Klaus Dörr, Intendant der Volksbühne Berlin, steht vor dem Gebäude am Rosa-Luxemburg-Platz. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

"Taz"-Bericht - Vorwürfe gegen den Intendanten der Berliner Volksbühne

Schwere Vorwürfe stehen gegen den Intendanten der Berliner Volksbühne im Raum: Wie die "Taz" berichtet, wird Klaus Dörr von mehreren Frauen unter anderem übergriffiges Verhalten vorgeworfen. Die Kulturverwaltung will sich der Sache nun annehmen.

Mehrere Mitarbeiterinnen der Berliner Volksbühne erheben offenbar schwere Anschuldigungen gegen den Intendanten des Hauses, Klaus Dörr. Wie die "Taz" [taz.de] in ihrer Wochenend-Ausgabe berichtet, geht es bei den Vorwürfen um Machtmissbrauch und übergriffiges Verhalten.

Insgesamt zehn Frauen sollen sich dem Bericht zufolge im Januar mit einer Beschwerde an die Berliner Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, Themis, gewandt haben. Laut der "Taz" soll es dabei konkret um enge, intime körperliche Berührungen und anstößige Bemerkungen in SMS gehen.

Eine Sprecherin des Theaters teilte am Samstag mit, Dörr verwahre sich nachdrücklich gegen die Vorwürfe und werde auf anwaltlichen Rat zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich keine Stellung nehmen. Auf "Taz"-Anfrage nannte Dörr die Anschuldigungen "halt- und substanzlos".

Senatsverwaltung prüft Vorwürfe

Die Senatskulturverwaltung teilte am Samstag mit, dass sie derzeit Vorwürfen gegen Klaus Dörr nachgehe. Im Januar seien in einem Brief von Themis an Kultursenator Klaus Lederer (Linke) erstmals konkrete Vorwürfe dargelegt worden, heißt es darin, ohne dass Details genannt werden. Es sei ein Gespräch mit den Frauen geführt worden. Dörr sei Anfang März angehört worden. "Die Anhörung wird noch ausgewertet, weitere Gespräche folgen. Der Vorgang ist nicht abgeschlossen."

Lederer wird in der Mitteilung weiter zitiert: "Dank der #MeToo-Debatte ist die gesellschaftliche Sensibilität für Machtmissbrauch, Sexismus, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung in Kulturinstitutionen insgesamt gewachsen und deren strukturelle Dimension in den öffentlichen Fokus gerückt."

Laut "Taz"-Bericht hätten mehrere ehemalige Mitarbeiter*innen von Dörr das Bild, das durch die Beschwerden gezeichnet wird, bestätigt. Andrea Koschwitz, die unter Dörr Chedramaturgin am Maxim-Gorki-Theater war, sagte der "Taz", dass sie die Senatskulturverwaltung über Dörrs Umgang mit Frauen bereits informiert habe, bevor er vor drei Jahren als Intendant an die Volksbühne berufen wurde.

Die Berliner Volksbühne gehört zu den wichtigsten Theatern des Landes. Dörr hatte nach dem frühzeitigen Ende der Intendanz von Chris Dercon 2018 die Leitung übernommen. Im Sommer übernimmt René Pollesch als neuer Intendant das Haus.

15 Kommentare

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  1. 15.

    Komisch, ich lese die Kommentare ganz anders, auch bin ich nie, obwohl modisch, mit Rock etc. ausgestatten, nie als Freiwild angesehen worden. Bin Jahrgang 50 und habe in Deutschland schon in mehreren Städten etc. gelebt, worwiegend im westen.Die von Ihnen beschriebene Welt kenne ich nicht mal vom hören sagen.

  2. 14.

    Bleiben Sie doch bitte mal auf dem Teppich!
    Wie hier schon mehrfach geschrieben, sollte man die Untersuchungen abwarten - OHNE jegliche Vorurteile gegenüber der einen oder anderen Partei!
    Zwischen "fummeln" und dämlichen Machogehabe (Witze, Sprüche, Pfiffe, Blicke) besteht doch wohl noch ein Unterschied!

  3. 13.

    Wenn ich die Kommentare einiger hier im Forum lese, dann ist das Fummeln auch richtig und ein Männerrecht. Weil es schon immer so war und auch immer so bleibt. Rockträgerin=Freiwild
    Traurig im Jahre 2021.
    Meine Generation musste schon viel ertragen, ich habe mich immer gewehrt. Und wünsche mir, dass folgende Generationen den Kampf weiter führen.

  4. 12.

    Gehört das nicht generell am Theater dazu?
    Frag ich jetzt mal provokant.
    Wie beim Film oder Modeljobs?

    Ich wollte früher als Kind "Funkenmariechen" werden. # Karneval
    Und war auch zunächst in so einem Turn- und Tanzkurs.
    Meine Mutter wollte das nicht.
    Sie meinte: "Da fummeln dir nur besoffene, alte Männer unterm Rock rum."
    Tja.

