Die Lyrikerin Monika Rinck (Quelle: dpa/Patrick Seeger)
Audio: Kulturradio | 09.02.2021 | Holger Zimmer | Bild: dpa/Seeger

Lyrikerin Monika Rinck erhält Berliner Literaturpreis - Vertraut mit alten Meistern und dem Hier und Heute

Die Berliner Lyrikerin Monika Rinck ist eine Wort-Erfinderin und auch eine Wort-Sammlerin - und das wird erneut ausgezeichnet: Am Dienstag bekommt sie den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung. Ein Porträt von Holger Zimmer

Reisen mit dem Zug ist für Monika Rinck wie vieles eine Quelle der Inspiration, etwas, das sie genießt, in Lyrik zu gießen. Monika Rinck stammt aus der Pfalz, aus Zweibrücken. Doch hier in Berlin hat sie ihre ersten größeren literarischen Schritte gemacht. Sie studierte unter anderem Literaturwissenschaften am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität. Und hier begann sie auch zu schreiben, zu reimen, zu dichten und ihre Gedichte in der Öffentlichkeit vorzutragen.

"Berlin war erst einmal der Ort, der aufgrund seiner niedrigen Mieten sehr viele Dichter und Dichterinnen und andere Künstlerinnen angezogen hat", erzählt Rinck im Gespräch. "Das war für mich sehr, sehr wichtig, denn ich habe ja zehn Jahre lang Lesungen gehabt, bevor ich das erste Buch veröffentlicht habe. Und diese Lesung waren die einzige Form, innerhalb derer die Texte da waren. Von dort aus hat sich dann quasi eine fast selbsterfundenen Öffentlichkeit ergeben, die aber zum Glück recht stabil war und mit der Zeit sich auch vergrößerte."

Als Lyrikerin hat sie bereits viele Preise bekommen

Monika Rinck hat neben ihrer Berufung als Dichterin unter anderem beim rbb Inforadio gearbeitet. Doch seit einigen Jahren ist sie hauptberuflich als Lyrikerin unterwegs und hat mittlerweile viele Preise bekommen. An diesem Dienstag wird ihr im Roten Rathaus der Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen. Dieser Preis ist dotiert mit 30.000 Euro und verbunden mit der Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin.

Monika Rinck kam im Winter 90/91 nach Berlin, lebt heute in Moabit und nennt sich selbst eine Moabiter Lyrikerin. "Ich bin sehr froh, dass ich in den 90er Jahren in Berlin sein konnte und all diese offenen Räume miterleben durfte. All diese Formen von waghalsiger Zwischennutzung, von letztlich sich ergebenden Ausstellungen, Bars, Cafés; und dass nun mir nun sozusagen ein Preis aus Berlin wurde, macht mich sehr, sehr glücklich."

Ihre Gedichte, ihren Klang kann man schwer mit wenigen Worten beschreiben, denn was Monika Rincks Werk ausmacht, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung, ein ständiges Arbeiten an Stil und Form. "Dieser Idee, man müsse die eigene Stimme finden, stehe ich eigentlich eher skeptisch gegenüber", sagt Rinck. "Mit dem Fall zitiere ich immer wieder gerne die Dichterin Elke Erb, die gesagt hat: Wenn du glaubst, du hast deine eigene Stimme gefunden, hast du angefangen, dich zu imitieren."

Sie habe immer versucht, etwas zu machen, was sie zuvor noch nicht gemacht habe, erzählt Rinck. "Ich habe sozusagen immer darauf geachtet, nicht immerzu das Gleiche zu tun und mich immer wieder in Räumen zu begeben, die auch für mich offene Räume waren, wo ich zur Amateurin oder zur Lain geworden bin bezüglich des Schreibens.

Rinck ist jetzt auch in Wien zu Hause - aber noch "in einer Art Limbo"

Die Titel ihrer Gedichtbände wie "Honig-Protokolle" oder "Champagner für die Pferde" zeugen von Tiefe und enormer Spielfreude. Monika Rinck kennt sich mit alten Meistern, mit mittelalterlichen Texten genauso gut aus wie mit aktuellen, sehr heutigen Phänomenen. Oft auch ist sie als Dozentin unterwegs an verschiedenen Hochschulen. Seit letztem Oktober etwa als Professorin in Wien, wo sie am Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst lehrt. Es sei "eine Art von Witz des Schicksals", sagt Rinck, "dass ich dann den Berliner Literaturpreis bekomme, wo ich anfange zu pendeln".

In der neuen Stadt Wien ist sie wegen Corona noch nicht richtig zu Hause. Doch Monika Rinck wäre nicht die feinsinnige Beobachterin, die sie ist, wenn sie nicht auch aus dieser Situation neues Material für ihr Werk saugen würde: "Ich habe das Gefühl, ich bin quasi noch in so einer Art Limbo. Ich bin noch gar nicht richtig angekommen. Ich war ja immer unglaublich viel unterwegs. Ich habe teilweise wirklich halsbrecherische Reisen gemacht, von Düsseldorf ins Allgäu, von dort aus nach Lübeck, um die Lesung wahrzunehmen", erzählt Rinck.

"Und ich habe immer gedacht, ich leide so unter diesen Fahrten. Aber als es dann völlig aufhörte, merkte ich dann doch erst bei der ersten Zugfahrt, dass ich das Fahren doch auch sehr schätze. Und auch als alles anhielt, hab ich auch angefangen, wiederum ganz andere Gedichte zu schreiben. Das war auch interessant, dass sich der Tonfall dann änderte."

"Wichtig, dass die Kunst aufmerksam auf diese Zeiten schaut"

Monika Rinck steht also mit ihrer Dichtkunst im Hier und Heute. Und in dieser heutigen Zeit, so sagte sie in ihrer Dankesrede zur Literaturpreis-Verkündung, hat sie einen Wunsch: "Die Idee, dass die Dinge wachsen, sich vermehren und sich daher irgendwann zum Besseren wenden, kommt an kein gutes Ende mehr", glaubt die Lyrikerin.

"Deshalb ist es wichtig, dass die Kunst aufmerksam auf diese Zeiten schaut, dass sie genau und beweglich ist und eingeübt in das, was keiner und was keiner wissen kann und das eben deswegen gedeutet und erdacht werden muss."

Sendung: Kulturradio, 09.02.2021, 07:10 Uhr

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