Archivbild: Künstler Gerhard Richter vor seinem Werk <<Birkenau>>. (Quelle: dpa/U. Deck)
Video: Abendschau | 15.03.2021 | Bild: dpa/U. Deck

Berlin - Gerhard Richter gibt mehr als 100 Werke an die Nationalgalerie

Er gehört zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Jetzt stellt der Maler Gerhard Richter der Berliner Nationalgalerie mehr als 100 Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen zur Verfügung - für das neue "Museum des 20. Jahrhunderts". Von Maria Ossowski

Der Maler Gerhard Richter stellt der Nationalgalerie in Berlin mehr als 100 Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen zur Verfügung. Die Werke sind für das im Bau befindliche "Museum des 20. Jahrhunderts" gedacht, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) am Montag mitteilte.

Seine Tochter, Ella Richter, vertrat ihn als die Nachricht bekannt wurde und sagte: "Das ist für ihn eine große Ehre, das Gefühl zu haben, dass da ein Platz geschaffen wird, der auch langfristig bleiben wird“

"Birkenau"-Zyklus

Zentrales Werk der langfristigen Kooperation mit der Gerhard-Richter-Kunststiftung ist der vierteilige Zyklus "Birkenau", der bereits ab Dienstag bis zum 3. Oktober 2021 in der Alten Nationalgalerie gezeigt werden soll. Die riesigen Bilder erinnern an das NS-Vernichtungslager Birkenau. Ihnen gegenüber hängen vier große graue Spiegel, so dass die Besucherinnen und Besucher Teil des Kunstwerks werden.

Diese vier Birkenau-Bilder habe er nicht auf den Kunstmarkt bringen wollen, sagte Richter laut der Mitteilung der SPK. Damit sei der Weg frei gewesen für eine Stiftung, die inzwischen über 100 Werke umfasse. "Ich freue mich, dass die Bilder nach Berlin kommen", so Richter.

Die vier Gemälde basieren auf Fotografien, die im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau heimlich aufgenommen wurden. Gerhard Richter malte die Fotografien zunächst auf vier Leinwände, so die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Anschluss habe Richter die Leinwände durch wiederholten plastischen Farbauftrag so überarbeitet, dass aus den Bildern abstrakte Kunstwerke wurden. Diese, "bewegen sich damit in einem Zwischenraum von Zeigen und Nicht-Zeigen, von Dokumentieren und Erinnern", so die SPK

Richter hat Karriere als Maler beendet

Neben dem Birkenau-Zyklus, werden weitere Kunstwerke zur Verfügung gestellt. Joachim Jäger, kommissarischer Direktor der Nationalgalerie, beschreibt: "Es sind auf jeden Fall mehrere konzeptuelle Arbeiten, auch weitere Glas und Spiegelarbeiten" Daneben gebe es viele abstrakte Arbeiten vor allem aus den 90er und den Nullerjahren. Großformatige Arbeiten, die farblich sehr stark seien und auch gegenständliche Arbeiten wie "Besetztes Haus" von 1989.

Der 1932 in Dresden geborene Richter gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler. Er ist zudem einer der höchstdotierten Maler, seine Werke werden mittlerweile für mehrere Millionen Euro gehandelt. So erzielte das Werk "Abstraktes Bild Nummer 599" vor rund sechs Jahren beim britischen Auktionshaus Sotheby's die Rekordsumme von 41 Millionen Euro - mehr als jedes andere Werk von Richter. Im vergangenen Jahr kündigte Richter an, seine Arbeit als Maler zu beenden.

Richterbilder erst in Neuer Nationalgalerie, dann im Museum des 20. Jahrhunderts

Gedacht sind die Bilder letztendlich für das neue "Museum des 20. Jahrhunderts". Hier soll ein Raum im Obergeschoss entstehen. Richter wünsche sich einen flexiblen "Gerhard Richter Raum", sagt Joachim Jäger. Dieser solle immer wieder geändert werden und von verschiedenen Kuratoren variiert. Denkbar sei auch eine Interaktionen mit zeitgenössischen Künstlerinnen oder Künstlern, so Jäger. "Es soll ein Raum sein, der einlädt, sich mit Richters Werk neu auseinanderzusetzen“

Einziger Fixpunkt: der Birkenau-Zyklus, der dort immer zu sehen sein wird. Ab 2023 sollen der Zyklus, sowie wesentliche Teile der gesamten Richter-Bilder, aber erstmal in der Neuen Nationalgalerie ausgestellt werden. Diese wird zurzeit noch saniert.

