Die ehemalige Maschinenhalle des Kraftwerks Oberspree in Berlin-Schöneweide, das zum Kulturzentrum "MaHalla" umgebaut wird. (Quelle: Sven Bock)
Sven Bock
Audio: Inforadio | 16.02.2021 | Oliver Kranz | Bild: Sven Bock

Kulturquartier in der Wihelminenhofstraße - "Mahalla" - neue Kunstfabrik entsteht in Oberschöneweide

In den weitläufigen Fabrikhallen im Berliner Ortsteil Oberschöneweide haben sich schon viele Künstler angesiedelt. Die meisten Ateliers sind jedoch nicht öffentlich. Das soll sich nun ändern: mit dem neuen Kunstzentrum "Mahalla". Von Oliver Kranz

Der Filmregisseur Ralf Schmerberg hat ein Gebäude mit zwei riesigen Hallen für 20 Jahre gemietet. Die kleinere ist 1.500 Quadratmeter groß und hoch wie eine Kathedrale. Das Licht fällt durch riesige Rundbogenfenster ein, wird aber gedämpft, da die Wände schwarz gestrichen sind.

Der Raum wirkt düster und geheimnisvoll - ganz anders als die zweite etwa doppelt so große Halle, die sehr lang und hell ist. Dort gibt es Oberlichter, gelbe Backsteinwände und eine endlos lange Reihe von Metallpfeilern, die wie Säulen wirken. "Eigentlich wollte ich für mich allein ein Atelier mieten", erklärt Schmerberg. "Als ich aber vor anderthalb Jahren zum ersten Mal in dieser Halle stand, hatte ich eine Vision: Das ist ein Ort, den man allein nicht füllen kann - als Gruppe aber schon. Hier kann etwas Großes entstehen. Ich möchte diesen Raum für die Gemeinschaft gewinnen."

Auch geplant: Garten mit Wasserfall

Schmerberg möchte Ausstellungen und Konzerte veranstalten, Kongresse, Symposien und immersive (in die virtuelle Umgebung eintauchende, Anm.d.Red.) Theateraufführungen. Im Moment ist das noch nicht möglich. Durchs Dach weht Schnee herein, die Fenster sind nicht schalldicht, die Sanitäranlagen viel zu klein dimensioniert. Doch der Bauantrag läuft schon. "Im Moment können wir das Haus nur wetterfest machen und Wände herausnehmen, die nicht zum Bestand gehören. Doch viel mehr würden wir in dieser Jahreszeit sowieso nicht machen."

Schmerberg trägt Skianzug und Pudelmütze, wenn er Besucher durchs Gebäude führt. Drinnen ist es fast so kalt wie draußen. Immer wieder bleibt er stehen, um auf Details hinzuweisen: "An der Rückwand der Halle werden wir auf 300 Quadratmeter einen Garten anlegen, mit Hängepflanzen, Bambus und einem kleinen Wasserfall." Der Garten ist Schmerberg wichtig. Gerade an solchen Details lässt sich ablesen, dass er das Mahalla nicht als Nullachtfünfzehn-Veranstaltungszentrum plant.

Der Künstler Ralf Schmerberg steht in einer ehemaligen Industriehalle der AEG in Oberschöneweide. Unter dem Namen "Mahalla" soll in der Halle 10 ein Ort für Kultur entstehen; © dpa/Jörg CarstensenRalf Schmerberg

Kunsthaus soll ohne Fördergelder entstehen

Finanzieren will er es ausschließlich privat. "Ich habe als Filmregisseur mit Fördergeldern keine guten Erfahrungen gemacht. Es ist besser, erst einmal etwas vorzugeben, als sich von Anfang an auf Unterstützung zu verlassen. Deshalb haben wir beschlossen, aus der Kraft der Gruppe zu arbeiten und Leute als Kommanditisten in die Mahalla mit reinzunehmen. So können wir die Baumaßnahmen finanzieren. Wenn die Substanz erst einmal gesichert ist und es um den kulturellen Inhalt geht, können wir immer noch nach Fördergeldern fragen."

