Das Trio Sæitenwind (Quelle: Anna Katharina Scheidegger)
Audio: Inforadio | 17.03.2021 | Hans Ackermann | Bild: Anna Katharina Scheidegger

Streamkritik | Trio Saitenwind im BKA Theater - Baseler Avantgardisten im "Rausch"

Die Konzertreihe "Unerhörte Musik" des BKA Theaters läuft derzeit als Livestream. Am Dienstag war dort das "Trio Saitenwind" zu Gast und hat mit Cello, Akkordeon und Saxofon neue, eigens für das Ensemble komponierte Werke interpretiert. Von Hans Ackermann

Ganz leicht lässt die schwedische Cellistin Karolina Öhman den Bogen über die Saiten ihres Cellos hüpfen. Währenddessen "atmet" ihre Kollegin Olivia Steimel mit dem Balg ihres Akkordeons geräuschvoll ein und aus. Schließlich übernimmt Jonas Tschanz mit seinem mächtigen Baritonsaxofon kurzeitig den akustischen Raum.

Nähe und Distanz

"In a close and distant space of time" heißt das erste Stück des Abends, das die renommierte koreanische Komponistin Junghae Lee 2019 für das Ensemble geschrieben hat. Bei verschiedenen Komponistinnen und Komponisten aus der lebendigen Baseler Neue-Musik-Szene hat das Trio Werke zum Thema "Rausch" in Auftrag gegeben. Man habe den Komponisten dabei die Wahl gelassen zwischen "medizinischer Verwirrung", die ein Drogenrausch darstellt, und jener vollständigen emotionalen Ekstase, die man im weitaus weniger ungesunden "Sinnesrausch" erlebt.

Für das Berliner Konzert haben die wortspiel-verliebten Musiker ihr Programm vielsagend erweitert und dem "Rausch" durch zwei zusätzliche Buchstaben noch das "Rausch(en)" an die Seite gestellt. Zu erwarten wäre, dass die Elektronik diese Komponente musikalisch beisteuert, tatsächlich lässt das Trio seine natürlichen Instrumente auf vielerlei Weise "rauschen".

Spieltechnische Finesse

Rauschhafte, geradezu psychedelische Schönheit entsteht, wenn Karolina Öhman dann bei "Ecos I" ihrem Instrument mit größter spieltechnischer Finesse sphärische Obertöne entlockt und diese Klänge mit den schwebenden Elektroniksounds des Komponisten Germán Toro-Pérez zusammenführt.

So wie die Cellistin sind auch die beiden anderen Ensemblemitglieder mehrfach ausgezeichnete Solisten. Zusammen hat das 2013 gegründete Trio bei verschiedenen Wettbewerben Preise gewonnen.

Kennengelernt haben sich Karolina Öhman, die aus Baden-Württemberg stammende Olivia Steimel und der Schweizer Jonas Tschanz beim Studium in Basel. Die Stadt ist ein europäisches Zentrum für zeitgenössische Musik, für modernen künstlerischen Umgang mit Klang und Geräusch, für den unablässigen Versuch, die Spielmöglichkeiten der Instrumente auszuloten. Mal mit aller Kraft wie im abschließenden "Astatine" des australischen Komponisten Paul Clift, dann aber auch als zarte Klage in Arshia Samsaminias "Constructive Imaginary".

Mehr emotionale Momente

Dort wird eine traurige Geschichte erzählt und man wünscht sich mehr solcher lyrischen und emotionalen Momente - an einem Abend, der klanglich an die Grenzen geht und große Offenheit beim Hören voraussetzt.

Jenseits von Dur und Moll, frei von den Fesseln melodischer oder harmonischer Konventionen entsteht hierbei allerdings eine hohe künstlerische Qualität - die in ihrer Radikalität aber wohl noch einige Zeit weitgehend "unerhört" bleiben wird.

Hinweis: "Unerhörte Musik" gibt es immer dienstags, 20 Uhr, im BKA Theater per Livestream

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