Neukölln - Deutscher Chorverband eröffnet bundesweite Zentrale in Berlin

Audio: Inforadio | 21.06.2021 | Holger Zimmer | Bild: SVEN SIMON

Neue Anlaufstelle für die 15.000 Gesangsverbindungen in ganz Deutschland: Seit Montag gibt es ein zentrales Haus für die Chorszene des Landes. Das Zentrum in der Neuköllner Karl-Marx-Straße soll zur Kreativzentrale hunderttausender Chorsängerinnen und -sänger werden.

Das Deutsche Chorzentrum in Berlin-Neukölln ist am Montagabend mit einem Festakt eröffnet worden. Das Haus soll künftig als Drehscheibe für die Kontakte der Chorszene ins In- und Ausland, als Kreativzentrale und Anlaufstelle für Gesangsensembles dienen.

Davon soll es schätzungsweise 15.000 in Deutschland geben. Die Bundesregierung hat die Sanierung und Erweiterung des Altbaus nach Angaben von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit insgesamt rund 9,3 Millionen Euro gefördert.

"Kultureller Leuchtturm" für Berlin

"Singen und Musizieren sind fester Bestandteil der Kultur", erklärte Grütters zur Eröffnung. Amateurmusikvereine stärkten das Miteinander, schafften soziale Bindungen, unterstützten musikalische Bildung und Erziehung und bedeuteten eine erfüllte Freizeitgestaltung.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte das Deutsche Chorzentrum "einen weiteren kulturellen Leuchtturm" für die Stadt. Allein der Deutsche Chorverband vertrete mehr als eine Million Sängerinnen und Sänger und sei damit "die größte Laienchorbewegung der Welt".

Chorverband seit 2008 in der Hauptstadt

In dem Gebäude unmittelbar neben dem Theater "Heimathafen Neukölln" haben den Angaben zufolge künftig unter anderem der Berliner Chorverband, der Landesmusikrat Berlin und das Education-Chorprogramm der Berliner Philharmoniker ihren Sitz. Außerdem soll noch im Sommer eine Musik-Kita mit 70 Plätzen starten. "Ein ganzes Haus im Zeichen des Singens also - eine zentrale Anlaufstelle für alle, denen Chormusik am Herzen liegt", sagte Müller zur Eröffnung.

Wir befinden uns in einem sehr quirligen Kulturraum in Neukölln ]...] und passen mit unserem Konzept sehr gut hierher.

Veronika Petzold, Geschäftsführerin des Deutschen Chorverbands

Mit der Eröffnung des Deutschen Chorzentrums in Berlin schließe sich ein historischer Kreis, so der Chorverband, der 2005 aus der Vereinigung des Deutschen Sängerbundes und des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes als Nachfolgeverband des Deutschen Arbeitersängerbundes hervorging.

Der Sängerbund hatte bis Ende des Zweiten Weltkriegs ein eigenes Gebäude in Berlin, der Arbeitersängerbund bis 1933. 2008 zog der Chorverband von Köln nach Berlin und war seitdem auf der Suche nach einem neuen Standort. Nachdem über 20 mögliche Objekte in Erwägung gezogen waren, entschied man sich für das Gebäude in der Karl-Marx-Straße.

"Irgendwie hat uns das Objekt auch gefunden", sagte Veronika Petzold, Geschäftsführerin des Deutschen Chorverbands, vorab dem rbb. "Wir befinden uns in einem sehr quirligen Kulturraum in Neukölln ]...] und passen mit unserem Konzept sehr gut hierher."

Wulff: "Singen schafft Gemeinschaft"

Mit Blick auf die pandemiebedingte Zwangspause wünschte Grütters den Chören, dass angesichts sinkender Inzidenzzahlen Proben und Konzerte schrittweise wieder möglich werden. Der Präsident des Deutschen Chorverbandes, der frühere Bundespräsident Christian Wulff, betonte den Stellenwert von Chören für den Zusammenhalt in der Gesellschaft: "Auf einzigartige Weise verbindet das gemeinsame Singen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung."

Singen verstärke die Fähigkeit, hin- und zuzuhören, und schaffe Gemeinschaft. Chöre seien so auch das wirksamste Mittel gegen das wachsende Problem der Einsamkeit in der Gesellschaft, betonte Wulff.

Sendung: Inforadio, 21.06.2021, 16:55 Uhr

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Richtiger müssete es heißen "unmittelbar neben dem Cafe Rix und dem Kulturamt Neukölln" .

Nächster Artikel