Raubkunst aus West-Afrika - Parzinger verspricht substanzielle Rückgabe von Benin-Bronzen

Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Quelle: DPA/Fabian Sommer)
Audio: Inforadio | 24.05.2021 | Mathias Wetzl | Bild: DPA/Fabian Sommer

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hält Hunderte Benin-Bronzen, die als Raubkunst gelten. Vor 50 Jahren gab es erstmals Rückforderungen aus Nigeria. Im kommenden Jahr soll es soweit sein. Der Stiftungspräsident verspricht einen großen Aufschlag.

Bei den geplanten Rückgaben der als koloniales Raubgut geltenden Benin-Bronzen an Nigeria soll der Druck auf deutsche Museen und politisch Verantwortliche bleiben. "Uns ist es sehr ernst, wir wollen damit jetzt weiterkommen", sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger am Sonntag in Berlin. "Da ist jetzt schon eine gewisse Dynamik drin, die kann man auch nicht mehr aufhalten. Das ist uns wichtig."

Zuvor war Parzinger gemeinsam mit der Sprecherin der Benin Dialogue Group aus europäischen Museen und nigerianischen Partnern, der Direktorin des Hamburger Museums am Rothenbaum, Barbara Plankensteiner, und Andreas Görgen, Leiter der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt, zu fünftägigen Gesprächen in Nigeria. Ende April hatten deutsche Museumsspitzen und politisch Verantwortliche Rückgaben der wertvollen Kulturschätze für 2022 angekündigt. Erstmals wurden Forderungen nach Rückgaben aus Nigeria im Jahre 1972 an die Stiftung herangetragen.

Stücke kamen nach Palastplünderung nach Europa

Nach wie vor unklar ist, wieviele der Stücke zurückgegeben werden sollen. Es sei zu früh, über Zahlen zu sprechen, so Parzinger. "Aber es geht nicht um zwei, drei symbolische Stücke. Wir wollen wirklich substanziell zurückgeben." Alle Gesprächspartner hätten auch deutlich gemacht, dass es ihnen wichtig sei, "dass nach den Rückgaben auch weiterhin Kunst aus Benin in deutschen Museen und weltweit präsent ist".

Die Objekte stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897. Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. Auch im Berliner Humboldt Forum sollen sie ausgestellt werden. Allein Berlins Ethnologisches Museum verfügt über rund 530 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 440 Bronzen.

"Es war sehr eindrucksvoll zu sehen, wie wichtig dieses kulturelle Erbe für die Menschen dort ist und wie groß auch der Schmerz über den Verlust", sagte Parzinger nach seinem ersten Besuch in Nigeria. "Es geht darum, ein historisches Unrecht wiedergutzumachen, aber dennoch auch dem Rechnung zu tragen, dass diese Dinge über ein Jahrhundert weltweit gezeigt worden sind, zum Kanon afrikanischer Kunst gehören und die Vorstellungen der Welt über Afrika mitprägen, geprägt haben und auch weiterhin prägen sollen."

Sendung: Radioeins, 24.05.2021, 7 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Das wäre in der Tat wiederum zu billig. Kulturen sind spezifisch "vor Ort" entstanden und zusätzlich sind sie auch noch allgemeinmenschliches Erbe. Das ist analog wie bei den Welt(kultur)erbestätten hier: Diese Generation hat es nicht errichtet und dennoch obliegt es ihr, es getreulich zu erhalten und zu verwalten. Ansonsten wäre Kultur nur orts- und zeitgebunden und nach Vorübergehen von Ort und Zeit dem Interesse entzogen.

    Wenn die seinerzeitigen NS-Deutschen ein Teil der hiesigen Kultur als "entartet" definiert haben, ist es nicht ausschließlich die Verantwortung dieses Landes, damit umzugehen oder nicht, sondern dann war es auch die Verantwortung anderer Länder, diese dahin verbrachte Kultur in ihrem Land zu schützen.

  2. 14.

    Räumt die Museen aus, alles zurück in die Ursprungsregionen, auch „Mann mit Goldhelm und Nofretete“, zeigt nur noch
    „Germanische Kunst“ das wäre doch politisch korrekt. Oder ?

  3. 13.

    Gebt die Raubkunst endlich zurück. Macht vorher Kopien. Den Unterschied erkennt sowieso keiner.

  4. 12.

    Ihr Denken scheint mir in Bereichen angesiedelt zu sein , die sich am konsequentesten in der Architektur des Palastes der Republik ausdrückte. Den wollte allerdings Honecker schon wieder abreißen lassen, nach einem Staatsbesuch in Portugal. Haben sie gar nicht mitbekommen wie hässlich das Ding war?

  5. 11.

    Was für ein Gezeter. Rein in den Flieger und ab nach Nigeria. Ausladen und was dann der Staat Nigeria damit macht ist nicht in unserer Verantwortung.

  6. 10.

