Symbolbild: Eine Band probt in einem Proberaum (Bild: imago images/STL)
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Audio: Inforadio | 18.02.2021 | Hendrick Schröder | Bild: imago images/STL

Zustand von Berlins Musikproberäumen - Schimmel, keine Lüftung und horrende Mieten

Raum zum Proben ist für Musikerinnen und Musiker in Berlin knapp. Und er wird immer knapper. Wie eine aktuelle Umfrage des Berliner Musicboards zeigt, verschärft die Pandemie den Mangel an Proberäumen deutlich. Hendrik Schröder hat sie sich angesehen.

Die wenigsten Musiker und Musikerinnen sind mit ihrer Proberaumsituation zufrieden - egal, ob Profis oder Amateure, Bands oder Solisten. Das zeigt eine Umfrage des Berliner Musicboards. Befragt wurden berlinweit knapp 1.000 Musikerinnen und Musiker.

Dabei hatte Berlin lange den Ruf, ein perfekter Ort für eine lebendige Musikszene zu sein. Nicht zuletzt wegen erschwinglicher Proberäume. Das scheint vorbei zu sein. Die Proberaumknappheit liegt dabei an verschiedenen Faktoren. Zunächst ein Mal am Schallschutz. Einen Raum als Atelier oder als Tanzstudio einzurichten, ist relativ einfach. Aber Schallschutz, der auch lautes Schlagzeug und tiefe Bässe schluckt, ist teuer und aufwändig.

Räume verschwinden ersatzlos

Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Gentrifizierung schreitet voran, immer mehr Wohnungen entstehen, Kieze verändern sich und ehemals als Proberäume genutzte Fläche verschwinden fast ersatzlos, sagt Katja Lucker vom Musicboard Berlin, das die Studie durchgeführt hat: "Das Problem ist, dass immer dann wenn Raum weg bricht die Leute nichts neues finden oder wenn dann zu völlig überhöhten Preisen. Natürlich man findet immer irgendwo irgendwas, aber die Leute können sich das nicht leisten. Und sie finden nichts innerhalb des S Bahn Rings. Und das nützt natürlich nichts, wenn man gar nicht dahinkommen kann."

Die meisten Musikerinnen und Musiker in Berlin leben in Friedrichshain und Kreuzberg, wie die Umfrage des Musicboards zeigt. Für jede Probe bis an die Stadtgrenze zu fahren ist für sie fast unmöglich. Aber Geld für die noch verfügbaren sehr teuren Räume haben die wenigsten von ihnen. Und machen so teils gesundheitsgefährdende Kompromisse. Katja Lucker berichtet von Bands, die in verschimmelten Räumen spielen, ohne Lüftung, ohne sanitäre Anlagen.

Amateure dürfen nicht, Profis wollen nicht

Gemütlich, sauber und perfekt isoliert sind die Proberäume von Noisy Rooms auf dem RAW Gelände in Friedrichshain. Die Räume kann man stundenweise mieten, Equipment inklusive. Das kostet ab 13 Euro pro Stunde und Raum und ist für viele Bands eine akzeptable Alternative. Aber die Noisy Rooms sind wegen Corona geschlossen. Für den Amateurbetrieb und die Musikschulen dürfen sie nicht öffnen, sagt Noisy Rooms Chef Mathias Uredat. Ausschließlich Berufsmusikern dürften sie derzeit Räume anbieten. Aber nur für die zu öffnen, wäre ein Minusgeschäft.

Das ganze ist verzwickt und dass sich die Situation so schnell ändert, glaubt Mathias Uredat nicht. Die Amateurbands werden zwar wiederkommen, sobald es geht, meint er. So wie nach dem letzten Lockdown. Aber seine Kalkulation geht nur auf, wenn die Profis auch wieder Räume buchen, um für Konzerte und Touren zu proben. So lange aber keine Konzerte statt finden, hätten die keinen Grund dazu. Und so macht die Pandemie die eh schon prekäre Proberaumsituation in Berlin für die Betroffenen noch schwieriger.

Sendung: Inforadio, 18.02.2021, 6 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Es geht da weniger um Hobbymusiker, die 1/Woche ein bisschen Feierabendmusik machen, als um Leute, die professionell für Aufnahmen, Touren, Jobs proben wollen und müssen. Für die ist das durchaus dramatisch, wenn es plötzlich immer weniger Räume gibt.

  2. 2.

    "Und sie finden nichts innerhalb des S Bahn Rings. Und das nützt natürlich nichts, wenn man gar nicht dahinkommen kann." Frau Lucker, es gibt tatsächlich auch sehr guten ÖPNV-Anschluß außerhalb des S-Bahn-Rings ... Meine Güte, wir sind in den 90ern auch für unsere Bandproben (Jugendband, Proben abends, nach der Schule, also reines Hobby) teils 'ne dreiviertel Stunde mit den Öffis unterwegs gewesen (von Marzahn nach Mitte), da hat keiner geweint.

  3. 1.

    Künstler waren schon immer flexibel. Sie haben da gelebt und gearbeitet wo das EK Leben und Schaffen in Einklang bringen lässt. wer also die Junge Familie mit 4 o.5 Personen Gentriviziert soll sich nicht wunder, wenn ihm gleiches geschiet. Wenn kunscht davon abhängig ist das optimale Bedingungen herrschen ist an deren Kunst etwas nicht in Ordnung. Wer brotlose Kunscht machen möchte, muss wie der arme Poet an die Stadtmauer ziehen. Das Gejammer ist unerträglich. Wer gut ist bekommt auch am Stadtrand die Aufmerksamkeit die seiner Kunst gebührt.

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