Archivbild: Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens, sitzt im Haus der Kulturen der Welt an der Technik. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Audio: Inforadio | 11.03.2021 | Ute Büsing | Bild: dpa/J. Kalaene

Geschlechtergerechtigkeit an Theatern - Die Frauenquote beim Theatertreffen? Eine Erfolgsgeschichte!

Noch immer steht es um die Chancen von Frauen in den Kulturbetrieben nicht zum Besten. Um für mehr Geschlechtergerechtigkeit auf dem Theater zu sorgen, führte das Berliner Theatertreffen Frauenquote ein – durchaus eine Erfolgsgeschichte. Von Ute Büsing

Erst einmal gab es viel Kopfschütteln, einen männlich dominierten Sturm der Entrüstung, aber auch freudiges Kopfnicken bei Aktivistinnen, als Yvonne Büdenhölzer 2019 für die Auswahl zum Berliner Theatertreffen eine fünfzigprozentige Frauenquote auslobte.

Inzwischen gilt die Maßnahme als voller Erfolg - ohne befürchtete Qualitätseinbußen.

"Die Jury hat mehr Produktionen von Frauen in den Sichtungsprozess genommen und mehr weibliche Positionen diskutiert als bis dahin", sagt die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer. Ihr zunächst umstrittener, inzwischen weithin diskutierter und akzeptierter Impuls zur Geschlechtergerechtigkeit wird auf weitere zwei Jahre verlängert. In den beiden Quotenjahren wurde sie jeweils mit einem Verhältnis von sechs zu vier "übererfüllt".

Impulse gegen den Gender Gap an den Theatern

Yvonne Büdenhölzer, die das Theatertreffen seit 2012 leitet, war mit der Frauenquote eine von vielen Impulsgeberinnen für Veränderungen in der Machtstruktur von Theaterapparaten. Es bleibe aber noch viel zu tun, um dem Gender Gap beizukommen, sagt sie. Es gebe bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel Hannover) kaum gleichberechtigte Ensembles, was auch daran liege, dass der Kanon oftmals männlich geprägt ist. Außerdem bemängelt Büdenhölzer "einen Gender Pay Gap", nach dem Männer in allen Theater-Positionen immer noch besser bezahlt sind. Bei den Zugriffen auf Etats und Ensembles hätten Männer ebenfalls meist die Nase vorn, auch wenn es um Stars und Saisoneröffnungspremieren geht.

Eine, die den männlich bestimmten Kanon am Theater lustvoll immer wieder neu und anders definiert, ist die Regisseurin Anne Lenk. 2020 war sie mit Molieres "Der Menschenfeind" zum Theatertreffen eingeladen. In diesem Jahr folgt "Maria Stuart" – beides Produktionen des Deutschen Theaters Berlin, in denen die handelnden Frauen stärker konturiert sind als gewohnt.

Schon während der Schulzeit habe sie im Deutschunterricht eine andere Lesart von klassischen Texten umgetrieben als die Deutschlehrer, erzählt Anne Lenk. "Fast in jeder Arbeit sehe ich, dass ich das anders sehe als Literaturwissenschaftler. Es geht erstmal darum, Themen von Frauen sichtbar zu machen, zu hinterfragen." Auch die klassischen Rollenbilder des Mannes "gehören überholt", sagt sie.

Theatertreffen-Quote hilft bei Sichtbarmachung

Klassikern kommt Lenk mit einer neuen – weiblichen - Lesart bei, ohne den Kern der Texte oder die Sprache, die sie schätzt, zu zerstören. In den Theaterbetrieben muss sie sich ihre Sichtweise meist erst in vielen Gesprächen erkämpfen. Die Quote beim Theatertreffen hält Anne Lenk für notwendig, um langfristig Strukturen zu verändern. "Die Produktionen von weiblichen Regisseurinnen sind ja da, aber sie müssen auch gesehen werden. Eine Einladung zum Theatertreffen kann die Biografien von Personen stark verändern."

Sie helfe jungen Frauen dabei, sich in ihrem Arbeitsfeld sichtbar zu machen. Gerade probt Anne Lenk unter Pandemie-Bedingungen "Phädra" von Racine am Staatstheater Nürnberg.

Dort war bereits eine etwas andere "Amphytrion"-Interpretation von ihr zu sehen. Wenn es wieder richtig losgeht am Deutschen Theater Berlin darf man auf den "Zerbrochenen Krug", inszeniert von Anne Lenk, gespannt sein. Und damit erneut auf eine Produktion, in der die Rollen der Frauen anders interpretiert werden als bisher.

Sendung: Inforadio, 11.03.2021, 07:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

1 Kommentar

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  1. 1.

    Es ist aber schon klar, dass in großen Häusern nur Alte Weiße Männer gegeben werden ?

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