"Dark Matter" in Lichtenberg - Lichtkünstler Christopher Bauder eröffnet Dauerinstallation in Berlin

Installation "Liquid Sky" vom Lichtkünstler Christopher Bauder (Quelle: darkmatter.berlin)
Video: Abendschau | 04.06.2021 | Arndt Breitfeld | Bild: darkmatter.berlin

Mit Installationen wie "Lichtgrenze" oder "Deep Web" hat der Berliner Lichtkünstler Christopher Bauder in den vergangenen Jahren buchstäblich immer wieder für Aufsehen gesorgt. Spektakuläre Projekte, die aber immer nur kurz zu sehen waren. Das soll sich jetzt ändern. Von Hans Ackermann

Wellenförmige Lichtmuster, die sich auf rund 800 kleinen, sehr hellen Displays über dem Kopf des Betrachters durch den ansonsten pechschwarzen Raum schlängeln. Computergesteuerte Animationen, bei denen man mit weit offenen Augen schnell Raum und Zeit vergisst. "Liquid Sky" heißt die Installation des Berliner Künstlers Christoph Bauder, die den Besucher der neuen Ausstellung im ersten Raum empfängt.

Tanzende Tiefseeungeheuer

Von der ersten Installation gelangt man in zwei weitere schwarze Räume, die "Inverse" und "Circular" heißen. Zusammen bilden diese ersten drei Räume eine Art "Triptychon", wie Bauder sagt. Er liefert die Deutung der Gebilde aus Licht, Bewegung und Klang gleich mit: "Bei den drei Skulpturen erlebt man im ersten Raum vielleicht eine virtuelle Unterwassersituation. In den beiden angrenzenden Räumen sieht man dann die "Lebewesen", die unter dieser Wasseroberfläche hausen".

Tatsächlich erinnert die Kugel-Struktur von "Inverse" irgendwie an belebte Moleküle, während die rotierenden Lichtkreise von "Circular" den geheimnisvollen Tänzen unheimlicher Tiefseeungeheuer nachempfunden sein könnten.

Installation "Liquid Sky" vom Lichtkünstler Christopher Bauder (Quelle: darkmatter.berlin)
Bild: darkmatter.berlin

Lichtspiele für Kinder

Mit ihrer ganz eigenen Phantasie werden wohl Kinder die Lichtinstallationen deuten. "Junges Publikum", das sich Christopher Bauder in großer Zahl in der Ausstellung wünscht. Dark Matter sei "definitiv für Kinder geeignet". Installationen wie den "Polygon-Playground" habe er zuvor auch schon für Kinder gezeigt, die mit diesem begehbaren Lichtkunstwerk großen Spaß gehabt hätten. "Bei unseren Shows in Amsterdam haben wir morgens immer ein "Kinderprogramm" veranstaltet. Und das war rappelvoll mit Kindern, die da mit einem Riesengetöse durchgerannt sind. Auf dem "Polygon-Playground" ist normalerweise die Hölle los".

Hygienekonzept: Fünf Leute im 15-Minuten-Takt

Auch bei der Eröffnung von "Dark Matter" würde unter normalen Umständen sicher ein großer Publikumsandrang herrschen - Tausende haben zuletzt Bauders Installationen "Skalar" und "Deep Web" im Kraftwerk Berlin besucht. Wegen des Lockdowns kann die neue Ausstellung aber nur mit stark limitierter Besucherzahl eröffnet werden.

Mit seinen Mitarbeitern, erzählt Bauder, habe er dazu ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt. "Pro Slot dürfen nacheinander fünf Leute im 15-Minuten-Abstand in die Ausstellung hinein, dabei gilt das "One-Way-System". Auf dem Gelände sei die Zahl der Anwesenden ebenfalls begrenzt, damit möglichst wenige Begegnungen stattfinden.

Installation "Liquid Sky" vom Lichtkünstler Christopher Bauder (Quelle: darkmatter.berlin)
Bild: darkmatter.berlin

Dauerhafte Lichtkunst in Berlin

Das Gelände befindet sich an der Köpenicker Chaussee, "in der Nachbarschaft" zum derzeit geschlossenen Club "Sisyphos" - wie Bauder das Areal an der Rummelsburger Bucht beschreibt. Insgesamt etwa 4.000 Quadratmeter groß, würde "Dark Matter" rund ein Viertel der insgesamt zur Verfügung stehenden Fläche bespielen.

Der Lichtkünstler ist froh, mit "Dark Matter" in Lichtenberg endlich eine eigene Location zu haben. "Wir haben ja vorher im Kraftwerk Berlin unsere Shows gezeigt und eigentlich immer bedauert, dass nicht alle Leute die Chance hatten, das zu sehen. Und so haben wir uns gefragt, was ist besser als nur einen oder drei Monate zu spielen - am besten ist es natürlich, endlos zu spielen !"

