Umfangreiche Sanierung - Deutsches Historisches Museum schließt Zeughaus bis 2025

Die Fassade des Deutschen Historischen Museums (DHM) (Quelle: dpa/Stache)
Audio: Inforadio | 24.06.2021 | Interview mit Raphael Gross | Bild: dpa/Stache

Nach 300 Jahren im Betrieb macht das Zeughaus erstmal eine Pause. Für eine umfangreiche Sanierung wird das Gebäude für mindestens vier Jahre geschlossen. Auch die in die Jahre gekommene Dauerausstellung bekommt eine Auffrischung.

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin schließt temporär eines seiner Ausstellungsgebäude: Das historische Zeughaus bleibt ab Montag bis voraussichtlich Ende 2025 geschlossen. "Es ist ein aufwendiges, riesiges, komplexes Sanierungsprojekt, das einer jahrelangen Planung bedurft hat", sagte Museumsleiter Raphael Gross, Chef des Deutschen Historischen Museums, am Donnerstag im rbb. Die aktuelle Dauerausstellung ist noch bis zum 27. Juni bei freiem Eintritt geöffnet.

Pei-Bau bleibt geöffnet

Das 300 Jahre alte Zeughaus ist der bedeutendste erhaltene Barockbau in Berlin und das älteste Gebäude an der Straße Unter den Linden. Die Dauerausstellung präsentiert die deutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall. Der zum DHM gehörende Pei-Bau, der wechselnde Ausstellungen zeigt, bleibt während der Zeughaus-Pause weiterhin geöffnet.

Grund für die Schließung ist demnach vor allem die notwendige Sanierung der Klimatechnik des Zeughauses. Die bislang im Zeughaus ausgestellten 6.000 Objekte werden für die nächsten Jahre in einem Zwischendepot gelagert. "Es ist eine Generalsanierung", so Raphael Gross. Demnach werden auch die Überwachunsanlagen und die Infrastruktur für neue IT-Anforderungen installiert. "Wir hatten ursprünglich gehofft, dass man vielleicht nur jeweils einen Teil schließen muss. Das hat sich aber als absolut unmöglich erwiesen."

Neue Fragen an die deutsche Geschichte

Die bisherige Dauerausstellung war seit 2006 im Zeughaus zu sehen; sie hatte rund sieben Millionen Besucher. Die Schließzeit wird nun aber auch genutzt, um sich inhaltlich neu aufzustellen. Deshalb will das DHM in den kommenden Jahren eine neue ständige Ausstellung erarbeiten, deren Eröffnung für Ende 2025 geplant ist.

"Die jetzige Ausstellung ist mittlerweile in die Jahre gekommen", erklärte Gross, der seit vier Jahren das DHM leitet. "Wir haben aber neue Perspektiven, neue Fragen, die wir an die deutsche Geschichte stellen. Insofern hat dieser Prozess der Neukonzeption einer neuen Dauerausstellung bereits vor einiger Zeit begonnen."

Zweiter Besuchereingang am Kupfergraben

Ausgangspunkt der neuen ständigen Ausstellung soll die eine Million Objekte umfassende Sammlung historischer Objekte des DHM sein. Ein eigener Bereich soll Fragen von Kindern und Jugendlichen an die Vergangenheit aufgreifen. Zudem sollen die inklusiven, mehrsprachigen und digitalen Angebote gestärkt werden.

Das Zeughaus wird zudem einen zweiten Besuchereingang am Kupfergraben erhalten, nur wenige Schritte entfernt von einem der vier Ausgänge des neuen U-Bahnhofs "Museumsinsel".

Neue Schau ab August im Pei-Bau

Im angrenzenden Pei-Bau wird bis 9. Januar 2022 die Ausstellung über die Geschichte der documenta in Kassel, eine der meistbesuchtesten Kunstausstellungen der Welt, gezeigt. Außerdem eröffnet im August eine Schau über die "Liste der Gottbegnadeten", die 1944 im Auftrag von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zusammengestellt wurde. Die darauf verzeichneten 114 Bildhauer und Maler, wie beispielsweise Willy Meller, Adolf Wamper oder Arno Breker, die nach 1945 weiter sehr präsent im öffentlichen Raum ausgestellt haben.

Sendung: Inforadio, 24.06.2021, 15:55 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das Zeughaus ist leider nicht dreihundert Jahre alt, nur die Fassaden sind's: Als man nach dem Zweiten Weltkrieg an den Wiederaufbau ging, gab es Probleme, worauf entschieden wurde, das Gebäude komplett zu "entkernen", wie das so schön heißt. Also alles herauszureißen und eben nur die Fassaden stehen zu lassen. Hinter diesen befindet sich seither ein Stahlbetonbau aus den 1950er/1960er Jahren.

  2. 1.

    1999 bis 2003 war der letzte Umbau und Sanierung! Das Anpassungen und Modernisierungen anfallen halte ich für normal, aber gleich eine vier (wenn's nicht länger dauert) Jahre lange Generalsanierung? Ist etwa damals gepfuscht worden?

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