Symbolbild: Eine Einwegmaske und der Schriftzug <<Morgen ist die Frage>> ; ein Werk des Kuenstlers Rirkrit Tiravanija, auf den Weg zum Eingang vom Techno Club Berghain in Berlin Fridrichshain. (Quelle: imago images/E. Contini)
Audio: Radioeins | 04.02.2021 | Interview mit Lutz Leichsenring | Bild: imago images/E. Contini

Interview | Aktionstag mit Berliner Clubs - "Wir sehen etwas Licht am Ende der Tanzfläche"

Am Samstag findet europaweit der vierte "Club Day" statt - nicht wie sonst in den Clubs, sondern online. Welche Themen dort diskutiert werden und über die Zukunft der Clubszene spricht Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcommision im Interview.

rbb: Herr Leichsenring, seit knapp einem Jahr liegt die Kulturbranche wegen der Corona-Pandemie weitgehend brach, und damit sind auch die Clubs nahezu geschlossen. Um was genau geht es diesmal bei dem Aktionstag?

Lutz Leichsenring: Wir wollen das Thema Clubkultur gerade in der Krise beleuchten und haben dazu ein digitales Panel auf die Beine gestellt. Das ist auch sehr hochkarätig besetzt.

Es gibt unter anderem ein Diskussionspanel mit Kultursenator Klaus Lederer, mit Sebastian Scheel, dem Senator für Stadtentwicklung und Wohnen des Landes Berlin und Pamela Schobeß, Leiterin der Berliner Clubcommission. Die prekäre Situation der Clubszene ist allen bekannt. Was kann dort besprochen werden, was in den letzten elf Monaten nicht geschafft wurde?

Es geht natürlich grundsätzlich darum. Deswegen ist es auch spannend, den Senator für Stadtentwicklung dabei zu haben, wie wir die Stadt eigentlich in Zukunft gestalten wollen. Was passiert zum Beispiel mit den 65 Shoppingmalls, die wir in der Stadt haben? Denn es ist absehbar, dass in Zukunft vieles einfach nur online gekauft wird. Und ich glaube, wir müssen uns einfach auch Gedanken machen, welchen Teil wir als Clubs und auch Kulturorte insgesamt beitragen können.

Diese Diskussion ist so aktuell wie noch nie, weil sich natürlich nach der Krise sehr viel verändern wird. Es sind auch große Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel Tegel auf dem Plan [Anm. d. Redaktion: Gemeint ist das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel]. Wir müssen dabei einfach mitreden, weil wir ein ganz wichtiger Teil von Stadtkultur und Stadtgesellschaft sind.

Könnten Sie sich vorstellen, dass auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel Events stattfinden könnten, die vielleicht bislang in geschlossenen Clubs waren?

Wir wurden tatsächlich auch schon von Klaus Lederer eingeladen, uns einer Begehung anzuschließen, während Tegel noch offen war. Wir haben uns dort Gebäude angeguckt und überlegt, wie man dort zum Beispiel Studios und Proberäume einrichten könnte. Kleine Festivals wären auch möglich. Bei diesem Thema ist also schon viel Bewegung drin. Aber wir müssen weiter dranbleiben, um zu schauen, ob wir dort etwas mit Clubkultur machen können.

Symbolbild: Wegen des Corona-Lockdowns geschlossener Festsaal Kreuzberg in Berlin-Treptow im Janaur 2021. (Quelle: dpa/GTI)Seit fast einem Jahr sind die Berliner Clubs geschlossen

Sind Sie momentan eher mutlos oder hoffnungsvoll, dass es bald weitergeht?

In den letzten Wochen und Monaten hat sich schon sehr viel geändert. Zwar sind wir immer noch im Lockdown, aber wir sehen jetzt etwas Licht am Ende der Tanzfläche. Zum einen kommen die wärmeren Monate. Das hat sich ja auch im letzten Jahr gezeigt, dass sehr viel wieder möglich sein wird. Dann haben wir neben dem Impfstoff auch noch Schnelltests, die jetzt breiter verfügbar sind.

Und ich spreche jetzt ganz konkret davon, dass wir wieder Clubs öffnen. Das wird wahrscheinlich erstmal nur die Außenbereiche betreffen, um dort Außenbars und Veranstaltungen zu ermöglichen, die hoffentlich ein bisschen länger in den Abend reingehen dürfen.

Wie kann man beim "Club Day" dabei sein?

Jeder kann dabei sein – unter clubsareculture.de. Dort werden Panels und viele andere Veranstaltungen übertragen. Im Anschluss an das Berliner Panel, das so zwischen 14 und 15 Uhr stattfindet, gibt es ein Bundes-Panel, wo sich Bundestagsabgeordnete mit Clubvertreterinnen und Clubvertretern austauschen. Das wird auch noch mal spannend, weil auch hier sehr viel Bewegung drin steckt mit der Frage zum Beispiel, ob Clubs auch in Zukunft als kulturelle Anlagen gesehen werden können und nicht als Vergnügungsstätte, was momentan der Fall ist. Wir sind in der gleichen Kategorie wie Kasinos und Bordelle und es wird Zeit, dass sich daran etwas ändert.

Wird es auch Musik geben?

Ja, es wird auf jeden Fall auch Musik gestreamt. "United We Stream" ist auch mit im Boot. Aber in erster Linie wird gesprochen. Wir sind tatsächlich an diesem "Club Day" da, um auch Diskussionen auf der Bühne zu führen. Und jeder kann sich daran beteiligen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Lutz Leichsenring führte Christiane Falk, Radioeins.

Der Text ist eine redigierte Fassung. Das Gespräch können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: Radioeins, 04.02.2021, 14:10 Uhr

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Hoffe, dass sowohl Außenbereiche von Clubs mit den wärmeren Temperaturen wieder öffnen können (die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist sehr gering) als auch, dass es zusätzliche Freiflächen gibt, auf denen auch in der Nacht gefeiert werden kann! Das ist Berlin seiner Clubkultur schuldig. Hier geht es sowohl um ein Lebensgefühl vieler Berliner*innen als auch um einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

  2. 2.

    In den Aussenbereichen bitte keine laute Disko.

    Ich bin kein vertrockneter Spießer, gehe selbst gern in schwule Clubs, wo im Hitze floor klatschnass geschwitzt Jungs in Sprinter, DDR-Turnhosen oder Badehosen tanzen und im Darkroom sich Vergnügen.

    Aber wer in aller Fruehe vom Wecker aus dem Bett getrieben wird, um zur Arbeit zu fahren, braucht seinen Schlaf. Gerade, wer im Sommer in der Gluthitze vieler Wohnungen erst spät einschlafen kann und vielleicht am nächsten Tag bei 40 Grad Celsius auf dem Bau schuftet oder in der Doenerbude.

  3. 1.

    Danke an die Clubcommission für eure kontinuierliche Arbeit!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Die Goldenen Zwanziger: Ein Abend im Moka Efti, mit Dagmar Manzel, Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und Michael Hasel ; © Frederike van der Straeten
Frederike van der Straeten

Konzertkritik | Berliner Philharmoniker - Ein Abend im Moka Efti

In den 1920ern war das Moka Efti legendär in Berlin: Kaffeehaus, aber extravagant ausgestattet und mit eigenem Konzertsaal. Am Dienstag erweckten die Philharmoniker es wieder zum Leben - mit Musik und Texten aus der Zeit. Von Maria Ossowski