Filmtheater Cosima in Berlin-Wilmersdorf (Quelle: rbb/Soyez)
Audio: Inforadio | 18.02.2021 | Alexander Soyez | Bild: rbb/Soyez

Berliner Filmtheater Cosima - Wie eine vermeintliche Kino-Schließung die Gemüter erhitzte

Als bekannt wurde, dass dem langjährigen Betreiber des Kinos Cosima gekündigt wurde, hagelte es Proteste. Doch mittlerweile ist klar: Eine Schließung steht nicht im Raum. Alexander Soyez über Missverständnisse und Unmut im Kinokiez Friedenau.

"Das Cosima Kino in Friedenau macht zu, ein Kino geht zugrunde mitten in Corona-Zeiten …" – so ungefähr war der Grundtenor der lokalen Presse und Internetforen, als in der vorigen Woche bekannt wurde, dass dem alteingesessenen Kinobetreiber Lothar Bellmann der Mietvertrag gekündigt wurde.

Doch schließen soll das Filmtheater gar nicht, es gibt sogar bereits einen neuen Betreiber. "Natürlich bin ich sauer, aber nur auf die Kündigung", sagt Bellmann, der seit Mitte der 1960er-Jahre das Kino am Varziner Platz leitet. Direkt am Hintereingang vom S-Bahnhof Bundesplatz gelegen, ist es eines der ältesten Einzelkinos Berlins, ein Kiez-Filmtheater mit Fünfziger-Jahre-Patina, von dem er sich nun Ende Mai verabschieden muss. Er wisse nicht, wie lange das Kino wegen Corona noch geschlossen bleiben müsse, sagt Bellmann. "Aber sobald man wieder Filme zeigen kann, werde ich bis zum letzten Tag spielen."

"Diese Energie hätte ich gerne für etwas anderes eingesetzt"

Auf der Anzeigetafel über dem Eingang prangt noch der Titel des Films, der vor den Kinoschließungen im letzten November lief: "Vergiftete Wahrheit". So könnte auch der Sturm im Wasserglas betitelt sein, der im Kiez aufkam, als bekannt wurde, dass der Mietvertrag letzten November gekündigt wurde.

Auch der zukünftige Betreiber Karlheinz Opitz, der die im Bezirk Wilmersdorf situierten Eva-Lichtspiele leitet, bekam ihn zu spüren: "Meine Lust ist zwar ungebrochen, aber das war schon alles sehr ärgerlich und unnötig" erinnert sich Opitz. "Ich habe mich sechs Tage lang mit Dingen beschäftigen müssen, die nicht hätten sein müssen: Telefonate, Rechtfertigungen, Erklärungen und sogar Gegendarstellungen. Diese Energie hätte ich gerne für etwas anderes eingesetzt, etwa wie es mit irgendwelchen Filmen weiter gehen kann und mit Vorbereitungen für das Cosima."

Will der künftige Betreiber Bellmann herausdrängen?

Was war passiert? Im Kiez entstand Ärger, als bekannt wurde, dass Bellmann gekündigt wurde. Die Nachbarschaft engagierte sich, der "Tagesspiegel" und andere berichteten und die SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg startete eine übereilte Petition. Immer mehr Gerüchte entstanden: Das Kino solle ganz schließen, oder aber der neue Betreiber habe den alten herausdrängen wollen. Das wurde sogar so absurd, dass man Opitz vorwarf, er habe Spendengelder für einen neuen Projektor in seinem Kino Eva nutzen wollen, um sich ins Cosima einzukaufen.

Doch letztlich konnten die meisten unschönen Missverständnisse aufgeklärt werden, und auch die SPD nahm ihre Petition zurück.

Die Fakten bleiben allerdings: Die Kündigung für Bellmann steht. Opitz, der von Bellmann als neuer Betreiber schon vor längerer Zeit ins Spiel gebracht wurde, wird das Cosima übernehmen.

