Die Schauspielerin Thelma Buabeng steht am 30.04.2015 bei der Probe zum Theaterstück "Die Schutzbefohlenen" im Haus der Berliner Festspiele in Berlin auf der Bühne (Bild: dpa/Stephanie Pilick)
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Kritik | Neuer Stream aus Berlin - "Open Stage Berlin" bringt Schwung in die Bude

Mit "Open Stage Berlin - Die tägliche Doris" liefert Arte Concert ein neues Musik-Format: Die Reihe wird ab jetzt Montag bis Donnerstag live aus den Berliner Reinbeckhallen gestreamt. Magdalena Bienert fand die erste Ausgabe schon mal vielversprechend.

Die Schauspielerin Thelma Buabeng führt durch das neue Streaming-Format "Open Stage Berlin - Die tägliche Doris". Arte Concert bringt die Reihe seit dem 22. Februar immer Montag bis Donnerstag live aus den Berliner Reinbeckhallen. Das Format verspricht nicht weniger als: "'Open Stage Berlin' gibt der pulsierenden Szene in Pandemie-Zeiten eine Plattform und dem Publikum das Gefühl zurück, live dabei sein zu können."

Ein neuer Stream? Die Spannung steigt. Nach kurzer Begrüßung betritt in Folge 1 der erste Künstler des Abends die Bühne: Produzent und Musiker Search Yiu mit seinem DJ. Ob allerdings der Wahlberliner mit der dünnen, brüchigen Stimme der beste erste Gast für diese neue Sendereihe ist, sei mal dahingestellt.

Aber da Musik ja auch immer Geschmackssache ist, rufe ich für mich die Parole "Durchhalten" aus. Obwohl rein musikalisch vielversprechend (Hip Hop trifft Trap und Pop), zeigt sich bei Search Yiu die Tücke eines professionellen Online-Konzertes in Pandemie-Zeiten sehr genau. Gerade junge Künstler unterschätzen gern mal dieses Online-Medium, wie sich in den etlichen Streams inzwischen öfter gezeigt hat: Es gibt eben kein Publikum, das quatscht, kein Klimpern von der Bar, einfach kein anderes Geräusch, dass Stimm-Unsicherheiten übertönen könnte. Man hört schlicht jeden schiefen Ton und davon gibt es bei Seach Yiu leider viele. Sein Duett mit dem Musiker Drangsal zum Schluss versöhnt immerhin etwas.

Open für Alle: Tanz, Musik, Varieté, Poetry-Slam

Es folgt ein kurzer produzierter Beitrag darüber, wie es Musikerinnen und Künstlern in diesen schwierigen Zeiten geht, und dann kommt - nach gut 40 Minuten - das erste Mal richtig Schwung in die Bude: Das Künstlerkollektiv vom "Gute-Laune-Varieté Bus", liefert eine kleine artistisch-clowneske Einlage zu live gespielter Akkordeon-Musik. Das tut gut und bringt nach dem schwermütigen Auftakt Leichtigkeit in die Show.

Das Konzept der Sendung sieht vor, dass es immer eine Mischung aus Musik verschiedener Genres und Performance-Künsten geben wird - mal Tanz, Poetry-Slam oder Theatergruppen sind vorgesehen. Und musikalisch treffen Newcomer auf gestandene Künstlerinnen und Künstler. Extra aus Hamburg angereist ist der Singer-Songwriter Niels Frevert. Auch er bekommt für seine melancholische Musik 30 Minuten on stage.

Das Kunst- und Kulturzentrum Reinbeckhallen in Oberschöneweide ist eine tolle Wahl für die hochwertig produzierte Show, es gibt abwechslungsreiche Settings und somit zig verschiedene Möglichkeiten für die Moderatorin und die Kameras.

Eine Ausstellung in den Reinbeckhallen in Berlin Oberschöneweide (Bild: imago images/Volker Hohlfeld)Die Reinbeckhallen sind der Veranstaltungsort für den regelmäßigen Arte-Stream.

Die tägliche Dosis Doris

Den Abschluss der ersten "Open Stage Berlin - die tägliche Doris" (was wahrscheinlich eine "witzige" Anspielung auf die Berliner Künstlergruppe "Die tödliche Doris" aus den 1980er sein soll), bildet die Berliner Musikerin Dota, die früher als Kleingeldprinzessin auftrat. Sie setzt mit ihren sowohl kritischen als auch ironischen Texten einen schönen Konterpunkt zur männerlastigen Schwermütigkeit der ersten Sendung und macht das Konzept rund.

Nach 90 Minuten verabschiedet sich die sympathische Thelma Buabeng und kündigt für den Dienstag Abend Julia Neigel an (ja, DIE Jule Neigel) und das Duo Klan. Weitere bisher bestätigte Acts sind übrigens Joris, YouNotUs, Alvaro Soler, Graham Candy, Selig, Maxim und Catt.

"Open Stage Berlin - Die tägliche Doris" läuft immer Montags bis Donnerstag um 20.30 Uhr live auf dem Arte Concert Youtube- oder Facebook-Kanal und ist eine rbb-Koproduktion.

1 Kommentar

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  1. 1.

    Warum wird Fernsehen und Radio auf einmal als etwas völlig neues verkauft?
    Bühnenübertragungen hat es seit jeher im TV gegeben.
    Z. B. ein Kessel Buntes.
    Wir Zuschauer sind doch nicht dumm.
    Man sollte die Opern und Theater wieder maßvoll öffnen und den Schauspielern und Künstlern endlich ihre Arbeit und Würde zurückgeben.

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