Metin (Max Mauff) und sein Geburtstagsgeschenk: Lene und ihr Freund die Klobürste (Quelle: rbb/Carolin Weinkopf)
Bild: rbb/Carolin Weinkopf

Interview | Serienstart rbb-Koproduktion "Mapa" - "Es geht auch um die Suche, was einen guten Vater ausmacht"

Was passiert, wenn man plötzlich alleinerziehender Vater ist? Metin Müller (Max Mauff) findet sich in der rbb-Koproduktion "Mapa" in dieser Extremsituation wieder. Im Interview spricht er über Mütter, Rollenbilder und Babys als Schauspiel-Partner.

rbb: Herr Mauff, in "Mapa" spielen Sie die Rolle eines jungen Vaters mit Baby, dessen Freundin plötzlich stirbt. Plötzlich alleine dazustehen, spricht eine Urangst an, die man als Elternteil hat.

Max Mauff: Und als Kind! Das ist ja eine Urangst, die in der Kindheit los geht. Jemanden zu verlieren, von dem man abhängig sein könnte. In diesem Fall ist es eben der Vater, der seine Partnerin, die Mutter seines Kindes, verliert. Es ist eigentlich das Schlimmste, was einem passieren kann. Und doch haben wir versucht, in dieser Serie trotzdem die komischen Momente des Lebens, die dann nicht nur traurig sind, durchblitzen zu lassen.

Also das, was eine "Sadcom" ausmacht. Können Sie persönlich mit diesem Begriff etwas anfangen?

Ich kann mit dem Begriff gar nicht so viel anfangen. Am Ende sind es 30-Minuten-Folgen, die sich so ein bisschen tragikomisch mit dem Ganzen beschäftigen. Man könnte auch "Dramedy" sagen. Es gibt so viele geflügelte Worte, seitdem es viele geflügelte Streamer gibt. Am Ende ist es schon eher von der Tonalität traurig, aber nicht dramatisch.

Dass es hier ein Mann ist, der das Kind alleine großziehen muss, ist ja eigentlich der Clou an der Geschichte, weil das sonst fast immer Frauen machen. Erstaunlicherweise wird einem dadurch besonders bewusst, wieviel Mühe dahinter steckt.

Ja, eigentlich komisch, dass einem erst bewusst wird, was Frauen für eine Arbeit leisten, wenn man das am Ende auf einen Mann projiziert. Drum herum gibt es viele Frauen, die das auch spiegeln in der Serie. Da ist ja zum einen seine Mutter, wo auch klar wird, die hat ihn alleine durchgebracht. Und in Rückblenden ist das immer wieder seine verstorbene Partnerin Emma, die ja auch deutlich macht, dass Mütter schon irgendwie die Coolsten von allen sind, und dass er sich daran messen lassen muss. Und dadurch gelingt es, obwohl es um einen Mann geht, zu thematisieren, dass Frauen eigentlich die marginalisierte Gruppe sind und nicht die Männer.

Ihre Mutter war auch alleinerziehend. Das heißt, Ihr Respekt vor dem Thema "Alleinerziehend" war vermutlich schon da, bevor Sie die Rolle übernommen haben?

Ja, auf jeden Fall. Da hat sich nichts bei mir verändert. Und ich bin nicht der einzige in unserem Team. Unser Hauptautor ist auch nur bei seiner Mutter groß geworden. Es ist grundsätzlich der Respekt für diese Aufopferung da, den haben wir drin, und dem wollen wir auch gerecht werden, unbedingt.

Sie spielen in "Mapa" einen modernen, eher femininen Männertyp.

Ich begebe mich ja jetzt - Gott sei Dank mit vielen anderen meiner Generation – so ein bisschen auf die Suche danach. Was kann und will denn der "moderne Mann"? Für mich geht's auch um die Suche danach, was einen guten Vater ausmacht. Oder explizit um die männliche Verbindung zum Kind. Auch in den Genuss zu kommen, diesen Sinn daraus zu ziehen. Ansonsten ist es der Versuch, den Mann nicht zu feminin werden zu lassen, und trotzdem natürlich sanft. Es gibt eigentlich nichts, was behauptet, ein Mann könne nicht sanft sein oder das dürfte er nicht sein.

An manchen Stellen braucht der von Ihnen gespielte Metin aber doch noch den "weiblichen Push".

Er war nicht darauf vorbereitet, und die Gesellschaft hat ihm auch nicht gezeigt, wie man das allein als Mann machen muss. Für Frauen gibt es Vorbilder. Bei Männern fehlen zum einen Vorbilder, aber auch gesellschaftlicher und männlicher Respekt für Männer, die mit den Kindern sind. Da hilft es glaube ich nur, wie mit Serien oder generell mit Medien, andere Bilder in die Köpfe zu setzen, um das langsam aufzuweichen.

Ich habe es mit allen Tricks versucht: Ich hab das Parfum der Mutter benutzt, war bei denen zuhause, hab die besucht und versucht, was ich konnte. Ich habe die mit Butterkeksen gefüttert, aber es war nichts zu machen.

Max Mauff über die Dreharbeiten mit Babys

Also glauben Sie, dass ein Film wie "Mapa" dazu beitragen kann, Rollenbilder zu verändern?

Natürlich kann das was ändern. So wie jeder einzelne auch was ändern kann. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Aber das glaube ich genauso stark in meinem persönlichen Umfeld. Ganz unabhängig von Filmen. Begegnung und Respekt, das lässt sich überall transportieren - ich glaube schon: Ich kann als Einzelner mit meinem Umgang was ändern.

