Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr (Quelle: imago images/Barbara Braun)
Video: Abendschau | 15.03.2021 | Bild: imago images/Barbara Braun

Machtmissbrauchs-Vorwürfe - Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr tritt zurück

Die Anschuldigungen gegen den Intendanten der Berliner Volksbühne wiegen schwer: Machtmissbrauch und übergriffiges Verhalten werden Klaus Dörr vorgeworfen. Jetzt hat er die Konsequenzen gezogen.

Der Intendant der Berliner Volksbühne, Klaus Dörr, gibt sein Amt am Dienstag auf. Das teilte das Theater am Montag mit. Dörr reagiert damit auf gegen ihn erhobene Vorwürfe des Machtmissbrauchs und des übergriffigen Verhaltens. Dörr teilte mit, er übernehme die komplette Verantwortung und gebe sein Amt im Einvernehmen mit der Kulturverwaltung auf.

"Ich bedaure zutiefst, wenn ich Mitarbeiter:innen mit meinem Verhalten, mit Worten oder Blicken verletzt habe", wird Dörr in der Mitteilung zitiert. "Ich bedaure, dass mir nicht gelungen ist, ein offenes und diskriminierungssensibles Klima zu schaffen, das Probleme rechtzeitig erkennt und es Mitarbeiter:innen ermöglicht, sich vertraulich mit ihren Fragen, Beschwerden und ihrer Kritik an die notwendigen und vorhandenen Stellen in der Volksbühne zu wenden."

"Taz"-Bericht gab Anstoß

Mehrere Mitarbeiterinnen der Berliner Volksbühne hatten einem Bericht der Taz" [taz.de] vom Wochenende zufolge schwere Anschuldigungen gegen Dörr erhoben. Insgesamt zehn Frauen sollen sich dem Bericht zufolge im Januar mit einer Beschwerde an die Berliner Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, Themis, gewandt haben.

Laut der "Taz" soll es dabei konkret um enge, intime körperliche Berührungen und anstößige Bemerkungen in SMS gehen. Mehrere ehemalige Mitarbeiter*innen von Dörr hätten demnach das Bild, das durch die Beschwerden gezeichnet wird, bestätigt. Andrea Koschwitz, die unter Dörr Chefdramaturgin am Maxim-Gorki-Theater war, sagte der "Taz", dass sie die Senatskulturverwaltung über Dörrs Umgang mit Frauen bereits informiert habe, bevor er vor drei Jahren als Intendant an die Volksbühne berufen wurde.

Lederer: "Wir haben noch ein paar Schritte vor uns"

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses, ein Gespräch mit den betroffenen Frauen habe am 21. Januar stattgefunden. Ein Gespräch mit Dörr von Anfang März werde noch ausgewertet.

"Wir haben noch ein paar Schritte vor uns", sagte Lederer. Es seien nicht nur konkrete Vorwürfe zu klären, sondern es müsse auch mit Personalrat und Frauenbeauftragter über "die strukturelle Dimension im Haus" gesprochen werden. Dörr hatte am Wochenende vom Theater mitteilen lassen, er verwahre sich gegen die Vorwürfe.

Die Berliner Volksbühne gehört zu den wichtigsten Theatern des Landes. Das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz hat in den vergangenen Jahren mehrfach Schlagzeilen gemacht. Es stand lange unter der Leitung von Frank Castorf. Als nach ihm der belgische Kurator Chris Dercon übernehmen sollte, gab es Proteste in der Kulturszene. Vorübergehend wurde das Haus auch besetzt.

Nachdem Dercon seinen Posten vor drei Jahren aufgab, übernahm Dörr die Leitung. Er sollte das Haus vorübergehend führen. In diesem Jahr war nun ohnehin ein Wechsel geplant - dann soll wie vorgesehen der Theaterregisseur René Pollesch übernehmen.