Die Überlassung der Bilder sei eine Ehre für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte SPK-Präsident Hermann Parzinger. "Man kann sagen, dass ein Traum wahrgeworden ist." Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) erklärte, die Kooperation zeige, welche Signalwirkung der Neubau eines Museums des 20. Jahrhunderts schon jetzt entfalte. "Nicht zuletzt wegen dieser Werke wird es ein Publikumsmagnet für Kulturbegeisterte aus aller Welt sein", so Grütters.

Museums-Neubau soll 2026 fertig sein

Das Museum der Moderne soll bis 2026 am Kulturforum in Berlin entstehen. Auf 9.000 Quadratmetern soll dort neben alten Meistern deutsche und internationale Kunst des 20. Jahrhundert präsentiert werden, darunter Werke von Joseph Beuys, Pablo Picasso und Andy Warhol.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte dafür Bundesmittel von 364,2 Millionen Euro freigegeben. Die Gesamtkosten werden mit 450,2 Millionen Euro veranschlagt. Unter anderem wegen der Baukosten ist der Museumsneubau bei Kritikern umstritten.

Sendung: Abendschau, 15.03.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ist denn die großartige Isa Genzken in Berlin vergessen die Ehefrau von Gerhard Richter? Die weltbekannte Installationskünstler in lebt und arbeitet in Berlin und eigentlich müsste man nie ein Denkmal setzen

  2. 4.

    Hä? Was habt ihr denn für Probleme? Die preußischen Raffkes wollten ihren Kram gerne bei sich ins gute Zimmer stellen ODER Geld dafür sehen. Oder am besten beides. Meinetwegen können sie alles ausräumen, echt. Stellt´s euch doch zu Hause hin! Nur zu! Und ob der Herr Richter sich von seinen Bildern distanziert oder nicht, ist mir schnuppe - ich mag auch nicht mehr alles, was ich früher toll fand, auch meine Bilder nicht. Hauptsache, er schmeißt es nicht weg!

    Kommen wir zum Kern zurück: schön, dass Herr Richter seine Bilder zur Verfügung stellt. Und blöd, wenn andere das selbe gerne rückgängig machen würden... und das immer peinlicher wird...

    https://www.pnn.de/ueberregionales/inland/versoehnliche-toene-in-der-new-york-times-hohenzollern-prinz-raeumt-fehler-im-streit-um-kunstwerke-ein/27004410.html

  3. 3.

    Was haben preußische (!) Raffkes mit dieser Bilderabgabe zu tun?

    Naja, freu, viel Ahnung vom Thema haben Sie ja wohl nicht. Sonst wüssten Sie, dass es keineswegs nur ein "netter" Zug von Herrn Richter war. Er distanziert sich seit etlicher Zeit von seinen eigenen Werken und negiert sein Schaffen. Daher trennt er sich von seinen Werken und gibt sie ab. Was für diejenigen, die seine Kunst durchaus zu schätzen wissen, sehr schön ist.
    Also bitte: Erst informieren, dann tippen.

  4. 2.

    Was schreiben Sie nur für ein Zeug?

    Aber, es ist schon Verwunderlich, dass Richter seine Bilder Berlin zur Verfügung stellt, während andere Sammlungen, die sogar Berlin geschenkt worden wären, sich ob der Unfähigkeit und des Unwillen der Berliner politischen Protagonisten zurück zogen und ihre Sammlung lieber Dresden schenkten. Darüber erblasste sogar die schon kulturpolitische blasse Grütters noch mehr.

  5. 1.

    Danke, das ist doch ein netter Zug :-) (ganz im Gegensatz zu den preussischen Raffkes...)

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