Symbolbild: Ein Kind sieht mit einer VR-Brille eine Ausstellung. (Bild: dpa/Ralf Hirschberger)
Audio: Inforadio | 08.02.2021 | Ute Büsing | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Berliner Förderprogramm - 775.000 Euro für digitale Kultur

Ein Förderprogramm des Berliner Senats hat die digitale Entwicklung in der Kultur im Visier. Der Bedarf ist groß - und erste Erfahrungen im Corona-Lockdown zeigen: Digitales sollte als Erweiterung gesehen werden, nicht als Ersatz von analoger Kultur. Von Ute Büsing

 

Neue Zeiten, neue Impulse - trotz oder gerade wegen Corona: In der Pandemie greift das zukunftsweisende Förderprogramm "Digitale Entwicklung im Kulturbereich". Damit unterstützt die Berliner Kulturverwaltung Institutionen und Projekte, die nach innovativen digitalen Formen und Inhalten der Kulturvermittlung und Verbreitung suchen.

Arne Vogelgesang sammelt mit seinem Theaterprojekt "Internil" schon seit 15 Jahren Erfahrungen im Digital-Bereich. In Aufsehen erregenden Aufführungen wie "Glühende Landschaften" oder "Staatenlos" hat die Gruppe sich mit Rechtsradikalisierung und Trolls im Netz auseinandergesetzt. Dank der neuen Digitalförderung der Berliner Kulturverwaltung erforscht Arne Vogelgesang jetzt mit dem Projekt "unreal.theatre" die Möglichkeiten des Virtual-Reality-Chats. "Virtuelle Realität ist die Technologie, wo man sich in der Regel mit Brillen in virtuellen Räumen bewegt", erklärt Vogelgesang. "Wir haben uns die soziale Plattform VR-Chat ausgesucht, wo bereits Zigtausende von User-generierten Räumen und Welten existieren."

Förderungsempfänger der ersten Stunde: Arne Vogelgesang mit "Internil"

Es gebe mehrere Millionen VR-Chat-Accounts und bis zu 40.000 Menschen, die dort gleichzeitig online sind, sagt Vogelgesang. Diese Plattform, wo Menschen ständig mit künstlichen Körpern – so genannten Avataren – miteinander interagieren, betrachtet er als Bereich, "aus dem wir vielleicht für Theater lernen können". Gleichzeitig will er jetzt erforschen, ob diese VR-Chat-Technologie in Corona-Zeiten, "wo Menschen nicht mehr gemeinsam reale Räume benutzen dürfen, virtuelle Ausweich-Räume bietet - sowohl für Theateraufführungen, als auch für Proben."

Arne Vogelgesang gehörte im vergangenen Jahr zu den ersten, die in Corona-Zeiten in den Genuss der neuen Förderung "Digitale Entwicklung im Kulturbereich" von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) kamen. Für das Jahr 2021 stehen jetzt für sieben Projekten insgesamt 775.000 Euro zur Entwicklung überwiegend neuer digitaler Infrastruktur zur Verfügung. Darunter sind das Konzerthaus Berlin mit hybriden interaktiven räumlich verteilten Klang-Events, das Georg-Kolbe-Museum, das Aktive Museum Faschismus und Widerstand und die schon lange digital arbeitende innovative Theatergruppe Machina eX.

Nur zehn Prozent der eingereichten Anträge konnten gefördert werden. "Das zeigt explizit, wie groß der Bedarf ist, gerade wegen, oder vielleicht auch trotz der Pandemie", sagt der Kultursenator. Er sieht bereits jetzt eine "Breitenwirkung" in die Berliner Kulturlandschaft hinein.

Breite Teilhabe an Kulturangebot und Kunstproduktion

Der Kultursenator, seine Verwaltung und verschiedene Kooperationspartner dachten bereits seit 2018 über ein neues digitales Förderprogramm nach. Im Mittelpunkt sollte dabei "Teilhabe am Kulturangebot und an der Kunstproduktion" stehen.

Lederer setzt auf breitestmögliche Vernetzung und Wissenstransfer zugunsten der Allgemeinheit: "Das Ziel ist, die vorhandenen Potenziale unserer Kulturlandschaft durch die Förderung von Digitalkompetenz heben zu können", sagt er. 2020 profitierte davon zum Beispiel das Jugendtheater Strahl. Gefördert werden auch beispielhaft "spartenübergreifende Projekte". Gemeinsam mit der Technologie-Stiftung wurde bereits das gesondert geförderte Lab "kulturBdigital" aufgesetzt. Außerdem wurde die virtuelle Erweiterung der Räume der Galerie Prater vorangetrieben.

Kein Ersatz für Analoges: Erweiterung der Möglichkeiten

Klickzahlen und wirtschaftliche Überlegungen sollen laut Lederer bei der digitalen Entwicklung nicht vordergründig sein. 2021 wird parallel zum Einsatz des neuen Förder-Tools eine Bedarfserhebung mit Blick auf die Landes- und Bezirkseinrichtungen aller Sparten und auf die Freie Szene durchgeführt. Nach dieser Erhebung könnten zusätzliche Innovationsmittel aus dem Nachtragshaushalt bereits in diesem Jahr für die digitale Weiterentwicklung eingesetzt werden.

Netz- und VR-Pionier Arne Vogelgesang, hat sich vorgenommen, zur Normalisierung des Internet-Gebrauchs im Theaterbetrieb beizutragen. Er halte nichts davon, "dass jetzt alle streamen müssen", sagt er. Er wolle im virtuellen Raum neue Erfahrungen sammeln und sie an andere weitergeben: "Digitalisierung ist eine Erweiterung der Möglichkeiten und kein Ersatz für analoge Veranstaltungen."

Beitrag von Ute Büsing

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