Livestream: Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko (Quelle: Berliner Philharmoniker/Stephan Rabold)
Bild: Berliner Philharmoniker/Stephan Rabold

Online-Festival "Goldene Zwanziger" der Berliner Philharmonie - Musikalische Reise in eine Zeit der Gegensätze

Die Berliner Philharmoniker lassen die "Goldenen Zwanziger" in einem Online-Festival lebendig werden. Eine Zeit der Lebensfreude, der verpassten Chancen, der Zuversicht und Angst. Mittendrin Berlin, das Epizentrum der künstlerischen Moderne. Von Maria Ossowski

Berlin war wild, die Welt im Umbruch, aber richtig golden waren die Zwanziger Jahre vor allem in der Musik. Die Berliner Philharmoniker lassen die "Goldenen Zwanziger" in einem Online-Festival wieder aufleben. Vom 13. bis 27. Februar erklingen in der Digital Concert Hall unter anderem Werke von Kurt Weill, Alban Berg, Igor Strawinsky.

Michael Hasel spielt seit 37 Jahren Flöte bei den Philharmonikern und engagiert sich besonders für das Festival mit Kompositionen auch von Kurt Weill. "Einerseits seine von der Unterhaltungsmusik geprägten Musiken zur 'Dreigroschenoper', dem 'Mahagoni Song'-Spiel oder 'Berlin im Licht', andererseits seine klassische Kompositionen, wie die beiden Sinfonien oder das Violinkonzert", sagt Hasel.

Den Auftakt macht Kurt Weills Erste Sinfonie

Chefdirigent Kirill Petrenko dirigiert den Auftakt mit Kurt Weills Erster Sinfonie, die er mit 21 Jahren genau vor 100 Jahren geschrieben hat. Danach erklingt Strawinskys Opernoratorium Ödipus Rex. Andrea Zietzschmann, Philharmonikerintendantin, findet das "insofern auch interessant, weil Strawinsky für die Uraufführung ja vorgesehen hatte, dass die Sänger Masken tragen. Aber aus einem anderen Grund, nicht wegen einer Pandemie, sondern einfach um dieses Statische, dieses Ritual hervorzukehren", sagt Zietschmann.

"Wir haben 38 Sänger bei diesem Programm dabei und alle sind im Abstand von zwei Metern und vier Meter zwischen Chor und Orchester - das sind riesige Abstände. Der Chor steht in den Blöcken, wo normalerweise das Publikum sitzt. Das hatten wir alles schon mal geprobt im Herbst mit Kirill Petrenko, um zu sehen, dass es auch künstlerisch wirklich funktioniert. Jetzt sind wir gespannt, bei 'Oedipus Rex' ist der Chor dabei und bei Strauss 'Die Tageszeiten'."

Auch Raritäten im Programm

Spätromantiker und Neutontechniker, in den Zwanziger Jahren trafen sich viele Stile. Alban Berg, Ferruccio Busoni, und, dirigiert vom Spezialisten Christian Thielemann, Richard Strauss.

"Da ist 'ne echte Rarität auf dem Programm, 'Die Tageszeiten'", findet Philharmonikerintendantin Zietzschmann. "Das ist für einen Männerchor und ein großes Orchester. Ich muss gestehen, ich habe das Konzert auch noch nie live gehört. Es ist 1927 entstanden, es ist eine Vertonung von Eichendorff-Gedichten. Ein wirklich wunderschönes Werk, spätromatisch, sehr nahe eigentlich bei den 'Vier letzten Liedern'."

Mittanzen und mitsingen können Sie am 23. Februar. Es lädt ein die hinreißende Dagmar Manzel, "aber eben nicht mit Klang und Technik der hochgezüchteten Operndiva, sondern mit diesem charmanten Ton, der absolut adäquat ist für diese Musik", wie Michael Hasel sagt.

Verschiedene Abo-Varianten zur Auswahl

"Da erinnern wir an das berühmte Café 'Moka Efti'", erzählt Andrea Zietzschmann. "Das war ja berühmt, wegen der ersten Rolltreppe. Es war damals in der Leipziger Straße, aber es war natürlich ein Ort, an dem vor allem getanzt und gefeiert wurde. Das ist ein Programm mit Tänzen, mit Folkstrott, eine Mischung von Werken von Weill, von verschiedenen Komponisten und Dagmar Manzel wird rezitieren."

Virtuellen Besucher*innen stehen verschiedene Abo-Varianten zur Verfügung. Wer nur mal kurz reinschlüpfen möchte, wählt den Zugang für sieben Tage für 9,90 Euro.

Sendung: Inforadio, 12.02.2021, 15:50 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

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