Doch vielleicht wird das gar nicht nötig sein. Im Mahalla sollen die kommerziell lukrativen Projekte die weniger lukrativen querfinanzieren, erklärt Schmerberg. Es werde ein Restaurant geben und Großveranstaltungen, mit denen Geld verdient werden kann. Die Seele des Hauses sollten jedoch die Künstler sein. "Das Tolle an dem Gebäude ist, dass es hier fast 50 Nebenräume gibt. Die bauen wir als Ateliers um und bieten sie für Mieten an, die für Künstler bezahlbar sind. Wer zu uns kommt, kann Teil einer großen Vision werden - gemeinsam mit anderen arbeiten und große Projekte machen. Das ist eine Struktur, die Kreisläufe möglich macht."

Eröffnung im Sommer 2022 geplant

Ralf Schmerberg schwebt eine Art neues Tacheles vor, nur nicht ganz so demokratisch. Er wird als Hauptmieter das letzte Wort haben, obwohl ihm der Kollektivgedanke sehr wichtig ist. Gut 20 Künstler hat er schon ins Boot geholt. "Der Music Ashram, The Tribe und Tina Zimmermann sind schon vor Ort", sagt er mit leuchtenden Augen. "Im Prinzip treffe ich keine Entscheidungen allein, sondern ich lasse mich führen und beraten von Leuten, die es besser können. Meine wichtigste Aufgabe ist, den Spirit hochzuhalten. Es ist wichtig, dass uns nicht der Mut verlässt und wir daran glauben, irgendwann wie Kolumbus in Amerika anzukommen."

Denn Mut braucht das Projekt allemal. Die Hallen sind gigantisch groß und schön, aber auch gigantisch herausfordernd. Im Sommer 2022 sollen die ersten Veranstaltungen stattfinden - ein ehrgeiziger Zeitplan.

Sendung: Inforadio, 16.02.2021, 13:55 Uhr

Die ehemalige Maschinenhalle des Kraftwerks Oberspree in Berlin-Schöneweide, das zum Kulturzentrum "MaHalla" umgebaut wird. (Quelle: MaHalla Berlin

Beitrag von Oliver Kranz

7 Kommentare

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  1. 6.

    Welche Kunst trifft immer den Geschmack aller Bürger?

    Und wäre so was, das allen „irgendwie“ gefällt, überhaupt erstrebenswert?
    Ein bißchen mehr Mut der Bewohner hier im Kiez wäre nicht schlecht.

  2. 5.

    Welche Kunst trifft immer den Geschmack aller Bürger?

    Und wäre so was, das allen „irgendwie“ gefällt, überhaupt erstrebenswert?

    Was war das für ein Gezeter der Eltern, als die Beatles auf unsere bieder-deutschen Bühnen kamen? Heute ist das ja kurz vor Klassik“.

    Ein bißchen mehr Mut, auch von den Bewohnern hier im Kiez wäre nicht schlecht.

  3. 4.

    Wunderbar, bin sehr gespannt, könnte mir derzeit keine bessere Nutzung vorstellen, aber alles wäre ja besser als dieser jahrzehnte lange Leerstand. Das alte Tacheles fand ich damals auch echt klasse.

  4. 3.

    Was wäre denn Ihrer Meinung nach eine bessere Nutzung für diese große Halle? Ein Einkaufszentrum oder ein Supermarkt? Bei der jetzt geplanten Nutzung besteht wenigstens eine Chance, dass der alte Charme erhalten bleibt.

  5. 2.

    Liest sich gut. Ich wünsche viel Erfolg und freu mich drauf.

  6. 1.

    Eigentlich sehr schade, für dieses historische Gebäude!
    Die Kunst die dort entstehen soll, trifft leider nicht immer auf den Geschmack der meisten Bürger.

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