Premierenkritik | Deutsche Oper Berlin - "Francesca da Rimini" bringt den Stream zum Leuchten

Jonathan Tetelman (Paolo) und Sara Jakubiak (Francesca) in <<Francesca da Rimini>> von Riccardo Zandonai an der Deutschen Oper Berlin. (Quelle: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus)
Audio: Inforadio | 15.03.2021 | M. Ossowski | Bild: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus

Mit Riccardo Zandonais Skandaloper "Francesca da Rimini" wagt sich die Deutsche Oper Berlin an heikles Material. Maria Ossowski aber ist begeistert - von starken Figuren, traumhaftem Gesang und einem fulminanten Bühnenbild.

Es ist herzergreifend, wie Sara Jakubiak und Jonathan Tetelman das berühmte Liebespaar Francesca und Paolo singen. Die Oper "Francesca da Rimini", komponiert von
Riccardo Zandonai nach einem Werk von Gabriele d’Annunzio, hat alles in sich, was eine wahre Tragödie braucht. Francesca und Paolo wollen zueinander, aber der Krieg im 13. Jahrhundert, Intrigen, Betrug und die bösen Familien - alles hindert sie und alles endet in Blut und Tod. Francesca muss Paolos häßlichen Bruder heiraten und rächt sich als Powerfrau an der gesamten Sippe.

Jonathan Tetelman (Paolo) und Sara Jakubiak (Francesca) in <<Francesca da Rimini>> von Riccardo Zandonai an der Deutschen Oper Berlin. (Quelle: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus)
Bild: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus

Dirigent Rizzi zieht alle Wendungen nach

Zandonais Oper nach d’Annunzios damals skandalösem Versgedicht wird trotz der umjubelten Turiner Uraufführung 1914 nicht mehr häufig gegeben. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich der Geschmack geändert. Zandonais Gefühlsfarben mit Anklängen an Wagner, Strauß und Debussy schienen aus der Zeit gefallen. Die Literatur-Oper ohne Arien, ohne Duette verschwand aus dem Kanon berühmter Musiktheaterwerke. Völlig zu Unrecht: Carlo Rizzi dirigiert in der Deutschen Oper in Berlin alle dramatischen Wendungen, alle Zartheiten, die berührenden Kantilenen, alle Schroffheiten, jede Dissonanz mit größter Sorgfalt und Spannung.

Der Chor wird zugeschaltet

Regisseur Christoph Loy zeigt, wie modern auch heute eine Frauengestalt sein kann, die selbst Liebe schenkt, die sich sanft und verletzlich zeigt und doch jeden in den Abgrund reißt, der ihre Gefühle mißbraucht. Eine Systemsprengerin, die bis zur Selbstzerstörung liebt. "Nimm meine Seele und giess' sie aus", singt Francesca.

Sechs Wochen dauerten die Proben an der Deutschen Oper, jeden Tag ließen sich alle Mitarbeiter testen. Der Chor, sensibelstes Thema in Coronazeiten, singt live im größten Probenraum des Hauses und wird zugeschaltet.

Magie italienischer Sehnsuchtsorte

Das bezaubernde Bühnenbild in einer Mischung aus Jugendstil und Fin de Siècle lässt sogar den sonst so kühlen Stream leuchten. Je 280 Stunden haben zwei Maler ein berühmtes Landschaftsbild von Claude Lorrain kopiert, es nimmt den gesamten Hintergrund ein und entführt in die Magie italienischer Sehnsuchtsorte.

Zandonais "Francesca da Rimini" ist wie Korngolds "Wunder der Heliane", ebenfalls an der Deutschen Oper von Christoph Loy inszeniert, eine echte Entdeckung. Möge ihr bald vor Publikum ein ebensolcher Erfolg beschieden sein.

Beitrag von Maria Ossowski

2 Kommentare

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  1. 1.

    BITTE KORRIGIEREN.

    Es muss richtig heißen. SARA JAKUBIAK

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