Das Hofgarten Kino in Bad Belzig, Brandenburg (Bild. rbb/Ivo Ziemann)
Audio: Inforadio | 15.04.2021 | Ivo Ziemann | Bild: rbb/Ziemann

Kinobetreiber in Bad Belzig - Schwarze Leinwand und abgelaufene Getränke

Seit Monaten sind die Säle sämtlicher Kinos leer, so wie die im Hofgartenkino in Bad Belzig. Betreiber Sven Andresen ist frustriert. Die Medienboard Berlin-Brandenburg will mit dem Kinoprogrammpreis solchen Kinos finanziell unter die Arme greifen. Von Ivo Ziemann

Sven Andresen steht in seinem leeren Kinosaal. Am 1. November saßen zum letzten Mal Gäste auf den knallroten Sesseln des Bad Belziger Hofgartenkinos. Der Kinobetreiber ist frustriert. Die Getränke draußen an der Bar sind abgelaufen und können in den Müll. Die Kinoplakate sind längst hinfällig und die staatlichen Hilfen reichen nicht aus, so dass er von den Rücklagen lebt. Etwa zu 90 Prozent seiner Kosten seien gedeckt, aber einige Ausgaben liefen auch einfach weiter, sagt Andresen.

So geht es vielen Kino-Betreibern in der Region. Die kleinen Kinos haben es manchmal etwas leichter, weil die Miete wegfällt oder die Instandhaltungskosten nicht so hoch sind.

Kinobesitzer Sven Andresen steht im Kinosaal des Hofgarten-Kinos in Bad Belzig, Brandenburg (Bild: rbb/Ziemann)
Sven Andresen lebt momentan von seinen Rücklagen. | Bild: rbb/Ziemann

96 Kinos in der Region bekommen Sofortprämie

Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin der Medienboard Berlin-Brandenburg, kennt die Probleme. Schon im vergangenen Jahr seien deshalb die Preisgelder für den Kinoprogrammpreis verdreifacht worden und auch in diesem Jahr würden alle 96 Bewerber eine Soforthilfe von 5.000 Euro erhalten, sagt sie.

Seit 1999 wird der Preis verliehen. Ursprünglich, um eine kulturell anspruchsvolle Programmstruktur von Arthouse-Kinos zu sichern. Aktuell ist daraus ein Überlebenskampf geworden. Der Kinoprogrammpreis läuft unter dem Motto "Kino leuchtet für dich". Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die Kino-Leinwände bald wieder für Besucher leuchten.

35 Kinos aus Brandenburg und 61 aus Berlin hatten sich beworben. Den Gewinnern winkt ein Preisgeld von 35.000 Euro. Den Kinos würde in Zukunft ein gutes Angebot von deutschen und europäischen Filmen helfen und "Geld, Geld, Geld. Damit die Kinos, dann wenn es los geht, wieder in voller Schönheit erstrahlen können", so Kirsten Niehuus.

Neustart mit Hindernissen

Sowohl Sven Andresen als auch Kirsten Niehuus hoffen, dass Kinos spätestens im Sommer wieder Gäste empfangen dürfen. Der Start könnte aber auch dann schwierig werden, befürchtet der Betreiber des Hofgartenkinos. Am Anfang könnte die Auswahl der Filme zum Beispiel sehr eingeschränkt sein. "Wir haben ja nicht ständig die Filme im Regal zu stehen, wie im Supermarkt. Die Verleiher müssen sich entscheiden den Film rauszubringen. Das braucht alles seine Vorläufe. Und natürlich müssen auch die wirtschaftlich überlegen. Die großen Filme kommen erst, wenn auch viele Kinos wieder aufmachen und nicht nur Bad Belzig oder Luckenwalde", sagt Andresen. Er möchte am Anfang auf die Filme setzen, die im Herbst gerade angelaufen waren und sicher immer noch viele Kino-Fans anziehen.

Kirsten Niehuus hofft auf die ganz neuen deutschen Filme. "Für die Programmkinos sind die Filme, die auf der Sommer-Berlinale laufen ideal", sagt sie. Aber auch im Sommer werde das Coronavirus noch in den Köpfen der Menschen sein. Es sei schwer zu sagen, ob sich viele Besucher in den Kino-Saal trauen, obwohl alle Kinos gute Hygiene-Konzepte haben.

Für das Hofgartenkino wäre es auch schwierig, spontan Personal zu finden, sagt Andresen. In vielen Bereichen arbeiteten Schüler aus dem benachbarten Gymnasium, die erstmal wieder aktiviert werden müssten.

Bloß keine schärferen Auflagen

Bis zur Schließung Anfang November gab es in den Kinos der Region die bekannten Richtlinien. Es gab eine Maskenpflicht vor und im Kino. Lediglich am Sitzplatz durften die Gäste die Maske ablegen. Die Besucher mussten Abstände einhalten, so waren in den meisten Sälen Sitzplätze gesperrt. An den Eingängen gab es Spender mit Desinfektionsmittel und die Gäste mussten zur Nachverfolgung ihre Kontaktdaten hinterlassen. Die meisten Kinos haben zusätzlich spezielle raumlufttechnische Anlagen, die sowieso dort ständig für frische Luft sorgen.

Nun befürchtet Sven Andresen vom Hofgartenkino aber deutlich schärfere Auflagen. Sollten nur geimpfte oder getestete Leute kommen dürfen, wäre das ein riesiger Aufwand, der aber noch zu bewältigen ist. "Der Todesstoß wäre eine Maskenpflicht am Sitzplatz", so Andresen. Viele seiner Gäste hätten ihm signalisiert, dass sie sich nicht zwei Stunden mit Maske in einen Film setzen würden. Dennoch hofft er auch auf die Lust der Menschen auf einen Kinobesuch. "Menschen, die sich wieder mal zwei Stunden in eine andere Welt entführen lassen wollen. Zusammen lachen, zusammen weinen – das kann der beste Film im Fernsehen nicht schaffen".

Sendung: 15.04.2021, Antenne Brandenburg, 10 Uhr

Beitrag von Ivo Ziemann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Wenn einem der Besuch im Kino wichtig ist und man in Zeiten von Corona es nicht aushalten will, mal wärend dem Film auch die Maske zu tragen, der hat einfach ein Luxusproblem. Klar ist es kein Tragekomfort, aber ich Trage auf der Arbeit inzwischen auch den ganzen Tag (7,5h) eine FFP2 Maske. Es ist halt wie es ist und irgendwann ist der Spuk dann endlich wieder vorbei.

    Wenn also im Kino die Maskenpflicht kommt... dann ist es eben so. Hauptsache die Kinos können wieder öffnen für uns Filmfreunde und es kehrt etwas mehr Kultur zurück in den Alltag. Und wenn eine Maske das Kino rettet und damit auch die verbundenen Jobs, dann auch erst recht mit Maske ins Kino.

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