Lern- und Erinnerungsort am Anhalter Bahnhof - Dokumentationszentrum über Vertreibung öffnet am 23. Juni

Dokumentationszentrum über Vertreibungen (Quelle: Markus Gröteke)
rbb|24, 16.06.2021, 13:00 Uhr | Bild: Markus Gröteke/architecturesh

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin steht ab dem 23. Juni für Besucher offen. Das Haus sei Deutschlands erster und einziger Lern- und Erinnerungsort, der Zwangsmigrationen in Geschichte und Gegenwart ins Zentrum stelle, sagte Direktorin Gundula Bavendamm am Mittwoch in Berlin bei der Präsentation der Dauerausstellung. Die offizielle Eröffnung mit Festakt ist für Montag (21. Juni) geplant. Dazu wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

"Im Dokumentationszentrum geht es um Flucht und Vertreibung der Deutschen, aber auch um die vielen anderen Menschen, die Zwangsmigration erleben mussten und bis heute erleben", betonte Bavendamm. Im Geist der Versöhnung werde damit eine Lücke in der deutschen Erinnerungskultur geschlossen. Die Ausstellung schildere eine europäische Geschichte der Zwangsmigrationen vom 20. Jahrhundert bis heute. Im Mittelpunkt stehen Flucht und Vertreibung von rund 14 Millionen Deutschen im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Politik.

Streit um Ausrichtung und Verzögerungen bei Fertigstellung

Das Dokumentationszentrum geht auf einen Beschluss des Bundestages 2008 zur Gründung einer Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zurück. Dem Projekt gingen jahrelange Diskussionen über ein "Zentrum gegen Vertreibungen" voraus. Angestoßen hatten es die damalige CDU-Politikerin und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, und der SPD-Politiker Peter Glotz. Um die inhaltliche Ausrichtung und personelle Fragen in der Stiftung hatte es immer wieder Streit gegeben.

Das Zentrum umfasst auf rund 6.000 Quadratmetern eine Dauerausstellung und Sonderschauen, eine Bibliothek mit Zeitzeugenarchiv, Räume für Bildungsveranstaltungen, einen künstlerisch gestalteten Raum der Stille, einen Museumsshop und ein Restaurant. Der dazu erforderliche Umbau des "Deutschlandhauses", eines um 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten Gebäudes, erfolgte nach Plänen des österreichischen Architekturbüros "Marte.Marte Architekten". Die Fertigstellung hatte sich mehrmals verzögert. Die Umbauarbeiten haben 2012 begonnen. Die Eröffnung war ursprünglich für 2016 geplant. Dann war ein Eröffnungstermin im Jahr 2018 vorgesehen.

Sendung:Inforadio, 16.06.2021, 14:00 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ich finde es sehr wichtig den Menschen aufzuzeigen, was Krieg und Terror auch später für Folgen hat.
    Traurig finde ich, dass man sich auf Deutschland beschränkt und nicht über ganz Europa redet.
    Was ist mit den Ostblock Staaten, welche nach Ihrer friedlichen Revolution in ein absolutes Drama gestürzt wurden (Jugoslawien). BITTE nicht immer am 2. Weltkrieg hängen bleiben !!!!!

  2. 2.

    " Angestoßen hatten es die damalige CDU-Politikerin und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach..."
    und jetzige AfD-Poltikerin - damit ist fast alles gesagt

  3. 1.

    Es ist als Zentrum nicht ernst zu nehmen, blendet es doch zahlreiche Aspekte von Flucht und Vertreibung aus, stellt auch Geschichtliches unterkomplex und einseitig dar. Der Geist von Steinbach und anderer Rechtsextremer geht durch diese Ausstellung, von Opfer-Mythos, Geschichtsrevisionismus bis Blut-und-Boden-Ideologie. Wer losgelöst von Wissenschaft über Displaced Persons etc. reden möchte, macht sich unglaubwürdig.

    Laut UNHCR gibt es derzeit. rund 70 Mio. Geflüchtete aus politischen Gründen, hinzu kommen noch ein Mal doppelt so viele aus klimatischen Gründen. Die Ursachen, Abläufe, Hindernisse, insbes. staatliche Willkür und Bruch des Internationalen Menschenrechts, werden nicht beleuchtet im Zentrum.

    Dabei hätte es Potenzial gerade explizit über die nationale Geschichte - wir sind die Abkömmlinge von Geflüchteten, wir konstituieren uns zu einem signifikanten Teil aus Geflüchtetenbiografien.

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