Bericht der "Süddeutschen Zeitung" - Humboldt-Forum kämpft weiter mit Baumängeln

Das Humboldt Forum im Dezember 2020. (Quelle: © SHF/Christoph Musiol)
Audio: Inforadio | 25.05.2021 | Annette Deist | Bild: © SHF/Christoph Musiol

Am Humboldt-Forum in Berlin-Mitte gibt es offenbar weiterhin erhebliche Baumängel. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" [sueddeutsche.de] unter Berufung auf einen Brief von Bauvorstand Hans-Dieter Hegner. Darin teile er dem für die Ausführung zuständigen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit, die Mängel machten einen "geregelten Betrieb unmöglich und gefährden das bereits eingebrachte Kulturgut". Auch eine übergreifende Sicherheitsarchitektur für die IT-Infrastruktur werde vermisst.

Die Verantwortlichen des Kulturprojekts wiesen den Bericht zurück. "Das Gebäude des Humboldt-Forums in Berlin ist seit Dezember betriebsbereit", hieß es. Die für Sommer geplante Eröffnung werde "durch teilweise noch laufende Arbeiten der Restmängelbeseitigung nicht gefährdet". Bauvorstand Hegner sagte laut Mitteilung: "Als Betreiber benötigen wir Anlagen, die in allen Belangen störungsfrei und reibungslos laufen. Einige Unzulänglichkeiten wurden erst durch den Regelbetrieb aufgedeckt und werden jetzt zügig abgearbeitet."

Dabei sei ein genauer und kritischer Blick notwendig. Es gehe "aber nicht darum, dass der Betrieb für das Publikum, für unser Team oder für die Kunstwerke in irgendeiner Form nicht sicher wäre".

Streit um Rückgabe von geraubten Kulturgütern

Das Humboldt Forum soll Mitte Juli seine Türen für Besucherinnen und Besucher öffnen. Bereits in der zweiten Juni-Woche sollen die Innenhöfe mit Gastronomie und Shop zugänglich gemacht werden. Der Corona-Lockdown hatte den im vergangenen Dezember vorgesehenen ersten Öffnungsschritt zu einem rein digitalen Vorgang werden lassen.

Das rund 680 Millionen Euro teure Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft nutzen künftig zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella steckt hinter der viel kritisierten rekonstruierten Fassade des Hohenzollernschlosses. Neben dem Bau selbst ist auch die geplante Präsentation von Benin-Bronzen umstritten, die als Raubgut aus kolonialen Zeiten gelten. Museen aus Deutschland und Nigeria sowie die politische Ebene verhandeln aktuell über Rückgaben vom kommenden Jahr an.

Sendung: rbb Kultur, 26.05.2021, 07:00 Uhr

12 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 12.

    Hab den Wiederaufbau immer befürwortet. Tu ich auch jetzt noch....was mir NICHT so klar war: Es ist kein besonderes schönes Gebäude.

  2. 11.

    In der Tat ist genau dieser Bau an genau dieser Stelle derjenige Bau, den Berlin "hier braucht".

    Alles andere sind für mich recht abgehobene Diskussionen. Wer Empfindungen hat, der empfinde, dass die Straße Unter den Linden, die ja nicht irgendeine beliebige Straße in Berlin ist, einen markierten Anfang und ein markiertes Ende braucht. Das markierte Ende ist im Zuge der Rekonstruktion der Linden gleichfalls restauriert worden: das Brandenburger Tor. Den markierten Anfang wagte mensch seinerzeit, nach dem Krieg, nicht zu setzen. Dazu war die Diskussion recht grob geführt worden, die Hohenzollern, die gewiss Beteiligte waren, als Alleinverantwortliche, ja als Alleinschuldige zu benennen.

    Stadtkompositorisch ist dadurch eine Fehlstelle entstanden. Genau diese ist jetzt behoben worden. Moderne Bautechnik hin oder her. Es geht um die wahrnehmbare Gestalt und um die Proportion: Auftakt zu den Linden!

  3. 9.

    ++++ Jens Berlin Mittwoch, 26.05.2021 | 07:44 Uhr
    Antwort auf [Martina] vom 26.05.2021 um 03:12
    Plattenbau??? ++++

    Ja. Plattenbau. Ist ein Plattenbauschloss. Das so tut als wäre es was anderes. Architektur für Blender und Möchtegerne.
    Wollen Sie behaupten die angehängte Deko aussen "Typ Barock" mache aus dem Baukörper irgendwas anderes? Sozusagen das Ornament, der Zierat schaffe eine andere Realität?
    Da lobe ich mir die architektonische Moderne, die nicht mehr dem stalinistischen Zuckerbäcker-Barock folgen musste. Als sie die Karl Marx Allee Bauabschnitt 2 baute. Leben noch heute Zehntausende bezahlbar in sehr guten Wohnungen. Die zudem für heutige Zimmerzuschnitte variabel veränderbar sind. Verhältnismässig kostengünstig instand zu halten. Hat keine private Immobilienwirtschaft auf die Beine gestellt. Mitten im Zentrum. Ein Fakt den ja niemand erfunden hat, der die ärgern will, die notorisch anderes behaupten. Materiell aber gar nichts vorzuweisen haben.

  4. 8.

    Schönes Bauwerk. Vielleicht etwas zu groß geraten für die aktuelle Verzwergung. Aber das muss nicht so bleiben. Wird schon.

  5. 7.

    Das kommt davon raus, wenn man billig arbeiten läßt, es wird teuer ! Bei allen Bauvorhaben der letzten Zeit ist das so. Wir verteilen unser Geld in alle Länder bekommen aber selbst nichts mehr hin. Andere Länder lachen schon über Deutschland.

  6. 6.

    Der Potsdamer Platz, der Flughafen, der BND-Neubau das Regierungsviertel, der Hauptbahnhof und das Holocaust Mahnmal, sind einige Bauten in Berlin, wo es erhebliche Mängel gab und gibt! Lieber Senat, Geiz ist geil, nicht wahr, aber wer billig baut, baut eben zwei mal! Das wußten schon die alten Römer und Griechen, deshalb kann man ihre Bauwerke noch heute bewundern!

  7. 5.

    Gern erinnere ich mich an die schönen Stunden im Republikpalast zurück.

  8. 4.

    Dieser Hässliche Prestige Kasten wir uns noch jede Menge an Steuergeld kosten.
    Dank an die Volksvertreter.

  9. 3.

    Der Beitrag ist tendenziös, da er zwar die Kritik an der rekonstruierten Fassade erwähnt, nicht jedoch die Begeisterung. Meinungsäußerungen sind legitim, doch muss der Beitrag dann als „Kommentar“ bezeichnet werden.

  10. 1.

    Tja. Wenn der Spiessbürger Stadtdeko baut. Plattenbau. Wie Abbildung oben, jedoch mit vorgehängter Luxusfassade Typ Neobarock.
    Deutlicher kann man die Hohlheit, die brutale Bräsigkeit des Kleinbürgers der zu Höherem strebt nicht dokumentieren.
    Puppenstube bauen. Wozu der umbaute Raum nutzt wissen wir noch nicht...aber Hauptsache aussen..Ähem...schön.
    Das Berliner Plattenbauschloss ist der angeberische Verwandte Plastikkassette Typ "Stuckdecke" Jetzt nur 9,95 pro Quadratmeter im Baumarkt. Das kleben wir mit Kleber gegen die Betondecke.
    Dieses Barbiehaus "Schloss" ist ein einziger Baumangel. Was macht da noch, das es auch innen zu nichts nutze, noch qualitätvoll ausgeführt ist.

Nächster Artikel