Sendung: Abendschau, 15.03.2021, 19:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Wahnsinn ist, dass Sie dreimal "Wahnsinn" in Ihrem kurzen Beitrag verwenden und zudem Falschbehauptungen aufstellen, Hannah.

  2. 16.

    Wahnsinn ist, daß die Behauptung einer anonymen Anklage der Beweis ist. Wahnsinn ist, daß der RBB aus dem Rückzug des Intendanten ein Schuldeingeständnis macht: „Jetzt hat er die Konsequenzen gezogen.“ Mehr rechtstaatlicher Wahnsinn geht nicht.

  3. 15.

    Ich schrieb davon, dass die "mit Blicken"-Entschuldigung und der Rücktritt ein Hinweis auf den Wahrheitsgehalt der mehrfach bestätigten Anwürfe gegenüber Dörr sein könnten, von 'Beweis' steht dort nichts. Und es geht auch nicht nur um "bloßes Gerede", sondern es sollen auch E-mails und SMS mit entsprechenden Inhalten vorliegen. Alles weitere wird die laufende Untersuchung ergeben, die nicht unbedingt zu Gericht führen muss.

    Eine persönlich Frage an Sie hätte ich noch. Warum verwenden Sie den Namen eines Kommentatoren an dessen Beitrag Sie Kritik üben für sich selbst, Herr "Gerd Glaudino"?

  4. 14.

    Dann wird es Zeit für eine nicht männliche und nicht heterosexuelle Besetzung für die Position. Und kommt mir nicht mit Qualifikation. Dercon war unqualifiziert und bekam den Posten trotzdem.

    Man kann immer wieder beobachten wie so einige (nicht alle) männliche heterosexuelle Chefs die untergebenen Frauen als Paarungsmaterial betrachten und behandeln. Eine Lösung dafür ist Gleichstellung, die aber scheinbar nur mit Quote erreicht werden kann weil es den Männern (ich bin auch einer) nie an Begründungen fehlt um anderen Menschen wichtige Positionen zu verweigern.

    Lieblingsargument der letzten Zeit ist immer Qualifikation, aber hat schon mal jemand genauer hingeschaut wie viele unqualifizierte Männer auf Posten sitzen, die angeblich nur mit qualifizierten Leuten besetzt werden sollen? Auch in Führungspositionen werden Männer ins eiskalte Wasser geworfen und müssen dort erst lernen zu schwimmen, aber Frauen und anderen Menschen wird das nicht zugetraut.

  5. 13.

    Wahnsinn, potenziellen Opfern von sexualiserter Gewalt, immer erstmal Lüge und Verschwörung zu unterstellen, anstatt sie als das zu betrachten was sie zunächst einmal sind: Opfer. Würden Sie das mit Kindern auch so machen? Ein Hoch auf das internalisiserte Patriarchat.

  6. 12.

    Anscheinend wissen hier wieder der Eine oder Andere genau, was konkret vorgefallen ist.
    Schade, dass (erst einmal) bloßes Gerede reicht, um sich einer unliebsamen Personen zu entledigen. So einfach geht das heute. Keiner weiß etwas genaues, aber man beteiligt sich an einer Vorverurteilung. Als Fakt für den Wahrheitsgehalt wird sein Rücktritt als Beweis seiner Schuld gedeutet. Das ist doch absurd.
    Sollten die Übergriffe bestätigt werden, was nur einer gerichtlichen Klärung bedarf, ist ein Rauswurf unabdingbar, richtig und wichtig.
    Aber, "Ansonsten bleibt alles nebulös und spekulativ."
    Das erinnert stark an den Umgang mit Dr. Knabe.

  7. 11.

    "Schlimm, wenn es sowas immer noch gibt. Und dass es anders herum nie so läuft, wenn Typen sich bei weiblichen Personalern/Chefs vorstellen (vermutlich weil es kaum weibliche Chefs gibt). "

    Ich kann aus höchsteigener Erfahrung bestätigen, dass es solche Verhaltensweisen (und auch in der gleichen Art und Weise) durchaus auch von Frauen gegenüber ihnen untergebenen Männern gibt. Mit großer Macht umzugehen, ist nicht nur für Männer eine Herausforderung.

