Ein Stil aus dem Film "A Son" (Bild: Alfilm)
Alfilm
Audio: Inforadio | 21.04.2021 | Alexander Soyez | Bild: Alfilm

12. Alfilm Festival gestartet - Ein digitaler Streifzug durch die arabische Filmwelt

Lange hat die Festivalleitung noch auf Publikum und gefüllte Kinosäle gehofft, doch nun wird es doch rein digital: Das 12. Arabische Filmfestival ist am Mittwoch online gestartet. Auf dem Streamingportal "Indiekino Club" ist Migration ein Hauptthema. Von Alexander Soyez

Die zwölfte Ausgabe des Alfilm zeigt nochl bis zum 30. April eine Auswahl des arabischen Kino-Schaffens. Zu sehen gibt es die Filme über das von ein paar Berliner Arthouse-Kinos gegründete Streamingportal Indiekino-Club als pandemiebedingte "Home Edition" - und gleichzeitig auch als eine Art Sonderausgabe.

Die künstlerische Leiterin des Festivals Pascale Fakhry: "Wir hatten sehr viele Filme, die schon für die letztjährige Ausgabe ausgewählt worden waren und in der dann auf den September verlegten und verkleinerten Nomad-Edition keinen Platz mehr hatten. Wir wollten diese Filme aber trotzdem zeigen und haben sie zum Teil jetzt in diese zwölfte Ausgabe integriert. Deshalb gibt es auch viele Filme aus dem Jahr 2019 und obwohl wir eigentlich wir ein kleines Programm zeigen wollten, ist es jetzt letztlich dadurch doch etwas größer geworden."

Hoffnung auf volle Kinosäle ist geplatzt

Nachdem schon im letzten Frühjahr die elfte Ausgabe pandemiebedingt aussetzen musste und schließlich in den September wanderte, wollten die beiden neuen Festivalleiterinnen Karin Schyle und Pascale Fakhry ihren Auftakt mit dem zwölften Alfilm Festival eigentlich unbedingt mit Zuschauern und im Kino feiern. Erst auf den letzten Drücker entschieden sich die beiden Macherinnen, auf den Streamingdienst einiger Berliner Indiekinos auszuweichen und das diesjährige Programm online zu zeigen.

Nichts anderes wäre zu diesem Zeitpunkt möglich gewesen - und noch mal das Festival auf später im Jahr verschieben wollten sie auch nicht, denn auch in näherer Zukunft scheinen die Kino- und Festival-Aussichten alles andere als sicher. 22 Filme sind in der Auswahl, die so vielfältig wie die arabische Welt ist, obwohl sich durchaus ein Schwerpunkt festmachen lässt.

Migration im Mittelpunkt

"Als wir die Filme ausgesucht haben, wurde klar, das Migration ein großes Thema unserer offiziellen Auswahl ist", betont Fakhry. "Wir haben fünf Filme, die sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise, aber ganz eindeutig mit diesem Thema auseinandersetzen. Das war so nicht geplant, das ist einfach so entstanden. Flucht, Neubeginn, Abschied - Migration ist offenbar wichtiges Motiv, das sich wie ein roter Faden durch das Filmschaffen der letzten Jahre in der arabischen Welt zieht. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschlossen, einen genaueren Blick darauf zu werfen und das in einer Podiumsdiskussion zusammen mit der Rosa Luxemburg Stiftung genauer zu beleuchten."

Ein Stil aus dem Film "200 Meters" (Bild: Alfilm/Elin Kirschfink)Eine Szene aus dem Film "200 Meters".

Vielfalt durch das Motto "Genre-Revisited"

Schon immer geplant war dagegen der Schwerpunkt der Sektion "Spotlight" mit Ausflügen ins Genre-Fach. Unter dem Motto "Genre-Revisited" werden seltene, aber sehr facettenreiche Genre-Beispiele aus dem arabischen Raum gezeigt, die Pascale Fakhry besonders am Herz liegen.

"Unser Kurzfilmprogramm, in dem sich die meisten dieser Genrebeispiele finden, ist ein echter Geheimtipp. Ich bin ein Science-Fiction-Fan, insofern bin ich da aber vielleicht auch etwas voreingenommen. In der offiziellen Auswahl ist zum Beispiel The Man who Sold his Skin sehr spannend, der jetzt auch für den Oscar nominiert ist, sowie natürlich A Son oder 200 Meters. Es ist auf jeden Fall für jeden etwas dabei."

Online für 4,50 Euro pro Film können die verschiedenen Werke in der Festivalzeit über den Indiekino-Club ausgeliehen werden. Darüber hinaus kommt mit Panel-Diskussionen und übertragenen Gesprächen mit Filmemachern zumindest ein bisschen Festival-Gefühl auf.

"Es geht los mit der Eröffnungszeremonie auf Facebook", so Pascale Fakhry, "und wir haben jeden Abend um 19 Uhr Live-Talks mit den Filmemachern sowie zwei Panel-Diskussionen, ebenfalls live auf Facebook. Durch diese Gespräche hoffen wir ein bisschen Festival-Flair zu erzeugen. Mehr kann man ja leider nicht machen." Das genaue Programm des "Alfilm-Festivals" gibt es auf der Internetseite der Veranstalter [alfilm.berlin]

Sendung: Inforadio, 21.04.2021, 15 Uhr

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