    Ach wenn es doch nur ein Scherz wäre, aber es ist bitterböser Ernst: Mit dem Jahr 2020 wird ein barockes Hohenzollernschloss wieder errichtet, die Vergangenheit von Monarchie, Diktatur und Militarismus wieder in die Mitte Berlins zu bringen, und die Veränderungen zwischen 1945 bis 1990 zu tilgen und ungeschehen zu machen. Gleichzeitig sollen an diesem Ort die Kulturen der Welt gefeiert werden, mit Hilfe kolonialer Raubkunst, die in Mengen in Kellern und Archiven vergammeln. Diese Leute, wie Hr. Parzinger, atmen die Luft eines vergangenen und verstaubten Deutschlands, dass sie sehnlichst wiederherstellen wollen. Und sie riechen danach, aber sie führen Rückzugsgefechte. . "But times they are a changing" - Hoffentlich.

  7. 9.

    Das ist leider zu befürchten. Gerade in Ländern, die aktuell politisch instabil sind, ist die Gefahr groß, dass solche Kulturgüter zerstört oder auf dem Kunstmarkt weiterverkauft werden.

    Schade drum.

  8. 8.

    Bekommt Deutschland eigentlich auch seine geraubte Kunst zurück?
    Wäre ja mal interessant zu wissen!!!

  9. 7.

    Das war immer schon das VORfestgelegte URTEIL derjenigen, die sich seinerzeit dieser wirklich wertvollen Güter bemächtigten. Motto: Aus der seinerzeit schaffenden Kultur sei über lange Zeit hinweg sowieso nichts Sinnvolles zu erwarten. Analog verhält es sich bspw. auch mit islamisch geprägten Ländern: Mit offenen Mündern vor der jeweiligen Baukultur stehend und im gleichem Atemzug diese als potenziell terroristisch definieren.

    Da passt irgendetwas nicht zusammen.

    Gewiss: Es gibt vom Terror Verblendete und es gab Pol Pot mit seinen Roten Khmer in Kampuchea, die ganz bewusst uralte Kulturgüter zerstörten, weil diese der von ihm ausgerufenen neuen Gesellschaft nicht genügten. Verallgemeinern lässt sich das schon allein deswegen nicht, weil "wir als Deutsche" uns wohl hartnäckig dagegen wehren würden, durchweg als Nazis angesehen zu werden.

    Gebt den Deutschen nichts, denn ausgeschlossen ist bei denen ja nichts.

  10. 6.

    Alles in Kisten packen und weg damit, nein. Damit macht man es sich zu leicht. Auch wenn es unrechtmäßig erworben wurde, liegt nun doch eine Verantwortung drauf. Es muss eine "geordnete" Rückgabe stattfinden. Wo dies nicht möglich ist sollte über Kooperationen oder Leihgaben nachgedacht werden, damit in den Herkunftsländern eine gesicherte Aufbewahrung der Schätze gefördert werden kann. Da kommt die Frage auf, wer soll's bezahlen. Durch die Eintrittsgelder der Museen sicher nicht zu stemmen. Man könnte die UNESCO in's Boot holen. Jetzt spinne ich mal etwas. Die könnten sich dann Geld von den großen Konzernen holen, die immer noch Drittländer ausbeuten und dort für Armut sorgen. Diesen Ländern dann auch noch die Bewahrung dieser Kulturschätze aufzubürden wäre verantwortungslos. Aber über allem steht der Dialog mit den Herkunftsländern.

  11. 5.

    Der sichere Kunstaufbewahrungsort Berlin war auch schon mal gründlich zerbombt, mit Folgen für allerlei Kunstwerke...

  12. 4.

    Der Hauptverwalter von Raubgut in Deutschland hat die Restitutionsdiskurse weder als Liberaler und Philanthrop initiiert noch hat er sich konstruktiv an ihnen beteiligt. Jetzt, da klar ist, dass aufgrund politischer(!) Entscheidungen und nicht durch die Almosenbedürfnisse eines Parzingers Restitution nur noch Formsache ist, will er noch immer an illegitimen Forderungen festhalten. Als autoritärer Aufklärungsverweigerer und Anhänger des Imperialismus - mal ohne Entrückung des Begriffs, sondern im Wort- und Geschichtssinn - unter Preußen und Präsident einer demnächst aufgelösten, intransparenten, ineffektiven und unwissenschaftlichen Stiftung hat er zu verantworten, dass das von ihm achso hochgeschätzte kulturelle Erbe der Menschheit zu 90% verpackt in den Archiven in, sprichörtlich, Buxtehude wie in Berlin verstaubte.

    Es muss hinsichtlich Raubkunst und Provenienz extern untersucht werden, was der Komplex der Stiftung über die Benin-Bronzen hinaus der Weltgemeinschaft vorenthält.

  13. 3.

    Und wenn in den Ländern radikale Terroristen die Macht übernehmen, werden diese Stücke des Weltkulturerbes zerstört. Siehe: Die großen Statuen in Afghanistan. Dann lieber hier in Sicherheit

  14. 2.

    Was lange währt, wird endlich gut. Da, wo die ehemaligen Kolonialmächte faktisch ineins waren, gibt es heute Aufgeschlossenheit. Es ist ein Anfang und wie Parzinger betont, nicht mehr aufzuhalten. Das Beispiel könnte Schule machen.

    Ich denke, Frankreich unter Emmanuel Macron ist da endlich auch dran, einfach, weil der jünger ist, beim Commonwealth-Gehabe verstrickten Großbritannien sehe ich das noch nicht.

  15. 1.

    Das Tor von Ishtar muss auch zurück.

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