  8. 10.

    Ein sachlicher Kommentar war es nicht.
    Überhaupt, zu dieser Causa einen sachlichen Kommentar abzugeben = kein Kommentar schreiben.

  9. 9.

    Wir haben aktuell zwei Fälle in Berlin, Julian Reichelt von der Bild und Klaus Dörr. Unterschiedliches Alter, beide "mächtig" und von sich überzeugt, sehr überzeugt. Wären beide nur Klempner oder Bäcker, hätten sie höchstens 0,01 % der "Erfolge" bei Frauen erzielt, derer sie sich in Männerrunden rühmen. Und sie kommen beide nicht auf die Idee, dass die Damen nur mitmachen, weil sie sonst rausfliegen würden! Das finde ich schon heftig, dass die Herren denken, es liege an ihrem unwiderstehlichen Charme, ihrer Schönheit, Intelligenz... dabei ist es ein schnödes Machtspiel. Job nur mit Gegenleistung.

    Schlimm, wenn es sowas immer noch gibt. Und dass es anders herum nie so läuft, wenn Typen sich bei weiblichen Personalern/Chefs vorstellen (vermutlich weil es kaum weibliche Chefs gibt).

    Also nochmal für alle Herren: nein, es liegt NICHT an eurem Charme. Es geht NUR ums Geschäft.

  10. 8.

    Ich versuche sachlich auf diesen, Ihren, Kommentar einzugehen; was für ein dummer, empathieloser, unreflektierter und asozialer Blödsinn, den Sie hier von sich geben!
    Sprechen Sie mal mit den betroffenen Frauen, gehen Sie mal in ein Frauenhaus. Erleben Sie mal diese Hilflosigkeit und Ohnmacht, die betroffene Frauen oft jahrelang so etwas aushalten lassen, weil sie zu Anfang an sich selbst zweifeln, nicht übertreiben wollen, ihren Job behalten wollen/müssen, vermuten, dass ihnen eh keiner glaubt, sie mehr Unannehmlichkeiten fürchten, .. wegen Menschen, wie Ihnen.
    Vielleicht überlegen Sie lieber mal, warum Ihnen das Thema so quer geht. Mag vielleicht einen Grund geben, dass Sie derart mit dem Herrn Dörr sympathisieren.

  11. 7.

    Gehen Sie davon aus, das Sie Medienberichte lesen konnten, als bereits die Anschuldigungen ziemlich weit gediehen waren. Sie erfahren ja, das...sagen wir mal, das Problem das Herr Dörr zum Problem von Frauen machte, bereits eine längere und nicht an den Arbeitsort Volksbühne gebundene hatte.
    Für mich sieht das jetzt so aus, das Herr Dörr sich offenbar hartleibig wehrte sein Kommunikation mit Frauen, die in einem Abhängigkeits- oder Arbeitsverhältnis mit ihm stehen zu überdenken.
    Intendant ist eine ziemlich mächtige Position, mit vielen ziemlich auf ihn angewiesenen Personen, die oft in sehr prekären Vertragsverhältnissen stehen. Da gehört zur Stellenbeschreibung eines Intendanten grösste Sensibilität bei diesem Thema. Wie sollte Herr Dörr die haben, reflektiert er schon sein eigenes Verhalten nicht. Ob er selbst übergriffig wurde ist dann schon weit über dem, was fachlich in seiner Position zu akzeptieren ist. Es beschwerte sich ja nicht eine Frau über einen schief gegangenen Flirt.

  12. 6.

