format der Konferenz zu einem Jahresevent auszudehnen - über den Sommer hinweg. Das gab es noch nie. Außerdem findet ein Teil des Festivals online statt", beschreibt Nora O Murchú das diesjährige Konzept. O Murchú hat im vergangenen Jahr die künstlerische Leitung der Transmediale neu übernommen, und schon da war ihr bewusst, dass die Transmediale in diesem Jahr anders sein würde. Dass Menschen für die Konferenz aus der ganzen Welt nach Berlin kommen würden, war damals unsicher, heute ist es - zumindest vorerst - ausgeschlossen. Dies bedeutet aber nicht, dass weniger internationale Künstler und Künstlerinnen ihre Arbeiten präsentieren können.

Verweigerung muss nichts schlechtes bedeuten

Für die Auftaktausstellung "Rendering Refusal" haben Künstler aus der ganzen Welt sehr detaillierte und manchmal auch lustige Anleitungen an Kuratorin Lorena Juan geschickt, wie ihre Arbeiten aufzubauen sind. Ausgestellt werden sie im Rahmen des Festivals im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und der Betonhalle des Silent Green Kulturquartiers bis zum 28. März. "Natürlich stand im Raum, gar keine Ausstellung zu machen", sagt Lorena Juan. "Aber es geht uns darum, die Künstler dabei zu haben, mit denen wir wirklich arbeiten wollen, mit denen wir auch perspektivisch für die Transmediale weiter zusammenarbeiten können." Das entscheidende Auswahlkriterium war also, wie sich die Künstlerinnen und Künstler konkret mit dem diesjährigen Motto der Transmediale auseinandergesetzt haben, und was ihre Arbeit besonders macht. Ganz unabhängig davon, woher sie kommen.

Ein Beispiel verkörpert die irische Künstlerin Jennifer Mehigan. Sie hat Friedhofsgärten in Nord-Irland untersucht, welche lange Ausdruck queeren stillen Protests gegen die englische Kolonialisierung waren. Nora O Murchú erklärt, dass Nord-Iren damals meist kein eigenes Land besaßen. "Oft gehörte es den Engländern. Und so wurden die Gärten auf Friedhöfen zum Treffpunkt verschiedener Communities. Jennifer Mehigan hat sich angesehen, wie dies zu einem Ausdruck von irischem Protest wurde", weil sich die Communities auf diese Weise dem geltenden englischen Landschaftsideal verweigerten. Die Transmediale 2021-22 will rüberbringen, dass Verweigerung nichts schlechtes bedeuten muss, wenn man beispielsweise an politischen Protest denkt; dass Verweigerung die Möglichkeit für Veränderungen eröffnen kann.

Damit Besucherinnen und Besucher, die nicht nach Berlin reisen dürfen, oder diejenigen, die zwar hier sind, aber vorerst nicht persönlich in die Ausstellungen können, sich die Werke in den Räumen dennoch ansehen können, werden im Februar interaktive virtuelle Touren angeboten. Bei diesen sogenannten "remote visits" kann man sich mit einem Mitarbeiter der Transmediale durch die Ausstellung führen lassen. Andere Werke dagegen sind schon jetzt online komplett bereitgestellt.

Zu jedem Vollmond kommen neue Arbeiten hinzu

Der Almanach der Verweigerung, Almanac for Refusal, kann als Online-Leitfaden der Transmediale begriffen werden. Seit Donnerstag sind die hier "ausgestellten" browser-basierten Formate - Filme, Foto-Essays, Texte oder Podcasts - verfügbar. Etwas versteckt auf der Festivalseite unter "Visit" zu finden, birgt der Almanach etwas Neues: Während die Konferenz in den letzten Jahren zugangsbeschränkt war, ist der Almanach in diesem Jahr eine Möglichkeit diese Beschränkung aufzulösen und die Transmediale tatsächlich allen Interessierten zugänglich zu machen. Zudem kommen monatlich, zu jedem Vollmond, neue Arbeiten zum Almanach hinzu.

In Zeiten der Pandemie inszeniert sich die Transmediale mit ihrem Motto der Verweigerung offen, ist breit aufgestellt und wächst gewissermaßen über das ganze Jahr weiter an, was sich im gesamten Programm spiegelt. Das obligatorische Filmprogramm mit dem diesjährigen Titel "remote. response. request." beispielsweise bespielt - sobald auch das wieder geht - mit wechselnden Vorführungen die neuen Räume des "transmediale studios", ebenfalls im Silent Green Kulturquartier. Auch kehrt das Festival an den Ort zurück, an dem die Transmediale-Konferenz der letzten Jahre zu Hause war, und zwar auf das Dach des HKW (Haus der Kulturen der Welt) - mit einem Rooftop-Cinema.

Sendung: Radioeins, 28.01.2021, 09:40 Uhr

Beitrag von Laurina Schräder

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