Innenansicht des Schlosspark Theater. (Quelle: dpa/Gerald Matzka)
Bild: dpa/Gerald Matzka

Drei-Stufen-Plan nach dem Lockdown - So wollen die Länder die Kultur wieder hochfahren

Theater, Museen, Clubs und Kinos dicht: Die Kulturszene kämpft mit den Folgen des Lockdowns. Für die Zeit der Lockerungen gibt es vonseiten der Kulturministerien erste Konzepte. Dabei wird sich an der Öffnung von Schulen und des Einzelhandes orientiert.

Die Bundesländer wollen mit einem drei Stufen umfassenden Plan "Kultur wieder ermöglichen". In einem gemeinsamen Papier skizzieren die Kulturministerinnen und -minister der Länder, wie die Kulturszene und ihre Einrichtungen sich nach einem Ende des Corona- Lockdowns wieder einem Alltag nähern könnten. Die aktuellen Beschränkungen des Kulturlebens sollen dann "schrittweise wieder aufgehoben werden", heißt es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in dem Papier.

Außerschulische Kultur- und Kunstangebote wieder zulassen

Für die Öffnung der einzelnen kulturellen Einrichtungen wollen die Länder "grundsätzlich" nach einem Plan in drei Stufen vorgehen. "Korrespondierend mit der Wiedereröffnung der Schulen und Kitas werden die außerschulischen Bildungsangebote der Kultureinrichtungen und der Musik- und Kunstschulen wieder zugelassen", heißt es in dem Papier.

Museen, Galerien, Gedenkstätten und Bibliotheken sowie vergleichbare Einrichtungen sollen aus Sicht der Kulturminister "spätestens mit der Eröffnung des Einzelhandels einen Basisbetrieb für die Öffentlichkeit anbieten." Daneben sind Freiluftveranstaltungen mit bis zu 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich.

In einer dritten Stufe sollen Veranstaltungen in Theatern, Opernhäusern und Konzerthäusern, Kinos und ähnlichen Gebäuden möglich gemacht werden. Dies betrifft auch Proben und Auftritte der Laien- und Amateurkultur. Dieser Schnitt soll "spätestens dann" ermöglicht werden, "wenn auch Betriebe der Gastronomie wieder öffnen".

Würdigung der vorhandenen Hygienekonzepte der Einrichtungen

"Die Kultureinrichtungen haben im letzten Jahr passgenaue Hygiene- und Schutzkonzepte ermöglicht, die einen verantwortungsbewussten Betrieb zulassen", heißt es in dem Papier. Dabei verweisen die Senatoren und Minister auch auf Erfahrungen etwa mit der Maskenpflicht in den Häusern während der Corona-Pandemie. "Die Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln sind für die Besucher von Kultureinrichtungen eine Selbstverständlichkeit."

Zudem sei die Nachverfolgbarkeit der Besucherkontakte sichergestellt worden. "Ebenso wurden differenzierte und hochwirksame Schutzkonzepte auch für die Beschäftigten entwickelt."

Als "wichtiger Faktor" wird zudem die Situation mit der Belüftung beschrieben, die bei der Öffnung zu berücksichtigen sei. Viele Kultureinrichtungen wie etwa Museen verfügen schon für den Schutz ihrer Sammlungen über hochwertige Klima- und Belüftungsanlagen. Andere Einrichtungen haben technisch während der Corona-Krise nachgerüstet.

Vorgaben für Veranstaltungen mit Publikum

Für die Besetzung mit Publikum gibt es in dem Papier mehrere Vorgaben: "Grundsätzlich ist dabei ein Mindestabstand bei einem nachverfolgbaren festen Sitzplan einzuhalten." Zudem sollen zu diesem Zeitpunkt der Vollbetrieb der Museen und Freiluftveranstaltungen mit bis zu 500 Personen gestattet werden. Wenige Länder betrachten es in dem Papier als einen vierten Schritt, wenn bei leistungsfähigen Lüftungsanlagen eine Schachbrettsetzung im Publikum mit einem Mindestabstand von nur einem Meter zugelassen werden soll.

Für eine weitergehende Öffnung der Kultureinrichtungen soll die Kulturministerkonferenz nun einen detaillierten Plan erstellen.

Noch keine konkreten Daten

Konkrete zeitliche Komponenten oder Daten werden nicht genannt. Das Papier hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder bei den Kulturressorts für ein Eröffnungsszenario angefordert. Aktuell liegt das Konzept bei den Staats- und Senatskanzleien.

Die geplanten einzelnen Schritte sollen "im Einklang mit den Lockerungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft" erfolgen. Damit wollen die für Kultur zuständigen Ressortspitzen "der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit gerecht werden".

Sendung: rbb Kultur, 6. 2. 2021, 14 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Nicht zwingend, denn es war ja keine Einzelmaßnahme. Dazu kam noch vermehrtes (teils erzwungenes) Arbeiten von zu Hause und damit deutlich weniger Kontakte. Leider wurde es wieder einmal versäumt, schrittweise Maßnahmen einzuführen und deren spezifische Auswirkungen auf die Anzahl der positiven Tests zu überprüfen. Dazu sich ändernde Testkriterien usw. So bleiben wieder mal nur Mutmaßungen. Aber man könnte ja den Schulbetrieb ohne Einschränkung wieder aufnehmen und wissenschaftlich begleiten. Wäre eine Möglichkeit.

  2. 6.

    Clubs und Kultur. So ähnlich wie Kuh und Segelfliegen. Clubs gehören zu den am meisten überschätzten Dingen in Berlin. Haben aber eine Lobby die sich wichtig macht.

  3. 5.

    Berücksichtigen solche Konzepte auch die An- und Abfahrt der Besucher? Alle kommen zur selben Zeit und gehen auch so wieder. Sprich, wer nicht Auto oder Taxe nutzt oder fussläufig wohnt, der ist in den Öffis unterwegs. M.E, muss dies berücksichtigt werden.

  4. 3.

    Der Plan klingt vernünftig. Hoffe Schulen und Kitas können ihren Betrieb schnell wieder ausweiten, gerade wächst eine Generation von Bildungsverlierer:innen heran, von der häuslichen Gewalt ganz zu schweigen.

  5. 2.

    Eigentlich sind doch die Zahlen erst richtig zurück gegangen nachdem die Schulen Kindergärten zium grssen Teil geschlossen waren. Daraus ist zu schließen das Kinder zumindest starke Traeger des Virus sind aber nicht unbedingt krank werden, es aber in die Familien tragen. Diese als erstes zu oeffnen als contraprotoktiv.

  6. 1.

    Ausgerechnet den Stufenplan der Schulen als Orientierungsgrundlage zu nehmen ist doch Satire oder? Also so vergesslich sollte hier niemand sein. Der Januar ist noch nicht so lange her. An den Schulen existiert kein umgesetzter Stufenplan.

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