Vermittlungsprojekt "Lab.Bode" - Wenn Kinder zu Kuratoren werden

Artefakt im Bodemuseum. Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnet heute im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin das lab.Bode finale, das am 25. Mai 2021 unter dem Motto „Wir setzen das Museum in Bewegung!“ mit Ausstellungen, Workshops, künstlerischen Aktionen und Diskursveranstaltungen beginnt. (Quelle: rbb/M. Ossowski)
Audio: Inforadio | 25.05.2021 | Maria Ossowski | Bild: rbb/M. Ossowski

Was interessiert in einem Museum? Wie wird Kunst lebensnah und interessant? Das Vermittlungsprojekt "Lab.Bode" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Exponate wie Marienbilder und Reiterskulpturen für Jugendliche spannender darzustellen. Von Maria Ossowski

Der riesige bronzene Reiter auf seinem Pferd in der Eingangshalle des Bode-Museums hat richtig große Füße - Schuhgröße 70 ungefähr. Skulpturen haben oft interessante Füße. Was wäre nun, wenn die Füße der vielen Kunstwerke hier reden könnten?

"Talking feet" heißt ein Projekt mit spielerischem Zugang zu den Kunstwerken. Repliken ausgewählter Skulpturenfüße sind mit Aufnahmegeräten und Lautsprechern ausgestattet, sie können zuhören und als Museumsguides ihre eigene Geschichte erzählen. Der behaarte Fuß einer Maria Magdalena aus dem 17. Jahrhundert berichtet: "Nach diesem Krieg, Zweiter Weltkrieg heißt der, glaube ich, wurde ich in einer Bergmine zusammen mit anderen Kunstobjekten gefunden. Ich war so verdreckt, dass meine Zehen kaum noch zu erkennen waren."

Artefakt im Bodemuseum. Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnet heute im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin das lab.Bode finale, das am 25. Mai 2021 unter dem Motto „Wir setzen das Museum in Bewegung!“ mit Ausstellungen, Workshops, künstlerischen Aktionen und Diskursveranstaltungen beginnt. (Quelle: rbb/M. Ossowski)
Bild: rbb/M. Ossowski

Im Bode-Museum am Kupfergraben stehen Altäre und Reiterskulpturen, es gibt Marienbilder und Passionsgeschichten - nichts, was so auf den ersten Blick fetzt. Keine zeitgenössische Kunst, keine Popart. Und genau deshalb konzentriert sich hier auf der Museumsinsel die Arbeit daran, wie Jugendliche besser an Kunst herangeführt werden könnten - eine Arbeit, die nach ganz Deutschland ausstrahlen könnte. Seit 2015 läuft das Projekt "Lab.Bode", mit 5,4 Millionen Euro vom Bund finanziert. Die Staatlichen Museen Berlin und die Kulturstiftung des Bundes sind mit dabei.

"Das war schon recht anstrengend"

Auch neun Berliner Partnerschulen haben sich am "Lab.Bode" beteiligt. In einem langen Saal mit viel barocker Kirchenkunst fallen sechs Gipsköpfe auf. Schülerinnen der Thomas-Mann-Oberschule haben sie gefertigt. Mit dabei: das Gesicht der Schülerin Erika Bachmann. Sie ist sehr musikalisch und hat, während ihr Profil gegossen wurde, beispielsweise erfahren, dass musikalische Frauen in der frühen Neuzeit immer wieder als Hexen verfolgt wurden. Und sie hat gleichzeitig gelernt, wie eine Gipsbüste entsteht. "Bei dem Gipsabdruck haben auch Mitschülerinnen geholfen", berichtet sie. Rund eine Viertelstunde haben sie die Mimik nicht verändern dürfen, bis die Maske getrocknet war. "Das war schon recht anstrengend."

Die Schülerinnen und Schüler der Grunewald-Grundschule wiederum durften hinabsteigen ins Depot des Bode-Museums und dann ihre eigene Ausstellung kuratieren, mit 23 Exponaten. Adrian von der 6c sagt dazu: "'Lebewesen, die keine Menschen sind', so haben wir unsre Ausstellung genannt und Tiere ausgesucht. Wir wollten erreichen, dass die Menschen nachdenken über das, was sie den Tieren und der Umwelt antun. Links sehen Sie eine Wand mit dem Foto eines gesunden Waldes. Gegenüber brennt der Wald, und die Tiere leiden. Deshalb haben wir auch eine Ausstellung über Tiere gemacht."

Nicht leicht, Kunst zu vermitteln

23 Volontäre aus verschiedenen Deutschen Museen haben während der vergangenen fünf Jahre im Bode-Museum moderne Vermittlungsarbeit studieren können. Die Forderung des Kulturpolitikers Hilmar Hoffmann in den 70er Jahren, Kultur für alle erfahrbar zu machen, ist hier konsequent umgesetzt. Das ist im Sinne der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. "Uns ist bei vielen Auslandsreisen aufgefallen, dass es in Brasilien, den USA, Frankreich oder Japan mehr Kunstvermittler in den Museen gibt als Kuratoren", so Grütters. "Bei uns ist das umgekehrt."

Es sei nicht leicht, heutzutage Kunst zu vermitteln, so die Kulturstaatsministerin. "Wir müssen intelligent Geschichten erzählen." Am "Lab.Bode" sei "eindrucksvoll zu studieren, wie das gehen kann".

Sendung: Inforadio, 25.05.2021, 15:55 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

3 Kommentare

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  1. 3.

    Großartig! Schön, wenn Kinder und Jugendliche derart Sinnvolles umsetzen!

  2. 2.

    Ich finde die Idee/ das Konzept großartig und bin, auch als Erwachsene, gleich wieder interessiert. :)

    Meine Kinder sind noch etwas zu klein für Museen-Besuche, aber ich freue mich darauf, solche Ausflüge mal zu machen. :)

  3. 1.

    Ein tolles und wichtiges Projekt. Bitte in anderen Häusern übernehmen. Geschichte kann so spannend sein. Das Wissen über die Leistungen und Entwicklungen, ob pos. oder neg. früherer Generationen aus allen Ecken der Erde kann für unsere Gesellschaft nur gut sein.

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