Rassismus-Vorwürfe - Streit zwischen Tänzerin und Staatsballett endet mit Vergleich

Symbolbild: Berliner Staatsballett (Quelle: imago-images/Beata Siewicz )
Video: rbb|24 | 22.04.2021 | Material: Abendschau | Bild: imago-images/Beata Siewicz

Nach Rassismusvorwürfen und einem nicht verlängerten Vertrag haben sich eine Tänzerin und das Berliner Staatsballett vor dem Bezirks-Bühnenschiedsgericht Berlin auf einen Vergleich geeinigt. Eine entsprechende Mitteilung des Gerichts bestätigte der Anwalt der Tänzerin Chloé Lopes Gomes am Mittwoch in Berlin.

Danach wird der Vertrag der Tänzerin um ein Jahr verlängert, zudem erhält sie 16.000 Euro. Das Staatsballett hatte wegen der Rassismus-Vorwürfe bereits Konsequenzen angekündigt, jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus seien in der Compagnie nicht tragbar.

Vorwurf: Sie sollte sich weiß schminken

Lopes Gomes hatte eine Rückkehr in die Compagnie gefordert. Sie habe sich wiederholt rassistische Kommentare der Trainingsleiterin anhören müssen, hatte sie dem Staatsballett vorgeworfen. So habe die Mitarbeiterin gesagt, das Staatsballett hätte sie nicht engagieren sollen, weil sie eine Schwarze sei. Eine Schwarze in einem "Corps de ballet" sei nicht ästhetisch, nicht homogen. Für eine "Schwanensee"-Vorstellung sei sie aufgefordert worden, sich weiß zu schminken.

Die Interims-Intendantin des Berliner Staatsballetts, Christiane Theobald, stritt den Vorfall gegenüber rbb ab. "Der Vorfall ist mir so überhaupt nicht bekannt. Den hat es auch so gar nicht gegeben", sagte sie im November. Dennoch wies sie die Rassismus-Vorwürfe gegen ihr Haus nicht komplett von der Hand. Alltagsdiskriminierung gebe es im Staatsballett genauso "wie in der Gesellschaft draußen".

In einer Stellungnahme [staatsballett-berlin.de] hatte das Staatsballett erklärt, die Überzeugung, dass ein Ensemble mit 91 Tänzern und Tänzerinnen aus mehr als 30 Nationen ausreichend gegen Rassismus vorbereitet sei, habe sich als falsch erweisen. Die Vorfälle zeigten, dass es an der nötigen Kompetenz fehle, um mit Diskriminierung umzugehen. In der Compagnie laufe eine Untersuchung, um diskriminierendes Verhalten aufzudecken. In Vorbereitung seien Workshops und Seminare.

Sendung: Kulturradio, 21.04.2021, 18:45 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ein Vergleich ist nicht hinreichend für die juristische Bearbeitung eines solchen Falls, ferner ist das Arbeitsgericht zuständig. Hier geht es um Diskriminerung am Arbeitsplatz, was im AGG konkret festgehalten wird. Ein Vergleich, dann auch noch über ein Schiedsgericht meint bewusste Benachteiligung der Betroffenen. Auch knüpft es an die Vertuschungs- und Bagatellisierungsversuche an. Das soetwas passiert ist, ist schlimm genug, aber die Größe zu haben, damit konsequent und selbstkritisch bei gelebter Fehlerkultur umzugehen, sollte man der Kunst normalerweise zutrauen. Wo aber Antirassimus nur auf dem Papier, als Selbstinszenierung, steht, wird Rassismus zum Tabu, ist doch klar. Die angekündigten Workshops und Seminare haben vor allem die Intendantin des Staatsballetts nötig, wie es scheint. Wer Rassismus damit verharmlost, es gebe ihn auch außerhalb des eigenen Berufsfeldes, legitimiert ihn, anstatt ihn zu problematisieren.

    Schwanensee der Hautfarbe nach tanzen - lächerlich.

  2. 4.

    Ich nehme auch an (vgl. RBB Bericht in gestriger Abendschau), dass es vor allem für den ArbG das geringere Übel ist, als sich vom Gericht per Urteil eine richtige Klatsche abzuholen. Verdammt traurig und komplett unverständlich erscheint mir allerdings der Kommentar der Beklagten, dass man sich jetzt(!) mit der Thematik auseinandersetzen würde und vielleicht doch Handlungsbedarf sieht.... #kopfschüttel#

  3. 2.

    Na da muß ja doch ein Stück Wahrheit in der Aussage von der Tänzerin Chloé Lopes Gomes sein, sonst würde man keinen Vergleich anstreben

  4. 1.

    Hoffentlich kennt das Arbeitsgericht den Grundrechtskatalog!
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was an Frau Chloé Lopes Gomes nicht stimmen soll. Sie sieht mega aus und wirkt auf mich ganz und gar nicht unästhetisch und inhomogen.

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