Livestream aus dem T-Werk - 15. Lange Nacht der Freien Theater Brandenburg startet digital

Alessia d Isanto, Felipe Cescon de Faria, Marta Morabito, Polyxeni Argyri, Jassi Murad, Amy van Weert, Sandra Chamochumbi Castro und Tzuhsiang Felix Chang, v.l., während einer Probe im August 2020 (Bild: imago images/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 08.05.2021 | Ute Büsing | Bild: imago images/Martin Müller

Die 15. Lange Nacht der Freien Theater Brandenburg ist Samstagabend im Live-Stream gestartet. Zwölf von 33 freien Theaterensembles aus dem Land Brandenburg kamen digital zusammen - übertragen wurde aus dem T-Werk in Potsdam. Von Ute Büsing

Die Oxymoron Dance Company von Anja Kozik hat die insgesamt sechsstündige lange Nacht der Freien Theater Brandenburg am Samstag eröffnet. Insgesamt stellten zwölf freie Ensembles aus Brandenburg sich und ihre aktuellen Produktionen vor.

Kozik zeigte mit einem Schauspieler, einer Tänzerin und einem Musiker die kleine Produktion "Flexible Flyer", die mit Corona-Fördergeldern in Gestalt von Mini-Stipendien entstand.

Darin geht es, so Kozik, "um die Möglich- oder Unmöglichkeit von Mann und Frau sich einzulassen in Zeiten bröckelnder Rollenbilder". Herbeizitiert werden als Kronzeugen Goethes "Die Leiden des jungen Werther", Heiner Müllers "Ophelia"-Text aus "Hamletmaschine" und Gottfried Benns Gedicht "Drohungen". Obwohl der Aufeinanderprall unterschiedlicher Erwartungen "etwas Tragisches" habe, will die Regisseurin die Rollenkonflikte "nicht pur ernst nehmen". Wie etliche andere Arbeiten feierte "Flexible Flyer" bei der langen Nacht eine kleine digitale Premiere.

33 Prozent Publikum für die Freien in Brandenburg

Anja Kozik leitet den Tanzbereich am Waschhaus Potsdam. Bei Oxymoron arbeitet sie mit verschiedenen freien Künstlern seit einigen Jahren Projekt-bezogen zusammen. An der langen Nacht hat sie schon oft teilgenommen und sieht darin "eine schöne Gelegenheit, dass sich die freien Theater bei dieser Werkschau austauschen." Und freie Theater gibt es viele im Land Brandenburg. Der Landesverband Freie Theater hat 33 Mitglieder, davon 13 mit eigener Spielstätte. 33 Prozent aller Brandenburger Besucher gehen in freie Theater. Die spielten 2019 vor der Corona-Pandemie in 85 Städten. Mit dieser beeindruckenden Bilanz kann Landesverbands-Geschäftsführer Frank Reich aufwarten. Er wertet sie als "Alleinstellungsmerkmal".

Flagge zeigen und Werbung für kommende analoge Produktionen

Groß wie die Mitgliederzahl ist die Bandbreite der bei der Langen Nacht digital vorgestellten Produktionen: Schauspiel, Tanz, Performance, Maskentheater. Auch das Neue Globe Theater aus Potsdam machte mit einer Zwei-Personen-Version von "Don Quijote" mit.

Die Produktion auf Grundlage des Textes von Jakob Nolte entstand unter Corona-Auflagen für die Open-Air-Saison und wurde jetzt, in Ausschnitten, zum ersten Mal gezeigt. Sonst machen die Potsdamer um Kai Fredric Schickel Ensembleproduktionen mit großem Personal und gehen damit auf Tour im Land Brandenburg und außerhalb. Fördermittel bekommen sie nicht immer, aber "Don Quijote" wurde vom Fonds Darstellende Künste und auch aus Landesmitteln unterstützt. Das Neue Globe ist eines der im ländlichen Raum besonders gebrauchten und bewährten Wandertheater. Seit 2015 schwärmen die Mimen aus. Das Festival nutzten sie jetzt "zum Flagge zeigen", wie Schickel sagte und auch "zur Werbung für die in zwei Wochen geplante Open-Air-Premiere."

Im Potsdamer T-Werk kamen sie jetzt alle wenigstens virtuell zusammen: 12 von 33 freien Theaterensembles aus dem Land Brandenburg. Ergänzt wurde das abwechslungsreiche Bühnenprogramm durch Gespräche mit den Beteiligten und Akteuren aus der Kulturpolitik. Die Vorfreude, sich zu zeigen und miteinander zu sprechen, war bei allen Beteiligten groß.

Sendung: Inforadio, 8.5.2021, 7:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

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