Jutta Hoffmann bei der Berlinale (Quelle: imago-images)
Audio: Inforadio | 03.03.2021 | Ute Büsing | Bild: imago-images

Schauspielerin feiert 80. Geburtstag - Die starke Frau von nebenan: Jutta Hoffmann

Erst prägte sie Kino und Theater der DDR, dann wurde sie im gesamten deutschsprachigen Raum gefeiert. Am Mittwoch wird die Film- und Theaterschauspielerin Jutta Hoffmann 80 Jahre alt. Von Ute Büsing

Sie war die Vielen: Karla, Juli, Hedda, Rita und immer wieder: Wanda. Jutta Hoffmann verkörperte wie kaum eine zweite wieder erkennbare, widerständige Frauen von nebenan. Nach einem Studium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg wurde die in Ammendorf bei Halle geborene Schauspielerin in den 60er Jahren in der DDR zur Identifikationsfigur.

Sie debütierte beim Defa-Film mit "Das Rabauken-Kabarett" und stand am Maxim Gorki Theater auf der Bühne. Bald wurde sie zum Weltstar im von ihr aufgrund der beengten Verhältnisse so genannten "Pappkarton DDR". Nach der Übersiedlung in die BRD 1983 in den Nachwehen der Biermann-Ausbürgerung und der von ihr mitunterzeichneten Protesterklärung dagegen gelang ihr auch im Westen auf Anhieb der Sprung zur "Schauspielerin des Jahres". Hoffmans Credo war und ist denkbar einfach: "Man horcht rum und guckt und liest und stellt es sich vor und hat ein großes Interesse für die Leute etwas zu spielen, was sie nachvollziehen können. Es geht darum, das Wesen einer Figur erfassen."

Ehedramen als Gesellschaftsdramen im Film und auf der Bühne

85 Frauenfiguren hat Jutta Hoffmann in ihrer langen Karriere so erfasst. Immer hatten ihre burschikosen selbstbewussten Verkörperungen etwas durchscheinend-helles, zeitgenössisches, aber auch über sie selbst und die Zeit hinausweisendes. Ihre Ehedramen, etwa an der Seite von Manfred Krug, Armin Müller-Stahl, Jackie Schwarz oder Michael Gwisdek, wurden zu Gesellschaftsdramen. Bei ihr lag immer Aufbruch in der Luft. Im Ensemble der Mitstreiter eckte sie an mit "avantgardistischen Sachen", trug das verkrustete Funktionärs-Diktat von der Kunst als verlängerter Arm der Propaganda nicht mit. Vieles, woran Jutta Hoffmann mitgewirkt hat, wurde abgesetzt oder verboten.

Die Titelrolle des "Fräulein Julie" in Einar Schleefs Regie am Berliner Ensemble 1975 erlebte mit ihr Massenzulauf, verschwand aber nach nur zehn Vorstellungen in der Versenkung. Der Film "Karla", den Hermann Zschoche, ihr erster Ehemann, bereits 1965 mit ihr gedreht hatte, wurde erst 35 Jahre später uraufgeführt. Auch ihre fünf Filme mit dem prägenden Regisseur Egon Günther wurden in der DDR klein gehalten, aber international bei Festivals gefeiert, wie etwa "Junge Frau von 1914" oder "Rita" und "Der Schlüssel". Mit Günther hat sie besonders gerne gearbeitet: "Ich war sein Medium seine Muse, sein Material und seine Mitarbeiterin."

12.03.1965, Berlin, DDR - Jutta Hoffmann, Schauspielerin. (Quelle: imago-images/Archiv Klaus Fischer/Sorge)Jutta Hoffmann, 1965

Unsentimental und ungeschönt mit hohem Wiedererkennungswert

In Frank Beyers "Geschlossene Gesellschaft" setzt sie 1978 der Bitternis über verkrustete Strukturen ein Monument. Der Film wird vom DDR-Fernsehen ohne Ansage mit fast einstündiger Verspätung ausgestrahlt. Von 1973 bis 1983 glänzt Jutta Hoffmann am Berliner Ensemble. Befreiung auf dem Theater lebt sie dann auch auf den großen Bühnen im Westen, in Hamburg, Berlin, München, Salzburg, Wien u.a. mit Peter Zadek, Luc Bondy, Thomas Langhoff. In der TV-Satire "Motzki" ist sie ab 1993 gewissermaßen als Stimme der DDR Widerpart des verbohrten Westdeutschen "Motzki", alias Jürgen Holtz. Ihre Fernsehkommissarin im "Polizeiruf 110", Wanda Rosenbaum, bringt erneut typische Hoffmann-Züge auf den Punkt: unsentimental und ungeschönt. "Einmal im Leben muss man ja sowas spielen", sagt sie über ihre vier Fälle.

2016 spielte Jutta Hoffmann ihre vorerst letzte große preisgekrönte Filmrolle als obdachlose psychotische Wanda im Familiendrama "Ein Teil von uns". Seither hofft sie auf weitere qualifizierte Angebote. "Ich möchte gerne noch mal eine Figur spielen, wo die Leute aufspringen und sagen: 'Mensch, dit bin ja Icke!'" Sie lebt in Potsdam-Babelsberg und träumt davon, bei Quentin Tarantino eine Seiltänzerin zu spielen. Warum nicht, noch einmal auf Anfang: Medium, Muse, Material, Mitarbeiterin.

Sendung: Inforadio, 02.03.2021, 06:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

4 Kommentare

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  1. 4.

    Herzlichen Glückwunsch, Jutta Hoffmann!

  2. 3.

    Wenn es ihr so gut geht wie sie aussieht - herzlichen Glückwunsch!

  3. 2.

    80?? Was? Kaum zu fassen! Herzlichen Glückwunsch! Alle Lobeshymnen sind ja schon mind. 100 mal gesagt, auch im Artikel - tolle Schauspielerin!

  4. 1.

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Und möge sich ihr Wunsch erfüllen.

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