Symbolbild: Leere Stühle vor Beginn der Fotoprobe für ein Stück auf der temporären Open-Air Bühne des Berliner Globe Theater am 21.07.2020 (Bild: imago images/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 17.02.2021 | Ute Büsing | Bild: imago images/Martin Müller

Theater suchen Open-Air-Flächen - Auf ins Freie

Je länger die Pandemie andauert und Aufführungen in Innenräumen in weite Ferne rücken, umso mehr Theater suchen nach Open-Air-Ausweich-Spielorten. Auf die Freiflächen hat ein regelrechter Run eingesetzt. Von Ute Büsing

Was im Sommer noch möglich war, geht jetzt nicht mehr: Open Air im Innenhof der Behindertenwerkstatt des Berliner Theaters Thikwa in der Fidicinstraße. Denn da wird gebaut. Deshalb suchen Gerd Hartmann und sein Team nach Alternativen. Schließlich feiert ihr Theater für Menschen mit Behinderung im Sommer 30-jähriges Jubiläum.

Um die Durchführung der großen Geburtstags-Ensemble-Produktion in diesen schwierigen Zeiten zu gewährleisten, wurde von Anfang an auf Open-Air gesetzt. Doch die Suche nach Ausweichstandorten gestaltet sich schwierig. "Offensichtlich will die ganze Stadt draußen spielen", sagt Gerd Hartmann. "Es scheint so, als würde das Tempelhofer Feld im Sommer übervölkert von theatralen Darbietungen sein."

Tempelhofer Feld übervölkert von Theater

Im Rahmen des wieder aufgelegten Programms "Draußenstadt" will der Berliner Kultursenat bei der Suche nach Open-Air-Spielorten und auch mit der notwendigen Veranstaltungs-Logistik helfen. Darauf hofft auch das Berliner Jugend-Theater Strahl, das im Herbst keine so guten Erfahrungen mit den bezirklichen Grünflächen- und Ordnungsämtern bei der Bewilligung von Freiluftveranstaltungen gemacht hat.

Der künstlerische Leiter Wolfgang Stüssel telefoniert gerade "alle Freiluftbühnen ab" und hört dann, "dass andere Theater auch schon vorstellig wurden". Strahl will sein Erfolgsstück "Berlin Berlin" und ein Masken-Beat-Box-Stück Open Air präsentieren. Auf Strahl’s Agenda der Erschließung neuer Orte steht zum Beispiel der Innenhof des Kulturhauses Schöneberg. Mobile Produktionen auf Plätzen und in Parks sollen den Kanon erweitern.

Zirkuszelte oder Kooperationen mit bestehenden Freiluftbühnen

Auch um die Anmietung oder den Ankauf eines Zirkuszelts hat sich Strahl bemüht, ebenso wie Thikwa und auch das Musiktheater Atze. Für Kooperationen mit bestehenden Freiluftbühnen zeigen sich die Theater in der neuen Raumnot offen, um nicht die komplette Infrastruktur selbst aufbauen zu müssen wie es auf dem Tempelhofer Feld oder im Gleisdreieck-Park nötig wäre.

In Kooperation mit dem Studiengang Theaterpädagogik der UdK hat Thikwa ein Freiluftprojekt schon unter Dach und Fach. Es wird im April auf dem Autoscooter des Hauses der Statistik am Alexanderplatz zu sehen sein – einem bereits mehrfach für Theater erprobten Ort.

Und auch das große Deutsche Theater Berlin überlegt, nach draußen auszuweichen, sollte die unbedingt gewünschte Bespielung der Innenräume unter längst erprobten strikten Hygienemaßnahmen im April oder Mai nicht möglich sein. Allerdings kann Intendant Ulrich Khuon dann auf eigene Spielflächen zurückgreifen, nämlich den bereits im letzten Sommer erfolgreich bespielten Platz vor dem Theater und einen weiteren noch zu erschließenden hinter dem Gebäude Richtung Charité.

Ulrich Khuon will mit seinem Deutschen Theater "nicht irgendwo in der Stadt spielen", denn nach fast einjähriger Schließung sei es ganz wichtig "diesen Ort wieder zu etablieren." Es gilt für alle Theater, die großen wie die kleineren, "in diesen Pandemiezeiten beweglich zu bleiben und neue, andere Wege der Präsentation zu suchen" wie es Ulrich Khuon formuliert. So oder so. Auf ins Freie!, heißt die Devise.

 

Sendung: Inforadio, 17.02.2021, 08:30 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

1 Kommentar

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  1. 1.

    Wer noch Freiflächen sucht: Berliner Umland sucht Kultur!! Beispielsweise Falkensee, Freiflächen direkt an der Grenze (Albrechtshof) oder im Gutspark Falkensee, da wo sonst nur Rummel stattfindet..

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