Kulturszene Berlin - Senator unterstützt Initiative für Probenräume und Ateliers

Mitglieder der Band "Wet Underwear" proben im House of Music auf dem R.A.W.-Gelände
Video: Abendschau | 15.02.2021 | Petra Gute | Kultursenator Klaus Lederer | Bild: dpa/Christoph Soeder

Berlins Künstler können im Wettbewerb um die steigenden Preise auf dem Mietmarkt nicht mithalten. Räume für ihre künstlerische Arbeit sind rar. Ein neues Bündnis soll nun mit Unterstützung des Senats eine Nische schaffen und Räume bereit stellen.

Kulturschaffende aus der freien Szene sollen in Berlin künftig leichter Arbeits- und Proberäume bekommen. Dafür will sich das Bündnis "Kultur Räume Berlin" [kulturraeume.berlin] einsetzen und wird dabei mit Geldern des Senats unterstützt.

Hintergrund für die Initiative ist der Notstand an bezahlbaren Atelier- und Arbeitsräumen der Kulturschaffenden in der Stadt. Bedroht sind derzeit etwa die Uferhallen in Berlin Wedding, die neue Gesellschaft für Bildende Kunst (ngbk) oder das Museum der Dinge in Kreuzberg.

Bedarf liegt weit über dem bisherigen Angebot

Der neue Verbund unter dem Dach der Kulturraum Berlin GmbH soll hier ansetzen. Hintergrund dieses am Montag durch Kultursenator Klaus Lederer präsentierten Bündnisses ist ein Koalitionsbeschluss des Senats von 2016. Darin hieß es, dass die Kultur künftig auch als Infrastrukturpolitik im Rahmen der gesamten Stadtentwicklung zu betrachten sei. Der Senat wollte mindestens 2000 Arbeitsräume schaffen, die Hälfte davon in landeseigenen Liegenschaften.

Doch der Bedarf liegt weit darüber. Denn allein 8000 bildende Künstler hat Berlin nach der Schätzung des Atelierbeauftragten Martin Schwegmann. Hinzu kommen Sparten wie Tanz, Musik, Performance und viele andere mehr. Die Senatsverwaltung will nach eigenen Vorgaben nun zunächst 1150 Arbeitsräume bis zum Ende dieses Jahres angemietet haben. 600 Räume sollten dabei in eigenen Liegenschaften dafür hergerichtet werden und 500 weitere seien "in der Pipeline", erkärte Lederer.

Etwa vier bis fünf Euro pro Quadratmeter sei der angestrebte Mietpreis für die Kunst- und Kulturschaffenden, hieß es. Wer diese Möglichkeit nutzen will, müsse in Berlin leben und arbeiten und nachweisen können, mit Kunst den Lebensunterhalt zu verdienen.

Bündnis kann kaum Schritt halten mit dem finanzkräftigen Markt

Bislang reagierte die Senatsverwaltung immer nur und konnte mit dem auf Hochtouren laufenden Immobilienmarkt kaum Schritt halten. Lederer selbst begründet das mit der dafür nötigen personellen Infrastruktur, die seinem Haus gefehlt habe. Darum sei dann im vergangenen April die Kulturraum Berlin GmbH gegründet und mit einem eigenen Etat ausgestattet worden.

Bereits für das vergangene Jahr hätten dann rund 20 Millionen Euro für Mieten, Baumaßnahmen und die Organisation zur Verfügung gestanden, wie die Prokuristin der Kulturraum Berlin GmbH, Tatjana Kaube am Montag erläuterte. Durch langfristige Mietverträge seien die finanziellen Spielräume zwar nun wieder enger geworden, doch immerhin stünde im Budget von diesem Jahr noch ein Betrag im siebenstelligen Bereich zur Verfügung.

Die Kulturraum Berlin GmbH soll aber Lederer zufolge auch die Koordinierungsstelle eines neuen Bündnisses aus sechs Partnern sein. Neben der Senatsverwaltung, dem weiter bestehenden Atelierprogramm und eben der neuen Kulturraum Berlin GmbH
 sind darin vertreten die Berliner Immobilien­management GmbH (BIM), sowie die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) und das Bündnis Freie Szene Berlin, das dafür eigens unter dem Programmtitel PROSA, Projekt zur Raumschaffung von Arbeitsräumen, zwei feste Stellen geschaffen hat. Durch diese Professionalisierung auch auf Seiten der freien Kulturszene begegnen sich jetzt Verwaltung und Vertreter der Kultur auch auf Augenhöhe, wie die Partner am Montag betonten. Vor allem dies ist das Neue an diesem Projekt.

Start unter schwierigsten Bedingungen

Der Start allerdings findet nun unter schwierigsten Bedingungen statt, denn in vielen Senatsbereichen wird damit gerechnet, dass die Belastungen durch die Corona-Hilfen zu Einsparungen zwingen. Hinzu kommt, dass das Programm zwar jetzt beginnt, doch im Herbst wird in Berlin gewählt und dies führt möglicherweise zu einer neuen Regierung mit neuen Prioritäten.

Das neue Bündnis nun will mehr, als nur Räume für die Kultur sichern und entwickeln. Es könnte auch einen Impuls setzen für die gesamte Stadtentwicklungspolitik. Allerdings fehlt dafür ein wichtiger Akteur im Bündnis: die Bezirke selbst.

Klaus Lederer sieht hier die Bezirke noch sehr unterschiedlich aufgestellt. So gäbe es einzelne Bezirke - vorwiegend im Ostteil der Stadt - die sehr weit voran gingen und von sich aus Immobilien für die Kulturnutzung anböten.

Herausforderung Stadtentwicklung

Im engen Kontakt sei das neue Bündnis auch mit der Stadtentwicklungsverwaltung und den Wohnungsbau­gesellschaften bei der Entwicklung und Umgestaltung des Molkenmarktes, so der Kultursenator. Dort entsteht in der Alten Münze ein neuer Kulturort, das House of Jazz.

Schwierig sei die Kooperation überall dort, wo rein private Investoren planen, etwa auf dem künftigen Siemens Campus in Spandau. Hier Lösungen zu finden und Kooperationen zu vereinbaren, sei die große Herausforderung der neuen Kulturraum Berlin GmbH.

Mit Informationen von Redakteur Thomas Fitzel

Sendung: Inforadio, 15. 2. 2021, 19 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Super Sache, wo kann ich mich auf die Warteliste setzen lassen?

  2. 1.

    Guten Morgen Berlin. Ich mache nun seit 35 Jahren mit Leidenschaft Musik, als Hobby, Ausgleich zum Beruf und als mein kultureller Beitrag für die Gesellschaft. In fast jeder Kultur haben Musiker einen hohen Stand. Bis auf Deutschland und vorneweg Berlin. Die Möglichkeiten hier in Berlin in der kulturellen Hauptstadt Deutschlands sein durchaus anspruchsvolles und Kostspieliges Hobby auszuüben sind dramatisch begrenzt. Es gibt kaum Proberäume und wenn dann sind sie geradezu unerschwinglich teuer. Das ist mal wieder ein Armutszeugnis sondergleichen und an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Schafft endlich kulturellen Raum !!

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