"Ku'damm 63": Vor der Tanzschule posieren Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) und ihre drei Töchter: Helga (Maria Ehrich), Monika (Sonja Gerhardt) und Eva (Emila Schüle). (Quelle: ZDF/M. Schreitel/B. Laewen/T. Wiemer)
Audio: Inforadio | 19.03.2021 | Alexander Soyez | Bild: ZDF/M. Schreitel/B. Laewen/T. Wiemer

Start 3. Staffel "Ku'damm 63" - Ein Familiengemälde wie ein Wimmelbilderbuch

"Ku'damm 63" ist der dritte Teil der groß angelegten ZDF-Filmreihe über eine Berliner Familie im Nachkriegsdeutschland. Der Dramen-Takt wird gleich in der ersten Szene vorgegeben. Eine glanzvoll historische Seifenoper, meint Alexander Soyez.

Mit "Ku'damm 56" begann 2016 die Geschichte der Familie Schöllack, der drei Schwestern, der Matriarchin und ihrer Tanzschule "Galant" am Kurfürstendamm. Die Miniserie wurde zum gefeierten Stück der jüngeren Fernsehgeschichte, zum TV-Ereignis.

Die "Ku'damm"-Serien im Wandel der Zeit sind jeweils drei einstündige Filme und ergeben zusammen eine große Familiensaga und einen Blick zurück in eine Zeit, in der die Kriegswunden in Deutschland zwar nicht verheilt, aber ein bisschen vergessen waren. In den Geschichten der drei Schwestern und ihrer Männer spiegelt sich diese Welt, in der es Frauen wie die Schöllack-Damen oft nicht leicht haben, aber trotzdem jede auf ihre Art ihren Weg zu finden versucht.

Rasanter Dramen-Takt

Nach der Fortsetzung "Ku'damm 59" vor drei Jahren trifft man sie nun wieder in den 1960er- Jahren und schon gleich in der ersten Szene wird Mutter Schöllack auf dem Ku'damm vom 19er-Bus angefahren. Damit wird auch schon der noch schnellere Dramen-Takt dieses dritten Teils vorgegeben. Schicksals- und Rückschläge, Todes- und Überfälle, Trennungen, Versöhnungen, Scheitern, Wiederaufstehen, Betrug, Selbstermächtigung, Affären und Erfolge gibt es hier genauso am laufenden Band wie die politische, juristische und gesellschaftliche Verankerung als Kulisse - vom Grand Prix Eurovision de la Chanson in Kopenhagen über die seit 1961 trennende Mauer in der Stadt bis zum Kennedy-Besuch im Sommer, von immer noch präsenten Nazis über fehlende Gleichberechtigung bis zur Strafbarkeit von Homosexualität wird fast nichts ausgelassen, was diese Zeit und das Leben in Berlin in dieser Zeit ausgemacht haben könnte.

Eine glanzvoll historische Seifenoper

Ein bisschen zu viel ist das alles durchaus und manchmal wirkt dieses große Zeit - und das Familiengemälde dadurch wie ein Wimmelbilderbuch mit passendem Soundtrack. Aber das ist eine Entwicklung, die im Staffelverlauf großer Serien durchaus normal ist. Die Charaktere sind gesetzt, bekannt und geliebt und man schickt sie auf einen immer schwierigeren Hindernislauf mit immer mehr kleinen und größeren Hürden. Das führt in diesem Fall - nicht abwertend gemeint - zu einer glanzvoll historischen Seifenoper.

Nicht zuletzt liegt das vielleicht auch daran, dass Anette Hess, die die Serie erdacht hat, als Drehbuchautorin diesmal nicht mehr dabei war. Hess, die mit der Serie "Weißensee" zum Drehbuchstar wurde, konzentrierte sich zuletzt auf ihre Neufassung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".

Das großartige Darstellerensemble auch im Umfeld der vier Schöllack-Frauen, das prächtig ausgestattete Berlin-Ambiente und vor allem das neue Jahrzehnt, die frühen 60er mit dem eingebauten spannungsreichen Welt-am-Scheideweg- und Umbruchs-Setting, sorgen dafür, dass sich dieses kleine Manko mehr als ausgleicht.

"Ku'damm 63" ist ab Samstag in der ZDF-Mediathek und am Sonntag um 20.15 Uhr mit der ersten Folge des Dreiteilers im linearen Programm zu sehen.

Sendung: Inforadio, 19.03.2021, 15:55 Uhr

Beitrag von Alexander Soyez

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