Aus diesem Grund habe man das Gelände mit seinen verschiedenen ehemaligen Fabrikhallen erworben, um dauerhaft Lichtkunst in Berlin zeigen zu können. Einzelne Installationen der Ausstellung würden sich dabei voraussichtlich immer mal wieder verändern, sagt Bauder, vielleicht werde man auf dem Gelände an der Spree auch noch eine neue Halle bauen.

"Wahnsinnig viel Technik"

Zum Start seiner neuen Lichtshow hat Christopher Bauder viele Fotos seiner Installationen anfertigen lassen. Eines davon zeigt den 1973 geborenen Lichtkünstler im gemütlichen Liegestuhl an einem künstlichen "Lagerfeuer" - "Bonfire" heißt diese Installation, mit der Bauder seine eigene Kunst selbstironisch infrage stellt: "Bonfire ist auch als eine Kritik an der Technik zu verstehen. Man sitzt da gemütlich am Lagerfeuer, das Feuer knistert und man bildet sich ein, die Wärme zu spüren - in Wirklichkeit aber ist das ja alles Fake, alles nur Simulation, hergestellt mit wahnsinnig viel Technik. 20.000 einzelne Leuchtdioden, die einem so etwas vorgaukeln !"

Eigentlich, sinniert Bauder weiter, würde man doch viel lieber an einem wirklichen Feuer sitzen. "Stattdessen geht man in eine Medien-Ausstellung und hat dort das Gefühl im Kopf, das sei Feuer - obwohl das, was wir da zeigen, natürlich kein Feuer ist !"

Lichtkünstler Christopher Bauder (Quelle: darkmatter.berlin)
Bild: darkmatter.berlin

Hightech, made in Berlin

Magisch angezogen umschwärmen die Menschen von je her das Licht, das auch Bauder schon immer fasziniert und ihn in den letzten 15 Jahren zu allerlei technologischen Erfindungen inspiriert hat: etwas das computergesteuerte Seilwindensystem, mit dem er Lichtobjekte dreidimensional durch den Raum schweben lassen kann. Bei "Deep Web" waren es Hunderte von wassergefüllten, per Laser angestrahlten Kugeln, bei "Grid", der größten der insgesamt sieben Installation, tanzen geformte Leuchtstäbe über die Köpfe des Publikums.

Natürlich seien auch bei dieser Installation, die den Rundgang durch die Ausstellung beendet, alle Elemente über eine "ziemlich komplexe Software" verbunden. Das "Licht" werde auf diese Weise perfekt synchron mit der Musik des Komponisten und Softwareentwicklers Robert Henke durch den Raum bewegt, erzählt Christopher Bauer.

Insgesamt sei Dark Matter das Resultat eines gelungenen Teamwork. "An dieser Ausstellung haben sicher weit über 100 Leute mitgearbeitet. Künstler, aber auch Techniker und Softwareentwickler. Nur in diesem komplexen Zusammenspiel, aus dieser Kombination eines besonderen "Technik-Haufens", ergibt sich am Ende eine hoffentlich leichte und poetisch wirkende Show. Die Zuschauer sollen das ja am besten gar nicht wahrnehmen, aber - es steckt extrem viel "Hightech, made in Berlin" dahinter, so Bauder.

Poesie des Lichts

Tatsächlich bekommt man in Christopher Bauders Installationen kaum etwa mit, vom enormen technischen Aufwand. Stattdessen kann man sich in den sieben Räumen vom ersten Moment an von den abwechslungsreichen Lichtkunstwerken buchstäblich erleuchten lassen. So wie auch der Künstler selbst nach wie vor vom Licht begeistert ist.

"Es gibt so viele verschiedenen Arten von Licht, jedes hat auf seine Art eine besondere Faszination für mich. Angefangen bei der Sonne - was für eine Vorstellung, dass da ein Himmelskörper schwebt, der so heiß ist und so viel Licht abstrahlt, dass unser ganzes Leben auf der Erde davon gespeist wird.", sagt Bauder. Anderseits gebe es diese künstlichen Lichtquellen, die wir Menschen erfunden haben, den Laser mit seinem irisierenden Licht oder die Leuchtdioden. "Sie erlauben uns, in jeder Form, Farbe und Oberfläche das Licht darzustellen - also, ich bin fasziniert davon und ich entdecke immer noch neue Facetten."

Sendung: Abendschau, 03.06.2021, 19:40 Uhr

Nächster Artikel