Helena Zengel in "NEWS OF THE WORLD" (Quelle: dpa/Everett Collection)
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Video: zibb | 14.01.21 | Interview mit Helena Zengel | Bild: dpa/Everett Collection

Interview | Schauspielerin Helena Zengel - "'Milchkaffee' und 'Pflaumenkompott' – das hat Tom Hanks von mir!"

Helena Zengel hat einen Lauf. Für ihre Rolle in "Systemsprenger" bekam sie den deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin. Für "Neues aus der Welt" ist sie für den Golden Globe nominiert. Sie spielte hier mit Tom Hanks. Beide haben viel voneinander gelernt, wie sie erzählt.

rbb|24: Helena, in dem Film, für den du nominiert bist – "Neues aus der Welt" – spielst du an der Seite von Tom Hanks - mehrfacher Oscarpreisträger und Legende. Wusstest du, wer Tom Hanks ist?

Helena Zengel: Jein. Ich wusste schon, dass er ein Schauspieler ist, aber mir war nicht klar, wie berühmt er wirklich ist. Er ist ein Erwachsenen-Schauspieler und macht Filme für Erwachsene. Ich hatte vorher noch nie was mit ihm gesehen.

Du hast das sicherlich nachgeholt. Was ist dein Lieblings-Tom-Hanks-Film?

"Forrest Gump". Ich mochte alles von ihm, aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann den. Der ist mittlerweile sogar mein Lieblingsfilm, ich habe ihn auch zuhause in Berlin schon so oft geguckt und finde ihn immer noch toll.

Wie war denn euer Kennenlernen?

Wir haben uns erst zwei, drei Tage vor Drehbeginn kennengelernt. Mit Absicht. Denn im Film sollen wir uns ja noch sehr fremd vorkommen. Ich war anfangs noch sehr nervös, für mich war ja alles neu – nicht nur Tom Hanks. Er war übrigens auch nervös. Das hat sich aber schnell gelegt, und wir waren schnell beide total entspannt. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, hat er es mir einfach erklärt. Am Ende waren wir Freunde. Und sind es heute noch.

Und wie ist er so?

Tom ist ein total lustiger Mann. Er hat immer einen Witz auf Tasche. Er ist sehr selbstbewusst und ein supernetter Typ. Ein krasser Gentleman und für alles bereit. Er kann ganz viele Dinge. Er ist auch immer noch sehr sportlich. Man kann eben auch viel machen. Manchmal sind wir auch einfach rumgerannt oder er hat mich huckepack genommen.

Was hast du von ihm gelernt?

Vor allem ganz viel über Schauspielerei. Natürlich auch Englisch. Und er hat mir beigebracht, wie man mit der Kutsche, die wir im Film fahren, gut umgehen kann. Da hatte er einfach mehr Übung als ich. Und einen Trick, wie man gut weinen kann. Er hat seine langjährigen Erfahrungen mit mir geteilt. Das war schon cool.

Wie weint man denn?

Es gibt natürlich verschiedene Methoden. Wenn ich das Gefühl habe, die Tränen kommen nicht natürlich, dann ziehe ich den Gaumen runter, versuche unsichtbar zu gähnen und hoffe, dass dann die Tränen fließen. Ein ganz einfacher technischer Trick.

Hast du Tom Hanks denn auch etwas beibringen können?

Na klar. Ich habe ihm Reiten beigebracht und in den Drehpausen auch ein bisschen Deutsch: 'Wo finde ich etwas zu essen?', 'Milchkaffee' und 'Pflaumenkompott'. Die wichtigsten Sachen. Wenn Sie ihn das bald mal sagen hören – das hat er von mir.

Habt ihr noch Kontakt?

Ja, er hatte sich zuerst bei mir gemeldet. Wir schreiben Emails, ab und zu schicken wir Fotos hin und her. Immer per SMS. Whatsapp haben die Amerikaner meistens nicht. Manchmal auch Videos, dann erzählen wir uns einfach gegenseitig von unserem Tag. Als er Corona hatte, haben wir viel gesprochen. Ich wollte wissen, wie es ihm geht – denn er war ja sehr früh erkrankt und niemand wusste genau, wie die Krankheit verläuft, was für Nebenwirkungen es gibt. Es ist schon cool, mit ihm ab und zu in Kontakt zu sein. Er hat einfach viel zu erzählen.

Du sprichst im Film die Sprache Kiowa, eines indigenen Stamms in Nordamerika. Wie hast du die gelernt?

