Grips Theater: Berliner Kinder Theater Preis 2021 (BKTP) Gala und Preisverleihung: fuenf Autor*Innen: Kirsten Reinhardt, Manuel Ostwald, Fabienne Duer, Clara Leinemann und Vera Schindler. Dienstag, 20. April 2021. Der Berliner Kindertheaterpreis wird von der GASAG unterstuetzt. Die Preisverleihung erfolgt innerhalb des Festivals Augenblick mal. Den ersten Preis erhielt Manuel Oswald fuer Die blauen Engel - hier mit Philipp Harpain / Intendant GRIPS Theater. (Quelle: David Baltzer/Archiv Agentur Zenit)
Audio: Inforadio | 21.04.2021 | Holger Ackermann | Bild: David Baltzer/Archiv Agentur Zenit

Frühkritik | Verleihung des Berliner Kindertheaterpreises 2021 - Wolkenrotz und blaue Mülltonnen

"Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene, nur besser": Nach Erich Kästners Maxime waren fünf Autorinnen und Autoren, für den diesjährigen Berliner Kindertheaterpreis nominiert. Hans Ackermann hat sich die Gala im Livestream angeschaut.

Bevor der Sturm ihr Haus umwirft, basteln sich die beiden Mädchen schnell einen riesigen Papierflieger und bringen sich auf diese phantasievolle Weise in Sicherheit - "Wolkenrotz" heißt das Stück, für das Vera Schindler den Förderpreis erhält. Geboren 1992 in Kassel, hat die junge Autorin an der Berliner Universität der Künste "Szenisches Schreiben" studiert.

Kloperette über marode Schultoiletten

Zu Beginn der Gala, die Petra Zieser farbenfroh inszeniert hat, werden die fünf nominierten Stücke in kurzen Ausschnitten vom Ensemble live und mit beinahe zu viel Musik vorgestellt. Darunter auch die "Schulkloperette", ein Stück der in Berlin lebenden Autorin Kirsten Reinhardt. Vier Kinder haben buchstäblich die Nase voll von ihrer maroden Schultoilette und sperren kurzerhand die Regierungschefin in eine der schmutzigen Kabinen ein. Dort muss sie sich dann das Lied von "Dr. Kot" anhören: "Der Mensch hat einen Darm, im Darm entsteht ein Gas".

Kinder könnten die derbe Klo-Geschichte vielleicht mögen, die Jury aber gibt den Hauptpreis lieber und ganz zurecht an Manuel Ostwald. Bisher als Drehbuchschreiber und Autor von Computerspielen bekannt, hat er für sein Stück "Die Blauen Engel" einen Mülltonnen-Abstellplatz als urbane Szenerie ausgewählt. Auch dort wird wieder kräftig gesungen, wobei jetzt aber wirklich amüsante Wortspiele zu hören sind: "Wir sind’s wieder, die drei Geleerten" singen die drei Mülltonnen, die der Autor mit ganz empfindlichen Seelen ausgestattet hat: "Ich fühle mich doppelt schwer, der Müll wird immer mehr, verehrte Geleerte, wir müssen reden !"

"Der blaue Engel" hat das Zeug zum Klassiker

Um die sensiblen Gefässe herum läßt der 1993 in Hamburg geborene Autor drei Kinder agieren, die sich am Müllhäuschen treffen, ihre Konflikte austragen, kleine Streitigkeiten, die am Ende friedlich ausgehen. In der Begründung der Wettbewerbsjury feiert die Film- und Fernsehdramaturgin Nicole Kellerhals die Qualität des amüsanten Stückes und formuliert eine zuversichtliche Prognose: "Die Jury hat dieses herausragende Stück überzeugt, weil seine Sprachvielfalt und seine emotionale Erzählung immer auf der Augenhöhe der Kinder bleibt und dabei den Blick auf unseren eigenen Müll und die gesellschaftlichen Konflikte schärft - ein Stück, dass das Zeug zu einem echten Grips-Klassiker hat."

Bevor "Die Blauen Engel" ein Grips-Klassiker wie "Linie 1" werden kann, muss aber erst wieder echtes Publikum erlaubt sein. Die bedenkliche Lage der Kinder fasst Theaterleiter Philipp Harpain zu Beginn der Preisverleihung nachdenklich zusammen. "Kinder sind in der Gesellschaft und in der Politik nicht gerade das Wichtigste im Moment. Sie werden reduziert auf den "Nachwuchs", der gerade nicht genug lernt, der ansteckend sein kann und der die Eltern nicht zur Arbeit gehen lässt."

Gewinnerinnen auch ohne Preis

Richtige, "echte" Kinder sind an diesen Abend dann immerhin per Videoeinspielung zugeschaltet. Jungen und Mädchen, die den nominierten Autorinnen und Autoren auch schon während der Entstehung der Stücke immer wieder Rückmeldungen gegeben haben. Das Grips-Theater konnte darüberhinaus trotz Pandemie im vergangenen Jahr die geplanten Workshops mit den Nominierten durchführen. Deshalb können auch die Autorinnen Fabienne Dür und Clara Leinemann, die für ihr Stücke "Warten auf Schnee" und "Fledermops" jetzt keinen Preis bekommen haben, ihre Teilnahme am Wettbewerb ganz sicher als Gewinn verbuchen.

Hinweis: Die Preisverleihung ist weiterhin im Internet, auf der Seite des Grips-Theaters zu sehen.

 

Sendung: Inforadio, 21.04.2021, 6:27 Uhr

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