Haus der Berliner Festspiele - Ein neues, digitales Herz treibt jetzt das Theatertreffen an

Symbolbild: Eine Theaterbühne wird von einer Theaer-Mitarbeiterin vom Aufnahmepult aus gefilmt und instruiert. (Quelle: imago images/Prokofyev)
Bild: imago images/Prokofyev

In diesem Jahr findet das Berliner Theatertreffen ausschließlich im Stream statt. Im Haus der Berliner Festspiele sind für die Übertragungen Studios aufgebaut - und bilden das Herzstück der diesjährigen Leistungsschau. Von Ute Büsing

Früher, in den Vor-Corona-Zeiten des analogen Theaters, war der Hof des Hauses der Berliner Festspiele zugeparkt mit LKW voller Bühnenbilder und schwerer Bühnentechnik. Beim diesjährigen Theatertreffen ist alles anders. Alle Bühnen werden für die Übertragungen von Aufzeichnungen, Live-Streams und Live-Diskussionen genutzt.

Der technische Leiter, Matthias Schäfer, sieht sich und sein Team durch das "hochkomplizierte und sehr komplexe System" mit "ganz neuen Herausforderungen konfrontiert". Nach einem Jahr Online-Theater seien die Ansprüche allenthalben gewachsen, da wolle das Theatertreffen nicht hintanstehen, sondern mit innovativen zukunftsfähigen technischen Lösungen vorangehen, so Schäfer.

Ganz großes Kino in Netflix-Qualität

Bis zu 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Schichten rund um die Uhr im Einsatz, um die vielen kleinen Laptops und großen Regiepulte, die Mikros, Kopfhörer, Kacheln und Bildschirme am Laufen zu halten und mit Streams zu füttern. Bühnentechniker Jörn Gross hat wesentlichen Anteil an der Entwicklung des neuen digitalen Systems.

Herzstück seiner Arbeit und der des großen Stabs ist das Haupt-Sendestudio, wo alle Streams zusammenlaufen. Dort werden die Bilder zusammengebaut, die Bauchbinden, Grafiken, Filme und Streams empfangen und rausgeschickt. "Das ist großes Kino, was wir hier machen", sagt Gross stolz. "Wir senden übrigens in voller HD, also eigentlich Netflix-Qualität."

Hier wird auch die Jury-Diskussion vorbereitet, nach einem zwölfstündigen Livestream "Show Me a Good Time" des Performance-Kolletivs Gob Squad. Im kleinen Studio mit drei bis fünf Kameras macht sich die Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, bereit für ihre Live-Anmoderation dieser Diskussion. In der Hauptregie läuft diese Aufnahme dann mit den Live-Zooms der Jury-Mitglieder zusammen.

Gewusel wie im Bienenkorb

Es geht zu wie im Bienenkorb, denn letztlich ist Live-Stream doch auch ein bisschen wie Live-Theater: Alles muss auf Anfang klappen, alle Rädchen müssem ineinandergreifen. Gerade hat sich der gut geölte Apparat bei zwölf Stunden live des Performance-Kollektivs Gob Squad mit Spielhandlungen auf der großen Bühne, Zoom-Zuspielern und Exkursionen in den Stadtraum bewährt.

Wenn Karin Beiers Inszenierung "Reich des Todes" vom Schauspielhaus Hamburg am Freitag live gestreamt wird, gilt es immerhin gut vier Stunden exzellenter Bild- und Tonqualität zu gewährleisten. Um die bestmögliche Abstimmung zu erreichen, probten die Bühnentechniker der Berliner Festspiele bereits zwei Wochen vor Beginn des Theatertreffens mit den verschiedenen Theaterhäusern, erzählt Matthias Schäfer: "Das ist eine eigene, spannende Welt mit vielen Unbekannten für uns Theaterleute."

Stolz über die Pionierarbeit

Nicht immer funktioniert alles reibungslos - und das liegt häufig an den Endabnehmern. Hoch aufgerüstete Heimtechnik ist zwar nicht erforderlich, um vor allem den Live-Streams zu folgen, aber die Server-Qualität ist schon entscheidend für den ungestörten Empfang. Auch hätten sich einige Browser besonders bewährt, sagen die beiden Bühnentechniker. Sie seien stolz auf ihre "Pionierarbeit", aber "noch lange nicht entspannt".

Jetzt gilt es erst einmal noch eine gute Woche den hohen Standard zu halten. Dann folgt dem Theatertreffen mit wenigen Tagen Abstand das Theatertreffen der Jugend. Das soll natürlich auch über die digitalen Bühnen im Haus der Berliner Festspiele gehen - am besten auch einwandfrei.

Beitrag von Ute Büsing

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