Studie im Kulturausschuss - Berlin will mehr Menschen den Weg zu Kultur ebnen

Di 16.03.21 | 16:19 Uhr | Von Holger Zimmer
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Besucher*innen betrachten in der Ausstellung «Gerhard Richter. Atlas-Übersicht 1:2» im Atelier Liebermann die Ausstellungsstücke (Bild: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Was hält Menschen in Berlin davon ab, Kulturveranstaltungen zu besuchen? Die Berliner Kulturverwaltung hat vor der Corona-Pandemie eine Studie in Auftrag gegeben, die dazu Daten liefern sollte. Nun liegen sie vor. Von Holger Zimmer

Es ist eine groß angelegte repräsentative Studie, die die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa am Montag im Kulturausschuss vorgestellt hat. Etwa 13.000 Berlinerinnen und Berliner wurden befragt, und die Grundfragen waren: Warum benutzen Menschen in Berlin die Kultureinrichtungen? Wie zufrieden sind sie damit? Die Studie wurde auch inoffiziell eine "Nicht-Nutzerstudie" genannt, denn es geht auch immer um die Frage: Was hält Menschen davon ab, hier in Berlin Kultur zu nutzen?

Auch das Einkommen spielt eine Rolle

Erste Ergebnisse zeigen: Wie zu erwarten war, spielt auch das Einkommen eine Rolle bei der Nutzung der Kultur, wenn auch nicht so stark wie befürchtet. Die neue Studie - mit einem breiten Kulturbegriff - zeigt zudem, dass die Berlinerinnen und Berliner öfter als Bewohner anderer Bundesländer Kinos, Theater, Opern oder Museen nutzen. Sie zeigt unter anderem aber auch, dass viele Menschen von der Kultur in ihrem direkten nachbarschaftlichen Umfeld enttäuscht sind. Ein Hinweis darauf, dass der Fokus nicht nur auf Kunst in der Stadtmitte liegen sollte.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) nennt diese Studie einen Teil eines größeren Projektes, das auch im Ausland Vorbilder hat. Großbritannien sei seit langem Vorreiter bei datenbasierter Kulturarbeit. Das bedeute, Kultureinrichtungen nicht ihrer Selbstgenügsamkeit überlassen und der Zufriedenheit, dass es schon irgendwie voll wird, sagte Lederer.

Befragung läuft seit 2008

Seit 2008 läuft in Berlin das "Kultur-Monitoring". Das Institut für Kulturelle Teilhabeforschung hat die aktuelle Befragung kurz vor der Pandemie durchgeführt und dabei auch diejenigen befragt, die nicht in Kultureinrichtungen gegangen sind. Daher gibt es also eine breitere Datenbasis als bei vorhergehenden Studien. Diese soll nun in enger Abstimmung mit Kulturträgern und Institutionen ausgewertet werden.

Der Senator will Kultureinrichtungen Daten zur Verfügung stellen, die ihnen ermöglichen, sich selbst in Frage zu stellen: Wo funktionieren Dinge nicht, wo klemmt es? Ist die Barrierefreiheit ausreichend, sind die Angebote niedrigschwellig genug? Wie ist mein Programm eigentlich organisiert, um in der Breite der Gesellschaft auch Wirkung zu erzielen?

"Wir sind noch nicht am Ende des Wegs, aber wir sind auf dem richtigen Weg", so Klaus Lederer. Er setzt auch auf Beratung der Kultureinrichtungen bei der Auswertung der Daten. Nicht einfach nur die Daten auf den Tisch werfen, so hofft er, sondern Expertise vermitteln, mit ihnen etwas anzufangen.

Vor allem sollen Hürden abgebaut werden, die bei der Kulturnutzung immer noch vorhanden sind. "Bei der Diversitätsentwicklung haben wir 'DAC' -'Diversity Arts Culture', wir haben Outreach-Netzwerke, und das funktioniert hervorragend", sagt Lederer. Kulturelle Bildung sei auch ein Schwerpunkt. "Sozialen Barrieren begegnen wir auch seit langer Zeit - aber auch dort wird noch mehr gehen."

Sendung: rbbkultur, 15.03.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Holger Zimmer

4 Kommentare

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  1. 4.

    Im Moment bleibt mir, Rentner, die Stadtbezirksbibliothek das einzige Kulturinstitut.
    Zum Glück mit verlängerten Ausleihzeiten ohne Strafzahlung. Denn alle 4 im Januar ausgeliehenen und noch nicht ausgelesen Bücher bleiben liegen, weil mir diese wunderbare Kultureinrichtung ganz schnell "das Buch der Saison" besorgt hat.
    "Ministerium der Träume " von Hengameh Yaghoobifarah.
    Leider verstehe ich schon auf der ersten Seite etwas nicht. Da steht eine lange Schlange vor einer Telefonzelle. Vermutlich in der Sonnenallee oder in der Nähe davon.
    Ich würde gerne verstehen, wann der Roman spielt. Kann mir jemand sagen, bis wann es dort noch Telefonzellen gab?

  2. 3.

    Stimmt schon, die Eintrittsgelder sind nicht ohne. Aber auch nicht ohne Grund. Andererseits. Wenn die Kinder nicht von klein auf an Kultur, Museum etc. herangeführt werden, werden sie auch später nicht hin gehen! Ist wie dem Buch lesen oder klassische Musik hören! Wenn die Eltern es nicht tun, tun's die Kinder auch nicht.

  3. 2.

    Es kommt auch darauf an, was man unter "Kultur" versteht.
    Wenn in einer Umfrage nach "Theater, Oper, Museum" gefragt wird, liegt dem schon eine gewisse Haltung zu Grunde und es beeinflusst das Ergebnis.
    Ich sehe z.B. ein Jugendzentrum, wo Nachwuchsmusiker eine Chance haben, genauso als Ort der Kultur an.

  4. 1.

    Hat sich ja wohl erledigt. Die wenigen übrig bleibenden Kultureinrichtungen werden nach Corona wohl überlaufen.
    Ansonsten ist es auch Tatsache, das ohne den nötigen dicken Geldbeutel manches für Familien nicht mehr möglich ist. Und das fängt schon beim Kino an, wenn einem gute Filme auf großen Leinwänden wichtig sind.

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