Pilotprojet fürs Nachtleben - Berliner Raver tanzen nach Pandemie-Regeln

Eine Diskokugel dreht sich in einem Club und reflektiert das einfallende Licht der Scheinwerfer und Lampen. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Es war die Berliner Club-Generalprobe: In einer Art Testlauf für Partys im zweiten Pandemie-Sommer haben im CLUB Revier Südost Gäste erstmals wieder ganz offiziell getanzt. Die wichtigste Party-Voraussetzung war das Equipment der Gäste: Maske und Test.

Ausgestattet mit Tracker und Maske haben am Sonntagnachmittag im Berliner Club Revier Südost Dutzende Menschen zusammen zu Techno-Beats gefeiert. Der Probelauf war Teil des
Pilotprojekts Open Air, mit dem getestet werden soll, wie in der Corona-Pandemie sicher unter freiem Himmel getanzt werden kann.

"Das läuft bisher ganz gut", sagte eine Sprecherin des Clubs am Sonntag während des Ausprobierens. Das Masketragen auf der Tanzfläche werde akzeptiert. In anderen Bereichen des Clubs dürfe der Mund-Nasen-Schutz aber auch abgenommen werden.

Tanz in der neuen Griessmühle

Das Pilotprojekt fand in der neuen Location des Techno-Clubs Griessmühle im Ortsteil Niederschöneweide statt. Es ist das zweite Club-Pilotprojekt in diesem Jahr und wird zusammen von der Alice-Salomon-Hochschule, der Beuth-Hochschule für Technik und der Clubcommission organisiert.

300 freiwillige Tänzer konnten per Losverfahren mitmachen. Alle, die mittanzen wollten, mussten entweder getestet, geimpft oder genesen sein. Zehn Tage nach der Party sollen alle noch einmal getestet werden, wie die Club-Sprecherin sagte.

Aus den Erkenntnissen des Abends entsteht ein Konzept

Die Organisatoren haben mit dem Projekt Großes vor: Es soll ein Konzept entstehen, das sowohl für Behörden als auch für Clubs eine Richtlinie sein kann. Die gebe es aktuell in Deutschland noch nicht, sagte Claudia Winkelmann von der Alice-Salomon-Hochschule.

In Berlin ist organisiertes Tanzen im Freien durch die Pandemie-Verordnung noch verboten. Am Wochenende räumte die Polizei Parks in der Hauptstadt, weil sich Anwohner über laute Musik beschwert hatten und die Feiernden auf illegalen Partys zu wenig Abstand einhielten. Auch in anderen deutschen Städten gab es bei gutem Wetter solche Probleme. Vereinzelt wurden dabei auch Polizisten angegriffen und verletzt.

Tanz ohne auf Abstände zu achten

An diesem Pilot-Wochenende im Techno-Club lief der Mammut-Testversuch nun anders. Am Einlass erhielten die Gäste einen Tracker, den sie um den Hals tragen mussten. Chips könnten so das Abstandhalten messen, erläuterte Thomas Sakschewski von der Beuth-Hochschule. Auf der Tanzfläche selbst bewerteten eingesetzte Beobachter, ob sich Gäste und Personal an die Regeln hielten. Dort durften die Gäste tanzen, ohne auf Abstände zu achten, wie Club-Geschäftsführer David Cezar Ciura sagte. Das Tragen einer Maske blieb demnach aber Pflicht.

Ausgewertet werden sollen die anonym erhobenen Daten so schnell wie möglich an den beteiligten Berliner Hochschulen. Die Forscher erhoffen sich, mit ihren Zahlen eine Grundlage dafür schaffen, dass in diesem Sommer wieder Veranstaltungen mit Hygienekonzept ermöglicht werden können.

Nach Angaben der Clubcommission sind in diesem Jahr weitere Projekte geplant. Dieses Ausprobieren begrüßt auch die Berliner Kulturverwaltung. Die Clubszene habe sich 15 Monate lang vorbildlich und verantwortungsvoll verhalten, sagte Sprecher Daniel Bartsch. "Solche Sachen sollten ermöglicht werden." Dabei seien aber Konzepte gemäß der Auflagen nötig.

Neue Tanzbedingungen an neuem Standort

Das "Revier Südost" ist auf dem Gelände der ehemaligen Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße untergebracht. Vorher lag der Club Griessmühle zentraler in Neukölln. Im Februar 2020 fand dort die letzte Party statt, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde.
Dann kam die Pandemie. An dem neuen Standort in Niederschöneweide gibt es aktuell einen Biergarten, eine Bar, einen Markt - und auch ein Testzentrum.

Sendung: Fritz, 13.06.2021, 16 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    Ooch jut, aber an "Hiroshima" kam man nich vorbei,wenns dann "zoom" gemacht hat. Und dann ab auf dem Feuermelder durch die Nacht, den Vollmond anheulen. War ne ge...e Zeit :-()) Wer sich an die 80er komplett erinnern kann, hat sie nicht erlebt.

  2. 17.

    Ich hoffe es gibt dann auch einen Artikel mit den Erkenntnissen. Die würden mich echt interessieren.
    Im Moment klingt das für mich einfach nur komplett lächerlich.

  3. 16.