    Zitat: "Ich finde das großartig: Erst waren es Taten, dann Worte, jetzt sind es schon Blicke. Demnächst werden seine Gedanken reichen, um einen Mann abzuservieren." . . . "Zur Not hol ich mir noch ein paar Freundinnen dazu . . ."

    Ähem, dieses: "Ich bedaure zutiefst, wenn ich Mitarbeiter:innen mit meinem Verhalten, mit Worten oder Blicken verletzt habe" ist eine Aussage des Herrn Dörr. Und Sie führen aufgrund dieser hier ernsthaft an, dass sich die mind. zehn betroffenen Frauen mal nicht so haben sollen und unterstellen nahezu, dass diese eine verschworene Gemeinschaft gebildet haben, "um einen Mann abzuservieren", "P.Anna"?

  13. 5.

    Ich finde das großartig: Erst waren es Taten, dann Worte, jetzt sind es schon Blicke. Demnächst werden seine Gedanken reichen, um einen Mann abzuservieren. Und da heute alles darum geht, wie man oder vielmehr frau es fühlt, kann ich demnächst sagen: "Ich habe bei ihm Gedanken gefühlt, die ich übergriffig fand und durch die ich mich irgendwie unwohl gefühlt habe." - Und schon ist der Typ erledigt.

    Zur Not hol ich mir noch ein paar Freundinnen dazu, die das genauso fühlen.

  14. 4.

    Manchmal stolpern die Sprachpolizisten über ihre eigenen Regeln. Herr Lederer z. B. sprach von "Mitarbeitenden", die sich über sexuelle Übergriffe beschwert hätten. Dieses Wort soll doch ausdrücken, dass alle vorstellbaren Geschlechter gemeint sind. Hat der Intendant also auch Männer und Diverse sexuell belästigt? Wären es ausschließlich Frauen gewesen, hätte es doch "Mitarbeiterinnen " heißen müssen? Oder, was meint der ( die, das? ) senatirende Politikwesen mit Namen Lederer? Man kann Sprache wirklich auch als Verwirrmittel benutzen.

  15. 3.

    ZItat: "Ansonsten bleibt alles nebulös und spekulativ."

    Wollen Sie nun wissen, wo genau Dörr die Frauen (mutmaßlich) berührt hat sowie den Inhalt der SMSen hier veröffentlicht sehen? Einen kleinen Hinweis darauf, dass an den Anwürfen, die von immerhin zehn Frauen bestätigt werden, etwas dran sein könnte, dürfte Ihnen die Aussage von Andrea Koschwitz von vor mehr als drei Jahren bzgl. Dörrs Verhalten gegenüber Frauen an einem früheren Arbeitsplatz geben.

    Ihre Sorge um einen Vorverurteilung Dörrs kann ich nicht nachvollziehen, zumal er mit seinem Rückzug und dem "Eingeständnis" bereits - m. E. halbgar - Fehler eingeräumt hat.

  16. 2.

    Um beurteilen zu können ob die Anschuldigungen berechtigt ist müsste mensch wissen was hier mit "engen intimen körperlichen Berührungen" und "anstößige SMS" gemeint ist. Bitte konkret auf den Fall gezogen antworten. Ansonsten bleibt alles nebulös und spekulativ.

    Besser wäre es gewesen wenn es keinen Medienbericht gegeben hätte sondern nach Abschluss der Untersuchung eine Stellungnahme mit eventuellen Konsequenzen. Allein deshalb um eine Vorverurteilung zu vermeiden.

  17. 1.

    Also ich weiss ja nicht, wie die Herren immer auf diesen schmalen Pfad kommen, den Damen könnte das womöglich gefallen.... Das möchte ich irgendwann mal erklärt bekommen. Und "Macht" macht nicht schöner oder schlauer oder charmanter. Also mir geht da völlig dieses "Verstehen" ab. Wie kommen die da drauf? Ich wüsste es einfach gerne.

    Schlimm genug, dass Frauen das aushalten müssen, um nicht "gekündigt" zu werden.

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