Banksy no future (Quelle: Banksy/rbb/Silke Hennig)
Video: Abendschau | 16.04.2021 | Christian Titze | Bild: Banksy/rbb/Silke Hennig

Ausstellungskritik | The Mystery of Banksy - Nicht mehr als ein Aufguss aus zweiter Hand

Er bleibt anonym und ist doch der berühmteste Streetart-Künstler der Welt: Banksy. Jetzt ist er in Berlin zu erleben - nicht an einer Straßenecke mit einem klammheimlich gesprühten Bild-Kommentar, sondern in der Station Berlin. Silke Hennig hat sich das angeschaut.

Das Entree der Schau in der Station Berlin im Gleisdreieck führt in die Lobby des 'Walled Off Hotel', das eigentlich in Bethlehem steht. 2017 eröffnete Banksy dort dieses Hotel, das den "hässlichsten Ausblick der Welt" hat, direkt auf die Betonmauer zwischen Israel und dem Westjordanland. Damit es nicht dabeibleibt, hat er der Mauer einige 'Ausblicke' aufgesprüht, die die Freiheit feiern: einen Polizisten etwa, der einen Vorhang beiseite zieht und strahlend blauen Himmel enthüllt.

Hotellobby und Mauer gehören zu einer Reihe von Kulissen, die das Publikum in eine Banksy-'Erlebniswelt' eintauchen lassen sollen – und denen man anmerkt, dass die Veranstalter eigentlich in der Konzert- und Musicalbranche zuhause sind.

Banksy Palestine Wall (Quelle: Banksy/rbb/Silke Hennig)
Palestine Wall | Bild: Banksy/rbb/Silke Hennig

Nicht autorisiert

Zwar wurden auch schon etliche von Banksys typischen, mit Hilfe von Schablonen gesprühten Bildschöpfungen, aus dem öffentlichen Raum entfernt und mitsamt der Wand oder Putzfläche darunter zu horrenden Preisen versteigert. Doch führt der Künstler einen erbitterten Kampf gegen solche Formen der Vermarktung.

Dass diese Ausstellung sich selbst als "unauthorized", also nicht-autorisiert bezeichnet, hat einen guten Grund. Andernfalls würde es Banksy tun – die entsprechende Liste auf seiner Website ist lang. Auch 'Originale' sucht man hier vergebens. Alle Werke sind Reproduktionen: Mal Eins-zu-eins wie Banksys drei 'Belauscher' mit dunklen Sonnenbrillen und Abhör-Equipment hinter einer echten öffentlichen Telefonzelle, mal in Form einer Video-Projektion mit wechselnden Lichteffekten wie im Fall von Banksys Ölgemälde 'Devolved Parliament', das das britische Parlament bevölkert von Affen zeigt.

Bei den meisten Werken aber handelt es sich um Drucke in eher kleinem Format. Sie zeigen ikonische Motive wie die 'Sonic Rats', Ratten mit Kopfhörern, oder sein 'Girl with balloon', von dem er eine Fassung vor wenigen Jahren bei einer Auktion spektakulär geschreddert hat. Auch diese Version befindet sich als Nachschöpfung in der Ausstellung.

Banksy Girl with a balloon (Quelle: Banksy/rbb/Silke Hennig)
Girl with balloon | Bild: Banksy/rbb/Silke Hennig

'Genie' und 'Geheimnis'

Banksy ist populär. Der mutmaßlich aus Bristol stammende Künstler entzieht sich der Öffentlichkeit und macht darum umso neugieriger. Als Anonymus eignet er sich perfekt zur Projektionsfläche. Dazu zeugen seine Bilder von einer politischen Haltung, die nicht nur Obrigkeit und Kapitalismus kritisch aufs Korn nimmt. Selbst Punks und coole Typen zeigt er beim Schlange stehen vor einer Bude, wo für 30 Dollar T-Shirts mit der Aufschrift 'destroy capitalism' – zerstört den Kapitalismus – verkauft werden. Solche Bildinhalte, aber auch die Chuzpe, mit der er sie über Nacht an öffentlichen Orten, in der U-Bahn oder auf Gefängnismauern sprüht, haben ihm eine Art Robin-Hood-Nimbus verschafft. Von seiner Popularität will man hier profitieren. Dem im Ausstellungstitel erwähnten 'Genie' und 'Geheimnis' Banksy kommt man dabei aber nicht näher.

Banksy Parliament (Quelle: Banksy/rbb/Silke Hennig)
Parliament | Bild: Banksy/rbb/Silke Hennig

Zwar führt die Schau vor Augen, was er seit den 1990er-Jahren alles gemacht hat – neben Bildern auch Plastiken oder Objekte wie einen als Disco-Kugel verzierten Polizeihelm. Aber Banksys Kunst lebt von der Eindeutigkeit ihrer Botschaften. Seine Bilder sind einfach und sollen es auch sein. Ordentlich gerahmt, im kleinen Format und Seite an Seite gehängt, wirken sie jedoch wie ein Witz in Serie: ermüdend. Am eindrücklichsten belegt diese Ausstellung, dass Banksys ideales 'Habitat' draußen ist: Orte, an denen man nicht mit seinen poetisch-politischen Bild-Kommentaren rechnet. Dort, also in der Überraschung, kann sich sein anarchischer Witz wirklich entfalten. Als Aufguss aus zweiter Hand dagegen, wie in dieser Ausstellung mit ihren bunten Wänden und harmlosen Papp-Kulissen, wirkt seine Kunst schal.

infos im netz

"The Mystery of Banksy - a Genius Mind"

15. April bis 1. August 2021 in der Station Berlin

Beitrag von Silke Hennig

2 Kommentare

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  1. 2.

    Liebe Silke Henning,
    Ich kann ihre Meinung leider nicht teilen. Ich fand diese Ausstellung- auch wenn natürlich unautorisiert - wunderbar. Jeder der sich mit dem Künstler beschäftigt hat, weiss, dass er diese Art der Vermarktung nicht mag. Und dennoch bietet es dem Besucher eine wunderbare Möglichkeit des Einstiegs sich mit seiner Kunst und seinen politischen Statements auseinander zu setzen. Ich hatte mit meiner Family jedenfalls einen inspirierenden Sonntag. Viele Grüße. PZ

  2. 1.

    Schon sinnlos, wie bansky seine politischen Botschaften in die Welt schreit. Ist die Welt denn z.zt. so super in Ordnung? Oder Reden ist Silber, Schweigen Gold? Oder gibt es eine wirksamere Kunst? Anregungen erbeten.

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