"Mapa" spielt in Prenzlauer Berg, wo diese Serie super hinpasst. Würden Sie sagen, sie kann überall spielen?

Wahrscheinlich ist sie schon an einen urbanen Raum gebunden, aber vielleicht funktioniert sie auch überall. Heutzutage ist alles so vernetzt, da gibt es gar nicht mehr so große Unterschiede. Aber es geht ja auch um Drogen, das würde ich tatsächlich urban ansiedeln in dieser Normalität, wie diese Freunde miteinander sind. Das ist schon eher so, wie junge Erwachsene in Berlin groß werden. Aber ich glaube trotzdem, dass diese Widersprüche und Unterschiede kleiner werden, und das wäre ja auch total schön. Wir sollten nach den Sachen suchen, die uns verbinden und nicht die uns unterscheiden.

Das Baby im Film hat ein ganz besonderes Lieblingsspielzeug: eine Klobürste. Hatten Sie als Kind auch ein Spielzeug, an dem Sie sehr gehangen haben?

Nee, gar nicht so wirklich. Ich fand alles cool. Ich bin im Osten groß geworden - als ich dann Lego und so was hatte: Ich konnte nie genug haben. Ich habe mich nie an einzelnen Sachen festgehalten.

Psychologen sprechen gerne von einer Triade, der Bedeutung der Konstellation Vater-Mutter-Kind. In "Mapa" fehlt die Mutter. Glauben Sie, das Baby hätte im realen Leben trotzdem die Chance, ein glücklicher Mensch zu werden?

Na logisch! Ganz sicher. Das Gute ist ja, dass Menschen doch schon sehr resilient sind. Ich habe mir auch alles, was ich an Defiziten in meiner Kindheit hatte, in meiner Jugend von außen gesucht, um aufzufüllen, wo ich vielleicht zu wenig von hatte. Und ich denke, das machen die meisten so. Man sucht sich das, was man braucht. Da gibt's keinen Fluch.

Wie war es für Sie, mit Babys zu spielen?

(Lacht) Davor wird man als Filmschaffender ja eigentlich sein ganzes Leben lang gewarnt, dass man das niemals tun sollte. Stimmt alles! In diesem Fall waren es Zwillinge, die waren gerade so knapp über eins, in einer extremen Mutterphase und konnten mit mir wirklich gar nichts anfangen. Ich habe es mit allen Tricks versucht: Ich hab das Parfum der Mutter benutzt, war bei denen zuhause, hab die besucht und versucht, was ich konnte. Ich habe die mit Butterkeksen gefüttert, aber es war nichts zu machen.

Da mussten wir ganz viel filmisch tricksen. So Sachen wie, wenn sie geschlafen haben, hab ich mich schnell daneben gelegt, dann haben wir schnell eine Szene gedreht. Ich habe dann viel mit einer Puppe gedreht. Es war extrem kompliziert, aber es hat funktioniert, und ich glaube, wir haben sie nicht traumatisiert (lacht).

Davon sieht man gar nichts im Film. Es sieht aus, als ob Sie eine super Bindung hatten!

Film ist halt einfach Trickserei, deswegen geht so was!

"Mapa" ist für den Grimme-Preis nominiert. Ist Ihnen das wichtig, macht Sie das stolz?

Ich finde es gut, weil ich die Arbeit der Grimme-Kommission extrem schätze. Das hat einen hohen Wert, dass die sich damit auseinandersetzen, was denn eigentlich gutes Fernsehen ist oder was uns weiterbringt. Gleichzeitig ist immer ein bisschen die Gefahr, dass das so eine Parallelrealität ist. Deshalb würde ich mich genauso freuen, wenn sich das viele Leute anschauen und sich trauen, sich damit auseinander zu setzen. Wenn das zusammengeht, dann macht es mich schon stolz. Nur Preisnominierung würde mir nicht reichen. Es gibt schon was zu erzählen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Max Mauff führte Silke Mehring, rbb 88,8.

Sendung: zibb, 16.04.2021, 18:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Der Ansatz, Geschlechterrollenbilder zu hinterfragen, scheint ziemlich aufgesetzt zu sein, nicht zuletzt am Titel abzulesen. Wer heterosexistische Rollenbilder reproduziert, überwindet sie nicht. Dazu kommen die peinlichen Männlichkeitskonstruktionen, die der Schauspieler ganz offenbar übernommen hat, und die kontrafaktische Behauptung der Triade. Laut Entwicklungspsychologie braucht es eine(!) feste Bezugsperson für die Bindung, so viel dazu. Zum Fremdschämen peinlich. Zudem riechen Grimme-Preis und Co. regelmäßig nach inzestiöser Selbstliebe. Wenn Sie in der Redaktion zum Bereich Kultur Relevantes(!) zu berichten haben, gerne, aber lassen Sie sich nciht auf sendereigene Programmempfehlungen ein. So, Sie wollen alles in allem politisch bilden? Funktioniert aber auch nur über entsprechend qualifizierte Kanäle und Akteur*innen, über Schmalspurproduktionen nicht. Nicht dass es die Möglichkeit gäbe, Expertise einzuholen, wenn man sie selbst nachweislich nicht hat.

  2. 2.

    Chapeau ,mein Lieber !!!

  3. 1.

    Aha...schöne grüsse von einem alleinerziehenden vater einer tochter!die stigmatisierung erfolgt zum grossen teil durch frauen selbst.ich würde schon fasst von diskriminierung sprechen!dafür hätten sie aber keine fersehserie gebraucht.meine tochter hat eben nur kopfschüttelnd den artikel gelesen....wrklich traurig das es für die akzeptanz von alleinerziehenden vätern erst ne serie braucht.

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