Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme, Ausstellungsansicht, James-Simon-Galerie, 2020 (Quelle: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker)
Audio: Inforadio | 06.02.2021 | Annette Kufner | Bild: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Ausstellung | "Germanen" im Neuen Museum - In gehobener Gesellschaft

Kulturelle Bildung ist zu Lockdown-Zeiten nicht so einfach. Die Staatlichen Museen zu Berlin versuchen es virtuell. Annette Kufner hat die Instagram-Tour durch die Ausstellung "Germanen – eine archäologische Bestandsaufnahme" verfolgt - und wurde enttäuscht.

In der Corona-Pandemie kommt die kulturelle Bildung in Deutschland seit Monaten zu kurz. Museen und Theater sind geschlossen. Einige Häuser haben ihr Bildungsangebot deshalb ins Internet verlagert. Auch Social-Media Plattformen werden genutzt.

Wenn man hier teilhaben will, dann braucht man einen Computer oder ein Smartphone - und stabiles Internet. Dann muss man sich in der Regel irgendwo einloggen – in diesem Fall bei Instagram. Dann sollte man noch auf das Profilbild der Staatlichen Museen zu Berlin klicken. Und los geht die Insta-Tour, live aus dem Neuen Museum in Berlin.

Aus einem römischen Gefäß hergestellter Schildbuckel, aus dem sog. Fürstengrab von Gommern, Lkr. Jerichower Land, Mittleres Drittel 3. Jh. n. Chr. (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / A. Horentrup)
| Bild: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / A. Horentrup

Nach wenigen Sekunden 200 Zuschauer

Auf dem Bildschirm grüßt Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte: "Ich darf sie ganz herzlich hier im Neuen Museum begrüßen, jetzt hier im Vaterländischen Saal des Neuen Museums." Schon nach wenigen Sekunden sind mehr als 200 Zuschauer dabei. Über ein Kommentarfeld können sie Fragen stellen, über ein Like-Symbol ihr Lob signalisieren. Immer wieder fliegt dann ein oder ein ganzer Schwall von Herzchen durchs Bild - vorbei an den Wandmalereien, die Matthias Wemhoff gerade vorstellt.

"Hier oben sehen wir ein Bild, das auch heute noch die meisten kennen, wenn sie sich mit den nordischen Mythen beschäftigen: Das ist Odin – also der Göttervater Odin dargestellt, gut zu erkennen an den beiden Raben Hugin und Munin, die ihm Bericht erstatten, was auf der Erde alles so los ist."

Reiter und sein Pferd, kolorierter Gips zur Veranschaulichung der germanischen Vorfahren, nach 1913, Modell geschaffen von Heinrich Keiling, Halle (Quelle: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz / V. Iserhardt)
| Bild: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz / V. Iserhardt

Für Experten unterhaltsam - für Laien eher nicht

Während der Museumsdirektor durch den Saal führt, postet das Publikum Kommentare. Und schnell merkt man, dass hier eher Fachleute zuschauen. Kein Wunder, denn der Vortrag ist ziemlich anspruchsvoll. Für Experten ist das sicher unterhaltsam. Für Laien, jüngere Menschen oder Zuschauer ohne Bildungshintergrund ist das eher nichts. "Damit befinden wir uns in einer Darstellungsebene," erklärt Matthias Wemhoff, "die geprägt ist, wie dieser ganze Saal geprägt ist, von Beschreibungen, die vor allem in der Edda zu finden sind."

Junge Leute lassen sich zumindest unter den kommentierenden Usern nicht ausmachen. Das ist ebenfalls keine Überraschung, denn Wemhoff referiert en detail über Begriffe und Definitionen, schafft es aber nur selten, die Zuschauer in die Welt der Mythen oder der Archäologie mitzunehmen. "War Thusnelda nicht die Frau von Arminius und nicht Varus", fragt ein User im Chat. Ist doch egal, mag man da trotzig denken. Denn selbst den interessierten Laien beschleicht das Gefühl, dass er sich hier in gehobener Gesellschaft befindet.

Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme, Ausstellungsansicht, James-Simon-Galerie, 2020 (Quelle: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker)
| Bild: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Und dann passiert auch noch, was passieren musste. Der Stream ruckelt. "Der Stream ruckelt," kommentiert eine Userin. "F5 zum Aktualisieren nutzen," schreibt eine andere.

Als die Insta-Tour nach einer halben Stunde zu Ende ist, dürfte so mancher Zuschauer ziemlich genervt sein. Mitgenommen hat man zudem nur wenig. Denn das Museum hat sich leider nicht die Mühe gemacht, die Inhalte der Führung angemessen zugänglich zu präsentieren. Das Museum hat mit der Insta-Tour durch die Germanen-Ausstellung leider gerade denen wenig geboten, die kulturelle Bildungsangebote in Corona-Zeiten dringend bräuchten: jungen Menschen und Menschen aus sozial schwachen Milieus.

Sendung: Inforadio, 06.02.2021, 7:55 Uhr

Beitrag von Annette Kufner

2 Kommentare

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  1. 2.

    Schade, da wurde leider eine unvorbereitete, nicht kunstinteressierte Journalistin beauftragt, sich das anzuschauen und noch einen Bericht dazu zu verfassen..

  2. 1.

    Ich kann Ihrem Bericht so gar nicht folgen. Zum einen finde ich, daß Herr Wemhoff seine Führung sehr gut macht in jeder Hinsicht, zum anderen frage ich mich, wieso eine Journalistin offensichtlich ohne Kenntnis des Gegenstandes über einen Gegenstand / ein Thema schreibt. Ist das jetzt so üblich oder wollen Sie testen, wie die Führung auf Menschen ohne Geschichtskenntnisse wirkt? Herr Wemhoff hat eine sehr gute Art der Erklärung: Er nennt die Begriffe und er erklärt sie dann auch. Er ist wirklich ein sehr guter Vermittler. Ich hoffe, Sie werden die Ausstellung noch besuchen können. Übrigens gibt es auf der Website des Museums auch noch mehr zu erfahren.
    https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/germanen/

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