Komische-Oper-Intendant Barrie Kosky hört auf - Von "Baby-Barrie" zum Weltstar

Barrie Kosky (Quelle: dpa/Frederic Kern)
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Audio: Inforadio | 28.07.2021 | Maria Ossowski | Bild: dpa/Frederic Kern

Der Regisseur Barrie Kosky ist weltberühmt. Er hat Engagements rund um den Globus. Zehn Jahre hat er als Intendant die Komische Oper in Berlin geprägt. Jetzt beginnt seine letzte Amtszeit. Von Maria Ossowski

Keine digitale Pressekonferenz bitte, er wünscht sich zum Schluss ein Treffen analog. Es ist Barrie Koskys Abschiedssaison nach zehn Jahren als Intendant an der Komischen Oper. Er ist nicht melancholisch, er gibt sich nicht nostalgisch. Die letzten anderthalb Jahre waren hart. "Ehrlich gesagt, ich bin so erschöpft, über das C-Wort zu sprechen (Corona, Anm.d.Red). Ich möchte heute nur über Kunst reden. Das bringt mir Freude."

"Möchte Stab an nächste Generation übergeben"

Eine üppige Saison steht bevor mit drei großen Premieren des Musiktheaters aus dem 20. Jahrhundert. "Œdipe", also Ödipus, des rumänischen Komponisten George Enescu, dann Leos Janaceks "Katja Kabanova", beide von Newcomern inszeniert. Barrie Kosky übernimmt selbst die Regie der berühmten Brecht/Weill-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Viele noch unbekannte Künstlerinnen und Künstler präsentiert Kosky, weil er sich an seine eigene, wie er so charmant sagt, "Baby-Barrie-Zeit" erinnere.

"Wir haben in der nächsten Spielzeit ein paar neue Namen und interessante neue junge Künstleri:innen, Dirigent:innen, Regisseur:innen usw. Sie alle kommen neu ans Haus, denn ich möchte auch den Stab an die nächste Generation übergeben." Das sei eine Pflicht für jede Intendanz oder jemanden, der in sein Alter käme - 54 Jahre alt wird Kosky in diesem Jahr. "Man muss sich um die neue Generation kümmern. Es ist sehr wichtig, dass man Menschen diese Möglichkeit gibt. Einige Intendanten haben damals auch mir die Möglichkeit gegeben, als ich ein Baby-Barrie war, und das freute mich sehr."

Einige Intendanten haben damals auch mir die Möglichkeit gegeben, als ich ein Baby-Barrie war, und das freute mich sehr.

Barrie Kosky, Intendant Komische Oper Berlin

Stück über jiddische Kultur als Herzensprojekt zum Abschied

Begonnen hat Koskys Intendanz vor zehn Jahren mit einer "Zauberflöte", die weltweit über 700.000 Menschen gesehen haben. Enden wird sie wieder mit einer "Zauberflöte", die Kindern erzählt, wie die Geschichte weitergeht nach dem Happy End, das wir bei Mozart kennen. Kosky selbst wird als Letztes etwas ganz Besonderes inszenieren: Die jiddische Kultur, ein Thema, das ihn immer bewegt und inspiriert hat, endete mit der Shoah zwar in Europa, sie fand ihre Fortsetzung jedoch in den USA.

"In New York gab es in den 50er/60er Jahren eine Explosion von jiddischer Kultur. Jiddish Culture meets Swing, meets early Rock. Ich dachte, ich muss eine Revue machen, nur auf Jiddisch und mit großer Besetzung. Die letzte Inszenierung nach zehn Jahren heißt "Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue".

Corona trifft auch Komische Oper

Viele beliebte Repertoirestücke werden weiterlaufen, so "Ball im Savoy" oder "Hoffmanns Erzählungen". Der Vorverkauf beginnt am 15. August. Aber nur für einen Monat, das gilt immer jeweils am 15. und den Folgemonat.

Die Komische Oper wird 2023 umgebaut und muss ins Exil ziehen. Die geschäftsführende Direktorin Susanne Moser und Operndirektor Philip Bröking werden Barrie Kosky in der Intendanz nachfolgen, als Regisseur bleibt Kosky dem Haus jedoch erhalten. Die Finanzen der Komischen Oper seien laut Moser trotz Corona wegen der Kurzarbeit zwar solide, jedoch werde der Kartenverkauf noch bis 2022 hinein geringer sein als vor der Pandemie. Wie jedes Opernhaus weltweit habe Covid-19 das Team der Komischen Oper extrem gefordert, sagt Moser. "Wir haben aufgehört zu zählen, wie viele verschiedene Spielpläne und wie viele Varianten wir durchdacht und geplant haben. Vielleicht nur so viel: Die 'Zigeunerbaron'-Premiere am 6. Juni hatte insgesamt acht verschiedene Premieren-Termine."

Sendung: Abendschau, 28.06.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

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