Ausstellung im Potsdamer Barberini-Museum - Wie sich Rembrandt den Orient vorstellte

Rembrandt Harmensz van Rijn: "Daniel und Kyros vor dem Götzenbild des Bel", 1633, Öl auf Holz, 23,5 x 30,2 cm (Quelle: The J. Paul Getty Museum, Los Angeles).
Bild: The J. Paul Getty Museum, Los Angeles

Es ist eine Weltpremiere, nach monatelanger Corona-Museumspause: Erstmals zeigt eine Ausstellung das Orientbild, das Rembrandt und seine Kollegen im Sinn hatten. Das Museum Barberini in Potsdam präsentiert die Schau ab Samstag. Von Maria Ossowski

Alle sind zu Hause geblieben, kaum ein Niederländer ist gereist im 17. Jahrhundert. Auch Rembrandt hockte fast immer in Leiden und später in seinem Amsterdamer Atelier und konnte vom Orient nur träumen. Wie so viele Künstler, die jedoch die Handelswaren kannten, die aus Asien oder von der Levante kamen.

"Die Amsterdamer Bürger haben begonnen, wie früher die Fürsten, so wunderbare Sachen wie Porzellane oder reich bestickte Gewänder oder Krummsäbel zu sammeln und dann haben die Künstler sie in die Stilleben, in die Porträts oder in die biblischen Geschichteneben integriert. Man hatte gar keine Vorstellung von den Kulturen, aus denen sie stammten. Es waren Versatzstücke", sagt Ortrud Westheider, die Direktorin des Barberini Museums.

Rembrandt hat all diese Versatzstücke gekannt, so wie auch Orient-Erzählungen aus Büchern. Der Orient aber blieb ein Klischee, das er auch für eines seiner vielen Selbstporträts genutzt hat - der Betrachter kann in Potsdam selbst seine Schlüsse aus Rembrandts Pose ziehen. "Wir haben in der Ausstellung einen Kupferstich von Rembrandt, diesen bekannten, wo er mit einem gezückten Säbel dasteht und sehr grimmig guckt. Ist das nun Selbstironie? Ist das eine Herrschaftsimagination? Vielleicht hat er sich über einen Auftraggeber geärgert und deshalb solch ein grimmiges Bild mit Säbel gemalt. Sowas bleibt Spekulation", sagt Westheider.

"Das Fremde war das positive Andere"

Michael Philipp ist der Chefkurator im Barberini. Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind alle Räume im altmeisterlichen Dunkelgrün gehalten. 110 Exponate von mehr als 50 Leihgebern präsentiert das Museum, auf 1.000 Quadratmetern. Zum ersten Mal überhaupt zeigt eine Ausstellung das Orientbild der Rembrandtzeit, dieses Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei. "Das 17. Jahrhundert war ein Jahrhundert der ersten Globalisierung, und in dieser Zeit entstand auch ein neues Weltgefühl. Die Fremde und das Fremde, das war das positive Andere. Es war eine Modeerscheinung und diese ging einher mit einem neuen Lebensgefühl", sagt Philipp.

Dieses Lebensgefühl habe wiederum mit dem Wirtschaftswunder ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts zusammengehangen, das eine ungeheure Dynamik entwickelt habe. Bis Indonesien gingen damals die Handelsbeziehungen. Der Reichtum in der Heimat wuchs, und viele wohlhabende Leute ließen sich gern in den prunkvollen Gewändern und auf schönen Kissen malen. Vor allem alttestamentarische Themen waren sehr modern.

Das berühmteste Gemälde der Ausstellung stammt von Rembrandt und heißt "Simson, an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend". Die Männer lagern auf kostbaren Stoffen, tragen Turbane und edle Kleider. Genau so, wie sich Europa den Orient vorgestellt hat. "Seine Meisterschaft im Modellieren von Helldunkeleffekten dramatisiert das Geschehen. Der Betrachter hat das Gefühl, er ist Zeuge eines historischen Moments", erklärt die Kuratorin Dorothee Entrup.

Rembrandt Harmensz van Rijn: "Simson, an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend", 1638, Öl auf Leinwand, 126 x 175 cm (Quelle: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden).
Simson und die Hochzeitstafel, oder: So wie sich der Niederländer Rembrandt zuhause eben den Orient ausgemalt hat. | Bild: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Tickets immer drei Tage im Voraus - aber sie sind knapp

Handel und Krieg, Sammeln und Forschung, Echtheit und Klischee, nach diesen Themen ist die spektakulär schöne Ausstellung geordnet. Sie zeigt, wie eurozentrisch damals der Blick auf fremde Kulturen war. Pittoresk sollten diese Kulturen sein, voller geheimer Botschaften und herrlichen Preziosen.

Wie wunderbar, dass das Barberini am 13. März mit dieser Ausstellung das Jahr eröffnet, allerdings nur für 680 Besucher pro Tag [museum-barberini.de]. Vor Corona waren es drei Mal so viel. Kinder können mit App und Quiz durchspazieren, pro Person sind zweieinhalb Stunden geplant. Die Tickets gibt’s immer drei Tage im Voraus, sonst wäre die gesamte Ausstellung längst ausverkauft.

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Beitrag von Maria Ossowski

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