  5. 11.

    Zunächst, es muss nie gegendert werden. Wer sich Sprache von oben (sozusagen das Pendant zum Latein der katholischen Kirche) aufdrücken lässt, kann das tun, ein Zwang besteht im normalen privaten Bereich wie hier in den Kommentaren nicht.
    Ansonsten stimme ich Ihnen zu, dass zunächst die Untersuchungen dazu abzuwarten sind und eine Vorverurteilung sowohl des vermeintlichen Täters als auch der vermeintlichen Opfer unterbleiben sollte.

  6. 10.

    Haha... als ob unter Castorf irgendwas besser war!?

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/offener-brief-gegen-sexismus-castorf-ist-ein-dinosaurier.2159.de.html?dram:article_id=422350

  7. 9.

    Durch diese vorveröffentlichten Vorwürfe wird am Ende eines Verfahrens garantiert eine der beiden Seiten öffentlich beschädigt dastehen. Kann man nicht erstmal Untersuchungsergebnisse abwarten, um beide Seiten zu schützen?

  8. 8.

    Oh Mann!
    Ich hätte gern die Volkbühne zurück wie sie war, als ich 1994 nach Berlin gezogen bin.
    Da war das noch ein lässiges Theater! Bis der Belgier kam....

  9. 7.

    Eine Beobachtung: Männer in Machtpositionen, die mit derartigen Vorwürfen konfrontiert werden, reagieren fast ausnahmslos mit Ablehnung und Verunglimpfung der Vorwürfe. Empathie oder das leiseste Hinterfragen des eigenen Verhaltens ist nicht vorhanden oder zumindest nicht erkennbar. Das ist im Kulturbetrieb leider auch der Fall und wirkt oft arrogant und dominant. Rechtlich gilt natürlich zunächst die Unschuldsvermutung, aber diese Vorwürfe müssen untersucht und aufgeklärt werden.

  10. 6.

    Merkwürdig, dass bei einer Ausgangssituation von mehr als zehn Stimmen gegen eine drei von fünf Kommentatoren in ihren Beiträgen (in diesem Fall muss nicht gegendert werden) lieber auf taz-Bashing, Rufmord-Verdächtigungen oder Debattenverschiebung ausweichen. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung im Rechtssystem, dass muss man doch höchstens Kleinkindern nochmal erklären und nicht immer wieder hervorholen. Das ändert doch allerdings nichts an der Ausgangssituation. Betroffene haben eben das gleiche Recht, dass vorbehaltlos ermittelt wird. Der obige Artikel macht auf mich auch nicht den Eindruck einer Vorverurteilung. Woher also das vehemente Ausweichen von männlicher Seite, wenn das Thema von (strukturellem) Sexismus und Gewalt gegen Frauen auftaucht?

  11. 5.

    Dabei wird vergessen, dass bis zu einer eventuellen Verurteilung die Unschuldsvermutung zu gelten hat und beruflich keinerlei Nachteile angebracht sind. Aber die linke Presse wird schon eine Hetzkampagne daraus machen, der ehemalige Bundespräsident Wulff lässt grüßen

  12. 4.

    Das ist nun mal so: Wenn jemand schreit "Sie ist auf einem Besen herumgeflogen", "Er ist ein Trotzkist", "Diese Menschen sind Kommunisten" oder ähnliches, ist die Sache erledigt. Schließlich geht es stets um ganz, ganz wichtige Dinge (mindestens das Glück der Menschheit), wer Zweifel an den Vorwürfen anmeldet oder gar mit Dingen wie Unschuldsvermutung und anderen Petitessen rechtsstaatlicher Verfahren ankommt, zeigt mangelnde Wachsamkeit und Schwäche gegenüber dem Bösen, macht sich verdächtig und findet sich womöglich bald selbst auf dem Scheiterhaufen wieder.

  13. 3.

    Sie wissen um die "Gemengelage" in diesem Fall und können daher auch Dörr als "ungeliebtes Personal" definieren, das rausgeekelt werden soll, Mirko Dwilling-Haß? Ich wette einfach mal, dass Sie die Volksbühne noch nie betreten haben und Ihr Kommentar mit dem konkreten Fall nichts zu tun hat.

  14. 2.

    Die moderne Art, ungeliebtes Personal loszuwerden.

    Somit wird er bald abtreten... ob es stimmt oder nicht ist dabei garnicht mehr relevant.

    In den USA trifft es gerade den Gouverneur von NY.

  15. 1.

    Anstatt den Sozialismus zu proklamieren sollte sich Herr Dr. Lederer um sein Laden kümmern. Dafür wird er bezahlt. Aber was erzähle ich, der Eine vergisst Einkünfte anzugeben, ein Anderer bereichert sich an Schutzmasken und der Dritte hat die Augen zu.

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