Das haben mir zwei Menschen beigebracht: Dorothy, das älteste Mitglied der Kiowas. Sie geht auf die Neunzig zu und ist eine total nette Frau. Und dann gibt es noch Laura Watkins. Sie hat ganz lange mit den Kiowas zusammengearbeitet und spricht die Sprache mehr oder weniger flüssig. Ich habe drei Wochen vor Drehbeginn angefangen zu lernen. Jeden Tag eineinhalb Stunden.

Wie waren die Dreharbeiten in der Wüste New Mexicos?

Die Tiere, die Landschaft und die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte, waren der Hammer. Am coolsten fand ich die Dreharbeiten in der Westernstadt. Da standen richtig alte Häuser. Die wurden früher schon als Drehorte benutzt. Die sind richtig historisch. Cool fand ich auch, wie viel Zeit ich mit meiner Mama und meiner Lehrerin verbringen konnte. Wir sind ein richtig eingeschworenes Team geworden. Wir haben viel gemalt – obwohl ich eigentlich gar nicht gerne male. Wir haben genäht. Ich habe für Tom Hanks eine Tasche genäht.

Was sagen deine Freunde zu deiner Karriere?

Sie sind sehr neugierig und stellen viele Fragen, die ich auch gerne beantworte. Aber generell ist es mir wichtig, dass es gerade in der Schule keine große Rolle spielt, ob ich Schauspielerin bin oder nicht. Da geht es mir einfach darum, dass ich zusammen mit meinen Freunden bin und Spaß habe.

Was machst du nach der Schule?

Am liebsten bin ich im Stall, mit Freunden - jetzt während Corona leider nur eingeschränkt. Aber ich bin gerne draußen an der frischen Luft und reite. Außerdem spiele ich Klavier. Ansonsten mache ich viel Sport. Ich habe Leichtathletik gemacht, Eiskunstlauf, war sechs Jahre lang tanzen. Gerade habe ich Skaten für mich entdeckt und treffe mich mit Freunden und wir skaten durch unseren Kiez. Mit Abstand natürlich.

Seit wann wolltest du eigentlich Schauspielerin werden?

Angefangen habe ich mit vier. Das kam durch meine Mama. Ich konnte schon immer gut meine Gefühle zeigen, stand schon immer gerne im Mittelpunkt und war selbstbewusst, wie meine Mama. Das liegt also bei uns in der Familie. Eine Freundin meiner Mama hat eine Schauspielagentur, da bin ich dann reingekommen und habe mit kleinen Rollen angefangen: drei Drehtage, nichts Großes. Irgendwann wurde es immer mehr.

Durch die Hauptrolle in "Systemsprenger", der 2019 auf der Berlinale lief, bist du mit gerade einmal zehn Jahren international bekannt geworden. Hast du auch Schauspielunterricht genommen?

Nein, explizit gelernt habe ich die Schauspielerei nicht. Das ist einfach natürlich gekommen. Das ist meine Leidenschaft. Wenn man Filmpreise gewinnt und in diesem Berlinale-Wahn ist, dann ist das wie in so einer riesigen Luftblase voller euphorischer Gefühle. Man schläft wenig, ist die ganze Zeit aufgeregt und freut sich. Ein unglaublich tolles Gefühl, das fast schon ein bisschen süchtig macht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Helena Zengel sprach Anna Wollner für rbb|24.

Sendung: Fritz, 08.02.2021, 8:42 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Als nicht Netflix Abonnent bin ich gerade am überlegen, wo ich den Film sehen kann, da ich das Thema sehr interessant finde. Den Film Systemsprenger habe ich gemeinsam mit meiner Frau im Kino gesehen. Die schauspielerische Leistung von Helena Zengel war einfach unglaublich und ich musste während einiger Filmszenen mit den Tränen kämpfen. Ein Film so intensiv, dass man ich mir wirklich gut überlegen muss, ob und wann man ich mir diesen nochmal anschaue.
    Auch von mir ein großes Dankeschön an Helena und auf das da noch einiges kommen wird!

  2. 4.

    Helena, die SPD in Berlin braucht Dich! Werde Vorsitzende. Saleh ist zum Glück im Biene Maja Schlager Club, der kann natürlich bleiben.

  3. 3.

    Was für ein aufgewecktes und sympathisches junges Mädchen! Bleib weiter so bodenständig und natürlich! Die besten Wünsche für die Zukunft! Ja, einfach nur toll sowas mitzuerleben!

  4. 2.

    Da hat wohl jemand den alten Witz vom Apple Pie and Coffee umgedreht ...

  5. 1.

    Helena - wenn ein Blick mehr als 1000 Worte sagt...
    viel Erfolg und Spaß an der Schauspielerei weiterhin!

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