    Ja - und dann waren noch die ollen Plastiksterne in der Mitte der Single. Ohne die hat dieser blöde mechanische Plattenwechsler nicht funktioniert. Übrigens Schallplatten ... Single von Santana - Samba pa ti mit 33er Tempo abspielen. Richtig schöne Schmusemukke ;-) - aber das ist schon BAP (Verdamp' lang her).

  4. 15.

    Und die Musik wurde mittels einer Metallnadel, die in den Rillen einer sogenannten Schallplatte, die sich wiederum auf einem Teller, genannt Plattenspieler drehte, dieser Platte entlockt. Das waren noch Zeiten :-)

  5. 14.

    "Ich bin schon ein paar Jahre älter. Clubs nannte man früher Disco o.ä."
    Echt jetzt. Is' ja niedlich. ;-)

  6. 13.

    Meine erste Antwort war wohl nicht druckfähig. Mir tun die jungen Menschen echt leid. Und ich wünsche ihnen, dass langsam das Verständnis bei den Verantwortlichen Raum gewinnt, das es Dinge gibt, die nicht zu 100 %kontrollierbar sind. Und das Leben birgt nun mal gewisse Gefahren, und ist endlich. Die Frage ist nur, wie man diese Zeit gestalten will. Angst war jedenfalls nie ein guter Ratgeber.

  7. 12.

    Ok, hört sich ziemlich cringe an. Maske, Kette um, Tracker, hm. Cringe, wie gesagt. Normal, willst du Maske bei Musick und tanzen, gehst du Berghain. Aber jetzt bist du Teilnehmer Studie, Clean, mit Test, Tracker, ja wer benimmt sich denn da "normal"??? Ich glaube, ich selber würde verzichten.

  8. 11.

    Ach kommen Sie Blümel, wir wären doch damals auch froh gewesen, wenn wir wieder im Big Apple oder Metropol mit nem Futschi in der Hand nach Depeche Mode oder Soft Cell abhotten dürften :-).

  9. 10.

    Ich finde, hier soll einfach nur eine Art Cluböffnung-FataMorgana erzeugt werden.
    Man soll das Gefühl haben, es tue sich etwas.
    Clubs auf und fertig.
    Jeder kennt das Risiko.
    Irgendwann bei 20 Neuinfektionen in Berlin kann man diese Panikmache auch endlich mal einstellen.

  10. 8.

    Ich bin schon ein paar Jahre älter. Clubs nannte man früher Disco o.ä. Ein normaler Besuch ohne Drogen gab es allemal, wenn man von shit absieht. Aber das ist für mich noch nie eine Droge gewesen.

  11. 7.

    Du willst Clubbesucher sein?
    Dann hast Du den Clubbesitzern und der Szene jetzt ein einen tollen Gefallen getan. Manno man, schlimmer geht immer.

  12. 6.

    Warum man in diesem Stadium der Pandemie solche absurden Pilotveranstaltungen organisiert ist mir echt schleierhaft. Warum dürfen geimpfte, getestete und genesene Leute unter freiem Himmel mit Tracing (a la Luca) nicht in einem Open Air Club tanzen? Letzten Sommer war das doch auch schon möglich und es gab bekanntermaßen keine Ansteckungen. Man lässt lieber tausende Feiernde unkontrolliert in Berliner Parks die Nächte durchfeiern. Das versteht doch kein Mensch mehr.

  13. 5.

    "Die Zeiten, eines normalen Clubbesuches ohne Drogenkonsum wird es nicht mehr geben."
    Gab es den jemals? Irgendwo? Irgendwann? Es wird immer Plattnasen geben, die sich in einem "Pressluftschuppen" irgendetwas reinziehen.
    Btw: Der "Nick" und der Text passen irgendwie nicht zusammen.

  14. 4.

    Klientel befriedigen durch sinnlosen Aktionismus. Wenn das die Zukunft ist, mann, bin ich froh, daß meine Partys in den 80ern und 90ern liefen.

  15. 3.

    Ich finde es erschreckend, auf einer Seite einen Antigen-Schnelltest vorzuweisen, welchen man getrost selbst ausstellen kann, desweiteren, sobald man sich das Hirn auf Toilette weggkokst oder durch Konsum des Alkohols, ist einem eh alles egal und letzlich wird es längerfristig zu Infektionen und der damit einhergehenden Club Schließungen kommen.
    Die Zeiten, eines normalen Clubbesuches ohne Drogenkonsum wird es nicht mehr geben. Daher ist dieses Projekt zur Wiederbelebung einfach lächerlich.

  16. 2.

    Ist das eine Verarschung?????

  17. 1.

    Es ist so gruselig. Tanzen mit Tracker um den Hals - ich bekomme einen Würgreflex wenn ich daran denke. Der Anschein von Wissenschaftlichkeit, Leute die einschätzen, wie nahe man sich kommt, WAS FÜR EIN HORROR.
    Woher hat man für diese Veranstaltung Probanden bekommen? Ist es wirklich nur der Wille zum Tanz? Ich finde auch bedauerlich, dass wiedereinmal nicht der Hauch von Kritik innerhalb des Beitrages steckt. Den Autoren müssten die Tränen in den Augen stehen, schon beim Recherchieren. Aber nichts davon ist zu lesen.

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