"Ich habe ihn ja sogar selber vorgestellt" sagt der jetzige Betreiber Bellmann über Opitz. Seit Jahren habe es immer wieder Gespräche über seinen möglichen Ruhestand und einen Betreiberwechsel gegeben. "Ich habe gesagt, der hat Erfahrung mit Kino, der würde weitermachen, wenn ich nicht mehr kann. Aber es war nur eine Art Reserve-Vorschlag. Die Eigentümer hatten Angst, dass das Kino eines Tages ohne Betreiber dasteht."

"Man will da sofort loslegen"

Diese Angst war wohl aber nie wirklich begründet gewesen. Das Timing der Kündigung mitten in der desaströsen Corona-Kinokrise und gutgemeinte, aber teilweise uninformierte Solidarität, haben nun aber dafür gesorgt, dass es keinen geschmeidigen Betreiberwechsel gibt. Auch ein für letzten Samstag geplantes Klärungs-Treffen zwischen Bellmann und Opitz platzte noch auf dem letzten Meter. Dennoch: Man kann hoffen, dass sich bis spätestens im Sommer auch die letzten Wogen dieses kleinen Kiez-Skandals wieder glätten, und das Cosima nicht nur überlebt, sondern auch wiederbelebt wird. "Das hat ein unglaubliches Flair", sagt der künftige Betreiber Karlheinz Opitz. "Es hat einen eigenen Charakter. Dieser Bau fügt sich einfach so gut ein an diesem Platz. Man will da sofort loslegen und findet das einfach schön. Ich hoffe also, dass wir zu einer guten Einigung kommen, und dass auch Herr Bellmann bei der Wiedereröffnung da sein wird und sich wohlfühlt und alles gut wird."

Sendung: Inforadio, 18.02.2021, 14:55 Uhr

Beitrag von Alexander Soyez

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ja, "Jack the Ripper" mit Kinski ist ein netter Film.. ;) Obwohl ich glaube, dass die heutigen 12jährigen sich ganz andere Sachen reinziehen.

  2. 3.

    Liebe Redaktion,
    gekündigt wurde wohl nicht Opitz, sondern Bellmann (gleich nach der zweiten Zwischenüberschrift).

  3. 2.

    Leider wieder eine der so unnötigen Diskussionen und "Aufregungen", wie sie in letzter Zeit immer wieder entstehen...

    Statt auf - halbwegs - abgesicherte Fakten zu warten, entsteht aus halbseidenen Gerüchte und Vermutungen ein wütender Mob, der meint, gegen Unrecht, Ungerechtigkeit und den Untergang des Abendlandes aufstehen zu müssen.

    Im Internet heißt das wohl "Shitstorm"...

    Ob "Schließung eines Kinos" oder "Verdrängung von Mietern durch Luxus-Sanierung" - manchen "Bürger:innen" ist kein Gerücht zu unbelegt, um diesem nicht umgehend solidarisch und entschlossen entgegentreten zu müssen...

    Diese Aktionen erinnern mich an die überschießenden Reaktionen des menschlichen Immunsystems, dass in unserer hygienischen Welt wegen zu wenig Schmutz und Bakterien "aus Langeweile" beginnt, den eigenen Körper anzugreifen...

    Als wenn wir im echten Leben gerade nicht genug reale Probleme hätten!

  4. 1.

    Kino meiner Jugend. Bundesplatz Studio für den anspruchsvolleren Film, Cosima für die härtere Gangart. Beide Sonntags mittags Kindervorstellung. Das Cosima hat mich 2 Dinge gelehrt, 1. Jack the Ripper mit Klaus Kinski ist kein normaler Krimi, vor allem nicht für 12 jährige, 2. Die 10 Gebote belasten die Gesäßmuskeln aufs äußerste, wenn der Film auf betagten Kinosesseln genossen wird. Es war eine schöne Zeit.

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