Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika in einer Vitrine ausgestellt. (Quelle: dpa/Daniel Bockwoldt)
Video: Abendschau | 29.04.2021 | Frank Drescher | Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

Kunstwerke gelten als Raubgut - Nigeria soll 2022 erste Benin-Bronzen zurückerhalten

Deutsche Museen sollen im nächsten Jahr die ersten sogenannten Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Das wurde bei einem Treffen von Museumsexperten und politisch Verantwortlichen entschieden. Benin-Bronzen gibt es auch im Humboldt-Forum.

Deutsche Museen sollen im nächsten Jahr erste Kunstschätze der als Raubgut geltenden Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Darauf verständigte sich nach dpa-Informationen aus Teilnehmerkreisen am Donnerstag eine Runde von Museumsexperten und politisch Verantwortlichen in einer Online-Schalte mit Berlin. Bis zu diesem Sommer soll ein entsprechender Fahrplan entwickelt werden.

Die Runde hatte auf Einladung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) über den weiteren Umgang mit Benin-Bronzen, wertvollen Kunstschätzen aus dem Königspalast des damaligen Königreichs Benin, in deutschen Beständen beraten. Ziel war, eine gemeinsame deutsche Position gegenüber der nigerianischen Seite zu finden.

Werke in vielen deutschen Museen

Benin-Bronzen sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. Auch im Berliner Humboldt Forum sollen nach bisherigen Plänen solche Kunstschätze ausgestellt werden. Das Ethnologische Museum verfügt über rund 530 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 440 Bronzen. Die Objekte stammten größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897.

An den Verhandlungen beteiligt waren neben Grütters die Leitungen der deutschen Museen der "Benin Dialogue Group" und Vertreter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Berlin), des Linden-Museums Stuttgart, des Museums am Rothenbaum Hamburg, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Rautenstrauch-Joest-Museums Köln.

Zudem waren neben dem Auswärtigen Amt die jeweils für die Museen zuständigen politischen Ebenen dabei, sowie die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten und der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder als Leiter der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland.

Sendung: Inforadio, 29.04.2021, 21 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    ...als wenn die Welt keine dringendere Probleme hätte ...Auch wenn sie mich als Kunstbanausen und Geschichtsvergessenen bezeichnen , *packt den Krempel ein und schickt ihn in die Herkunftsländer zurück*.
    Vorteil: Ende der Feuilletondiskussion einer von dieser Thematik beseelten Kulturkaste, oder freier Platz in den Museen für die prall gefüllten Depots und Archive, besser noch vielleicht auch Museumsabteilungen/ Museen zu schließen, die ohnehin nur von Bildungsbürgern, freizeitorientierten Rentnergruppen und gelangweilten Schulklassen besucht werden. Wieviel Steuergelder könnten gespart werden....

  2. 9.

    Gute Idee. Die Hohenzollern sind ja auch schon mitten drin, Forderungslisten aufzustellen. Die Museumsinsel und das Humboldtforum könnten wir dann in bezahlbaren Wohnraum umwidmen.

  3. 8.

    Deutschland kann gern Alles Fremde zurück geben. Wollen wir auf Unser Erbgut von Römisch-Griechisch-Mazedonischen Legionären und Schwedisch-Norwegisch-Finnischen Dragonern, wirklich verzichten ? Bekommen wir die Hightech-Wissenschaftler, Facharbeiter, Künstler, Handwerker und Landwirte aus Nord- und Südamerika, Südafrika, von Memel , Donau, Wolga, Sibirien, Thailand, Australien zurück ? - Gaaanz anderes Thema ? - Solange Deutsche Museen auf dem Schwarzmarkt auch Deutsches Kulturgüter kaufen. - Spaß bei Seite. Nigeria ist nicht Unser Gegner. Wenn Staaten die Artefakte ihrer Vorgänger-Kulturen zurückhaben wollen, zur Dauerhaften, öffentlich zugänglichen Aufbewahrung und Erforschung, dann sollte der Deutsche Staat dies ermöglichen. Wenn sich Zeit schinden lässt, um digitale und analoge Kopien anzufertigen, um so besser. Mehr Hindernisse sollte es aber in der Regel nicht geben.

  4. 7.

    Wollen wir alles was in den Museen ist zurückgeben? Es wird alles Raubkunst sein. Wenigstens erledigt sich dann die Diskussion über die Wiedereröffnung der Museen, denn wenn sie leer sind, geht ja keiner hin.

  5. 6.

    Und selbst wenn - es war gestohlen und gehört uns nicht.
    Dazu kommt: Zu sehen waren die allermeisten Stücke für die Museumsbesucher offenbar sowieso so gut wie nie, und für die Forschung an diesen Werken müssten über hundert Jahre in Berlin ja nun allmählich mal gereicht haben...

  6. 5.

    Das ist ja ein selten d*mlicher Kommentar. Weil unsere Vorfahren es sich mit Gewalt genommen haben, dürfen die Nachfahren der eigentlichen Besitzer keine Ansprüche stellen?

  7. 4.

    Das sogenannte Königreich von Benin war der Dreh- und Angelpunkt des westafrikanischen Sklavenhandels. Von hieraus hat der Sklavenhalterstaat seine „Ware“, beispielsweise im Austausch gegen Schußwaffen, den Europäern feilgeboten. Möge der Staat Nigeria, der kein Rechtsnachfolger ist und auch sonst kaum historische Überschneidungen mit diesem Königreich hat, die Verantwortung für die üblen Menschenrechtsverletzungen dieses Staates an Afrikaner übernehmen und aufarbeiten. Wenn die bronzenen Herrscher-Masken dann noch dafür genutzt würden, endlich die notwendige Entwicklung in Staat und Verwaltung Nigerias anzustoßen, damit die hier in Deutschland lebenden inzwischen weit über 40.000 abgelehnten nigerianischen Asylbewerber zurückkehren können, wäre die Rückgabe der Bronzen als Zeichen einer sehr positive Entwicklung für beide Seiten zu werten.

  8. 3.

    Okay, ist der richtige Schritt, genau wie es sich mit Kunstwerken im zweiten Weltkrieg verhält. Aber vorstellbar ist es aber auch, dass dann diese Werte in Nigeria in dunkle Kanäle für Waffen und Ähnliches, verschwinden und man dann diese Skulpturen in den Tresoren von Warlords wiederfindet und das wird wahrlich, nicht lange dauern!

  9. 2.

    Schöne Idee. Die Fugger tauschen das Elsass gegen ihre Kerzenleuchter zurück?
    Ich glaube es geht den Staaten weniger um die Kriegsbeute sondern um Prestige. Immerhin ist Nigeria ein gefährliches Land. Und Boko haram hat einen Teil des Landes bereits erobert.

  10. 1.

    Wann geben wir eigentlich die Gebeine der Heiligen Drei Könige zurück, die derzeit im Kölner Dom liegen? Eindeutig geraubte Gegenstände. Wie überhaupt vieles.

    Vorschlag zur Vereinfachung des Verfahrens: Jeder, der sich irgendwie betroffen und als Opfer fühlt, darf sich in den Museen aussuchen, worauf er meint, einen Anspruch zu haben, und wir liefern dann frei Haus.

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