Berliner Philharmoniker in der neuen Saison - Waldbühne, Odessa und Zukunftsgedanken

Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker (Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Kirill Petrenko kam als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, ein Dreivierteljahr später kam Corona - Zeit für intensive Proben. Zur neuen Saison will der Dirigent wieder durchstarten und so viel dirigieren wie nie zuvor. Von Maria Ossowski

Die Corona-Pandemie war auch für die Berliner Philharmoniker ein tiefer Einschnitt in ihrem Selbstverständnis als Ausnahmeorchester und in ihrer Funktion als Kulturbotschafter weltweit - trotz ihrer privilegierten Position mit staatlicher Unterstützung, dem einmaligen Pilotprojekt und der Digital Concert Hall.

Kirill Petrenko war gerade erst ein Dreivierteljahr als Chefdirigent im Amt, als der erste Lockdown alle Planungen obsolet machte. "Das einzig Positive war, dass ich ein ganzes Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit meinem immer noch neuen Orchester sehr konzentriert proben konnte", beschreibt Petrenko diese Zeit. "Ich glaube, wir sind in unserer Beziehung dadurch ein Tick weiter, als das unter normalen Umständen gewesen wäre. Das war in dieser sehr konzentrierten, ruhigen Form schon sehr außergewöhnlich. Ich hoffe, dass wir dadurch eine Basis für die Zukunft geschaffen haben."

Zweimal Waldbühne

Was bei der Programmvorstellung an diesem Montag in Berlin klar wird: Der neue Chefdirigent wird in der kommenden Saison so viel dirigieren wie nie zuvor, zum Beispiel die erste Großveranstaltung vor 6.100 Gästen, das Waldbühnen-Konzert am 26. August mit Schuberts großer C-Dur-Sinfonie sowie Werken von Carl Maria von Weber und Paul Hindemith. Am Tag darauf dirigiert Petrenko das gleiche Programm in der Philharmonie.

"Wir werden jedes Jahr mit einem großen Werk des klassischen Repertoires eröffnen. Dieses Jahr haben wir das Glück, das Konzert gleich in der Waldbühne zu spielen. Ich habe dieses Jahr das Privileg, gleich zweimal in der Waldbühne zu dirigieren. Ich werde diesen Ort sehr gründlich kennenlernen", so Petrenko.

90 Konzerte mit verschiedenen Dirigenten

Die Philharmoniker werden in der kommenden Saison 90 Konzerte mit verschiedenen Dirigenten geben, darunter sind Herbert Blomstedt, Andris Nelsons, Zubin Mehta und Daniel Barenboim. Nodoka Okisawa ist als Dirigierstipendiatin eingeladen, die Ukrainerin Oksava Lyniv, die als erste Frau überhaupt dieses Jahr in Bayreuth am Pult steht, wird ein Late-Night-Konzert dirigieren.

Als weiteren Höhepunkt wird Kirill Petrenko in Odessa am 1. Mai das Europakonzert präsentieren - später im Jahr dann den programmatischen Schwerpunkt "Lost Generation", jene Generation von Komponisten, deren Karrieren in der Nazizeit abrupt endeten und von denen viele ermordet wurden. Dazu gehören Erwin Schulhoff und Leone Sinigaglia.

Diskursformat zum Wert der Kultur

Insgesamt ist die Stimmung der Berliner Philharmoniker wieder zukunftsorientiert, aber das letzte Jahr hat seine Spuren hinterlassen. Intendantin Andrea Zietzschmann sagt, sie wünsche sich eine breite Debatte über den Wert der Kultur. "Dazu werden wir ein umfangreiches Diskursformat im Herbst 2021 hier bei uns im Haus aufsetzen. Wir wissen, die Schäden für die Kultur sind schon jetzt sehr groß und die weiteren Auswirkungen sind nicht absehbar", sagt sie weiter. "Uns allen ist klar geworden, dass Kultur nicht die Rolle in unserer Gesellschaft einnimmt, wie wir eigentlich vermutet hatten, und diese Erfahrung durch die Pandemie fordert uns. Ich bin wirklich froh, wenn wir uns jetzt hoffentlich bald wieder auf den Kern unserer Arbeit konzentrieren können, auf die Kunst und Kultur und die Weiterentwicklung unserer Institution."

Petrenko dirigiert Familienkonzerte

Besonderes Augenmerk legen die Philharmoniker auf ihre Education-Programme, denn Kinder und Jugendliche waren von der Pandemie besonders hart betroffen. Und wir brauchen sie für die Zukunft der klassischen Musik.

Deshalb auch dirigiert Petrenko die Familienkonzerte. "Ich erinnere mich an meine Kindheit, wie in meiner Familie von früh bis spät die Musik so wichtig war, dass für mich klar war, dass es die große Rolle spielen wird", erzählt er. "Die Verankerung der Wichtigkeit der Kultur und Musik in den Familien ist für mich der wichtigste Schlüssel, damit wir später neue, jüngere Publikumsschichten generieren können."

Sendung: Inforadio, 14.06.2021, 16:55 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

2 Kommentare

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  1. 2.

    Super. Philharmoniker! Wir sehen uns wieder. Hoffentlich macht ihr bald wieder die Abendkasse auf.

  2. 1.

    Super. Philharmoniker! Wir sehen uns wieder. Hoffentlich macht ihr bald wieder die Abendkasse auf.

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